Fricktal
Schutz vor dem sicheren Mähtod: Jetzt kommt die Kitzrettung aus der Luft

Erstmals in diesem Jahr werden im Fricktal Reh-Babys per Drohne im hohen Wiesengras aufgespürt und so vor schweren Verletzungen durch Landmaschinen bewahrt. Die regionalen Initiativen ziehen nach rund einer Woche Flugbetrieb eine positive Bilanz. Und schätzen, dass sie in den kommenden Wochen noch häufiger fündig werden.

Hans Christof Wagner
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Zurzeit kommen die Rehkitze auf die Welt. Per Drohne werden sie im Fricktal kurz vor dem Mähen aufgespürt und in Sicherheit gebracht.

Zurzeit kommen die Rehkitze auf die Welt. Per Drohne werden sie im Fricktal kurz vor dem Mähen aufgespürt und in Sicherheit gebracht.

Rebea Schacher

Es ist für Naturfotograf Roland Stäuble eine neue Erfahrung. Seit rund einer Woche ist für den Magdener die Nacht gegen 3 Uhr morgens zu Ende. Er muss so früh aufstehen, um rechtzeitig auf den Wiesen und Feldern seines Einsatzgebietes in Wegenstetten und Umgebung zu sein. Er erzählt:

«Das Zeitfenster schliesst sich schon wieder gegen 7 Uhr. Danach wird die Wiese zu warm und man kann die Kitze nicht mehr ausmachen.»
Auf dem Monitor kann Pilot Roland Stäuble verfolgen, was die Drohne auf der Wiese sieht.

Auf dem Monitor kann Pilot Roland Stäuble verfolgen, was die Drohne auf der Wiese sieht.

zvg

Stäuble ist Drohnenpilot und lässt seinen ferngesteuerten Flugapparat im Auftrag von Landwirtinnen und Landwirten sowie Jägerinnen und Jägern aus Wegenstetten aufsteigen. Versehen mit einer hochauflösenden Wärmebildkamera, gelingt es so, die wehrlosen, sich im hohen Gras versteckenden Tiere ausfindig zu machen. Kenntlich gemacht und mit einer Harasse abgedeckt und geschützt, kann so um das Kitz herum gemäht werden - und der Reh-Nachwuchs bleibt am Leben.

Seit einer Woche unterwegs, hat Stäuble in Wegenstetten bisher schon etliche Felder und Wiesen abgeflogen, aber noch kein Rehkitz ausgemacht. Er schränkt indes ein:

«Die Heuernte liegt dieses Jahr früher als normal. Und viele Rehmütter sind aktuell noch trächtig und bekommen ihre Kitze erst noch.»

So geht er davon aus, dass die Zahl der Funde in den kommenden Wochen steigen wird. Saison sei voraussichtlich bis Mitte Juni. Bis dahin sei dann alles abgemäht.

Grosse Erleichterung bei den Bäuerinnen und Bauern

Nach der ersten Woche Flugbetrieb zieht Stäuble eine positive Bilanz. Vor allem die Bäuerinnen und Bauern seien glücklich über den Service und erleichtert. Sie hätten jetzt die Sicherheit, bei Mäharbeiten keine Kitze mehr zu verletzen. Denn passiere das, sei es für die Landwirte belastend und traumatisch. Sie könnten jetzt frei im Kopf ihrer Arbeit nachgehen und verspürten beim Mähen keine mulmigen Gefühle mehr.

Gelbe oder rote Felder verraten, wo sich möglicherweise Rehkitze in der Wiese verstecken.

Gelbe oder rote Felder verraten, wo sich möglicherweise Rehkitze in der Wiese verstecken.

zvg

In Wegenstetten noch nicht fündig, spürte Stäubles Drohne indes bei Magden, wo er auch fliegt, ein Kitz auf. Es sei auf eine Wiese getragen worden, die nicht gemäht werde. Auch sei ihm erzählt worden, dass ein Landwirt in Wegenstetten beim Verblenden, der herkömmlichen Art der Rehkitzrettung, ein Jungtier gefunden hat. Andere Drohnen-Piloten hätten zwei weitere Kitze in Magden entdeckt.

Auch die zweite Rehkitz-Rettungsinitiative im Fricktal, getragen vom Verein «Wild- und Naturherz» mit Sitz in Schupfart, hat vor anderthalb Wochen in Schupfart und Zuzgen mit dem Drohnenflug begonnen und seitdem ein Kitz gerettet.

18’300 Franken durch Crowdfunding gesammelt

Bei einem Crowdfunding hatte der Verein zu Spenden aufgerufen und so kamen laut Präsident Peter Lüthi 18'300 Franken zusammen. Das reichte zum Kauf von gleich zwei Drohnen. Und mit dem Rest können Ersatz- und Verschleissteile sowie Ersatzakkus beschafft werden.

Denn die inzwischen vier Drohnenpiloten der Initiative bekommen immer mehr Anfragen. Lüthi sagt:

«Weitere Jagdgesellschaften haben schon angefragt. Wir sind überrascht über das grosse Interesse.»

Auch die Jagdgesellschaft Zeihen ist jetzt in die Rehkitz-Rettung eingestiegen. Jagdaufseher Markus Meier sagt: «Wir haben das in Eigeninitiative gestartet. Und 6000 Franken für die Ausrüstung bezahlt. Wir fliegen selbst, Wir sind aktuell drei Piloten. »

Auch für Meier und seine Mitstreiter heisst es jetzt in den kommenden Wochen: 4.30 Uhr aufstehen, um bis 7 Uhr mit dem Fliegen durch zu sein.