Bauzonen
Eine regionale Siedlungsplanung – verbrennt sich Fricktal Regio die Finger?

Im Fricktal soll ein neues Instrument entstehen, um ausgezontes Bauland in der Region zu behalten. Die Umsetzung dazu steht aber noch vor vielen Fragezeichen und die Konflikte zwischen Stadt und Land sind vorprogrammiert.

Simon Widmer
Drucken
Teilen
Mit dem Regionalen Siedlungstopf sollen die Bauzonen im Fricktal bleiben.

Mit dem Regionalen Siedlungstopf sollen die Bauzonen im Fricktal bleiben.

Symbolbild: Arno Balzarini

Bauzonen – immer ein sehr heikles Thema. Meist geht es um viel Geld und grosse Möglichkeiten. «Es ist eine heisse Kartoffel, an der man sich leicht die Finger verbrennen kann.» So kündigte Christian Fricker, Präsident von Fricktal Regio, die Präsentation an der diesjährigen Fricktalkonferenz 2021 von Röbi Schmid, Vorstandsmitglied, und Dunja Kovári, Regionalplanerin von Fricktal Regio, an. Trotzdem würden sie sich ans heisse Eisen wagen.

Der Kanton bestimmt

Die beiden stellten den geplanten Regionalen Siedlungstopf vor. Dieser Topf ist ein Gefäss zur regionalen Raumplanung im Kanton Aargau, dass schweizweit das Einzige seiner Art ist.

Heute funktioniert es so, dass wenn bei einer Gemeinde zum Beispiel im Rahmen einer Gesamtrevision der Nutzungsplanung einen Überschuss an Bauzonen festgestellt wird, die Gemeinde diese auszonen und dem Kanton zur Verfügung stellen muss. Wenn dann eine andere Gemeinde Bauland benötigt, kann sie die gleiche Menge an Land einzonen, wie ausgezont wurde. So wird Bauland effizienter genutzt, aber ausgezontes Land ist für die einzelnen Regionen verloren.

Zonen bleiben in der Region

Nun will man es aber so handhaben, dass diese ausgezonten Zonen nicht mehr dem Kanton, sondern in unserem Fall dem Fricktal nutzungsneutral zur Verfügung stehen. Dafür werden die Zonen in diesen Siedlungstopf eingespeist und können dann von «bedürftigen» Gemeinden wieder bezogen werden. So bleibt das Bauland in der Region. Dunja Kovári sagt:

«Der Siedlungstopf soll zur Stärkung des Fricktals als attraktive Wohn- und Wirtschaftsregion beitragen.»

Ausserdem sollen so die regionalen Stärken gefördert und regionale Mehrwerte geschaffen werden. Im Grossen und Ganzen würde eine gemeinsame Entwicklungsperspektive entstehen.

Konflikte sind vorprogrammiert

Der Grundgedanke hört sich sehr gut an, doch dieses neue Vorhaben bringt einige Schwierigkeiten mit sich. Speziell der Prozess der Vergabe von Bauland an Gemeinden muss noch gut ausgearbeitet werden, damit klar ist, wer wann wie viel Land einzonen kann und wer das Ganze entscheidet.

Ein Problem ist auch, dass sich kleinere Gemeinden benachteiligt fühlen. Sie sind meist uninteressanter für Zuzügler und finden sich deshalb eher auf der Speiserseite des Prozesses wieder. Damit diese auch etwas von der Neuerung haben, wird deshalb noch nach einer Ausgleichslösung gesucht. Eine Geldzahlung steht dabei aber ausser Frage, weshalb nach anderen kreativen Ansätzen gesucht werden muss. Ein Gemeindeammann einer kleineren Fricktaler Gemeinde dagegen sagt:

«Es muss eine finanzielle Entschädigung geben.»

Damit löste er eine hitzige Diskussion aus. Klar ist: Es bleibt ein schwieriges Thema und die nächsten Jahre werden zeigen, ob man eine gute Lösung findet oder ob Raumplanung im Fricktal zur grossen Zerreissprobe wird.

Aktuelle Nachrichten