Landwirtschaft

Frostige Temperaturen sorgen für schlaflose Nächte bei den Obstbauern

Wenn die Knospen gefrieren, kann das bis zu 80 Prozent Ernteausfall bedeuten.

Wenn die Knospen gefrieren, kann das bis zu 80 Prozent Ernteausfall bedeuten.

Die Minusgrade der letzten Tage haben viele Landwirte aufhorchen lassen. Kritisch wird es nun in den nächsten Wochen.

Noch sei er positiv gestimmt, sagt Landwirt Andy Steinacher – obwohl er die letzten vier Nächte kein Auge zugedrückt habe. Nach einem milden Winter sind viele seiner Obstbäume in Schupfart bereits am Blühen oder kurz davor. Besonders die Aprikosen- und Kirschbäume. Durch den Strömungsfrost diese Woche sind diese nun akut gefährdet. Mittels Frostkerzen versuchen viele Obstbauern, ein Gefrieren der Knospen in der Nacht zu verhindern. Effizienter wäre ein Zudecken der Bäume. «Bei den Aprikosen haben wir dies teilweise gemacht, wegen der starken Bise wurde das aber zu gefährlich», sagt Andy Steinacher, der zugleich Präsident des Verbands der Aargauer Obstproduzenten ist.

Ob es zu Ernteausfällen kommen werde, könne man noch nicht sagen. Die Temperaturen seien aber genug tief gewesen, um Schäden zu verursachen, sagt Andreas Suter vom Loorhof in Lupfig, wo auch eine Messstation des Kantons steht. In der Nacht auf Mittwoch habe diese fünf Zentimeter über dem Boden -5 Grad angezeigt. «Jetzt im Grünknospenstadium halten die Blüten bis zu -4 Grad aus. Ein Viertel unserer Apfelbäume befindet sich aber bereits im Rohknospenstadium», sagt er. Die tiefen Temperaturen könnten 50 bis 80 Prozent Ernteausfall bedeuten. Um diesem vorzubeugen, hätten sie etwa das Gras rund um die Bäume gemäht, damit der Boden tagsüber mehr Wärme von der Sonne aufnehmen kann und nachts entsprechend auch mehr Wärme abgibt. Auch ein am Tag bewässerter Boden könne mehr Wärme speichern. «1-2 Grad bringen wir damit hin, mit dem starken Wind jetzt ein bisschen weniger», sagt er. «Ich denke, wir werden etwas Ernteausfall haben, aber bis jetzt noch nicht so viel.» Nach dem frostigen April 2017 verzeichnete der Loorhof einen Ausfall von satten 90 Prozent. Weil die Winter zunehmend milder werden, investiert die Familie Suter deshalb in eine Anlage für eine sogenannte Überkronenberegnung, die die Knospen vor Frost schützt. Bis 2022 sollte diese fertiggestellt sein.

«Es ist noch zu früh, um von Schäden zu reden»

Dass die Knospen schon in den letzten fünf Jahren eher früh heranreiften, bestätigt auch Othmar Eicher, Obstbauspezialist beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen. Es sei aber noch zu früh, um von etwaigen Schäden zu reden. «Wir gehen davon aus, dass es an gewissen Orten zu leichten Frostschäden gekommen ist, aber noch nichts Katastrophales», sagt er. «Die Temperaturen haben erschreckt, aber die Knospen sind noch nicht im empfindlichen Stadium.» Diese kritischen Momente kämen erst noch. Da es nicht geregnet habe, seien die Blüten zudem trocken geblieben und nicht erfroren. «Wir gehen davon aus, dass die Pflanzen es ertragen haben.»

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