Fricktal
«Mein einziger Wunsch: Wir möchten unseren Laden wieder aufmachen»

Die Detailhändler in der Region hoffen, dass der Bundesrat heute Lockerungen erlässt – oder sie zumindest ankündigt. Auch jene, die schon während des Lockdowns offen haben durften, wünschen sich Klarheit, wie es weitergeht.

Nadine Böni
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Markus Bachmann vom Spielwarengeschäft Binkert in Frick hat genug davon, dass ihm die Hände gebunden sind.

Markus Bachmann vom Spielwarengeschäft Binkert in Frick hat genug davon, dass ihm die Hände gebunden sind.

Bild: Yvonne Zollinger (20. Oktober 2015)

Rosemarie Heid hat derzeit schwierige Entscheidungen zu treffen. In der Modebranche läuft bereits der Einkauf für die nächste Wintersaison. Die Inhaberin der Boutique Mikado in Stein bestellt also jetzt die Ware, die sie im nächsten Winter anbieten möchte. «Dabei ist der Laden ja noch voll mit Winterkleidern wie Jacken und dicken Pullovern», sagt Heid.

Seit dem 18. Dezember ist die Boutique geschlossen. Für Heid ist das besonders bitter, denn: «Der Januar und auch die vergangenen Tage wären wegen der tiefen Temperaturen und des vielen Schnees ideal gewesen, um Wintermode zu verkaufen.» Stattdessen musste Heid auf einen Abhol- und Lieferservice setzen. Sie sagt: «Lukrativ ist das nicht.» Lediglich ein paar Einzelstücke habe sie so verkaufen können. Für die Mitarbeitenden hat sie deshalb Kurzarbeit angemeldet. Aber die finanzielle Situation sei trotz Kurzarbeitsentschädigung schwierig. Heid ist ehrlich:

«Hätten wir nicht ‹Spatzig› aus unserer langjährigen Tätigkeit, wäre ein Überleben derzeit kaum möglich.»

Ähnlich tönt es bei Markus Bachmann vom Spielwarengeschäft Binkert in Frick. Auch er musste seinen Laden schliessen. Auch er bietet einen Abholdienst auf Bestellung. Und auch er sagt: «Mehr als einen Tropfen auf den heissen Stein bringt das nicht.» Derzeit mache er einen Bruchteil des Umsatzes in normalen Jahren. Bachmann hat für seine Mitarbeitenden ebenfalls Kurzarbeit anmelden müssen.

Gespannter Blick nach Bern

Entsprechend gespannt werden Rosemarie Heid und Markus Bachmann heute nach Bern blicken, wo der Bundesrat über die nächsten Schritte zum allfälligen Ende des Lockdowns informiert. «Mein einziger Wunsch: Wir möchten unseren Laden bald wieder aufmachen», sagt Heid. Und auch Bachmann sagt:

«Wir müssen möglichst schnell einen Weg zurück zur Normalität finden. Wir sind bereit und fähig, die dazu erforderlichen Hygienemassnahmen strikt umzusetzen.»

Bereits offen hat die Altstadt-Papeterie Jäger in Rheinfelden. Für Papeterien gilt in diesem zweiten Lockdown gemäss Vorgaben des Bundes wie etwa auch für Apotheken oder Blumenläden eine Ausnahme. «Wir merken, dass in der Altstadt weniger los ist. Mit unserem offenen Laden sind wir allein auf weiter Flur», sagt Jäger.

Die Umsatzzahlen seien derzeit allerdings fast vergleichbar mit einem normalen Jahr. «Wir merken hier vor allem das schöne Wetter der vergangenen Tage», sagt Jäger. Die Leute ziehe es raus und in die Altstadt – «manch ein Spaziergänger kommt dann spontan in den Laden und kauft etwas», so Jäger.

Trotzdem ist er, was den Lockdown betrifft, der Ansicht: ganz oder gar nicht. «Lieber ein radikaler Lockdown mit entsprechenden Hilfszahlungen an die Betroffenen als ein ewiges Hin und Her», so Jäger. Letzteres erschwere nicht nur die Planung für die Detailhändler, sondern verunsichere auch die Kundschaft. Vom Bundesrat erhofft er sich deshalb heute – auch im Sinne seiner Kolleginnen und Kollegen im Detailhandel – vor allem eines: eine klare Ansage.