Mumpf

Für über 9 Millionen Franken verkauft: Das leerstehende Schulhaus bleibt ein Schulhaus

Das leerstehende Oberstufenzentrum im Mumpf wird ab 2021 als Heilpädagogische Schule genutzt.Bild: Claudio Thoma

Das leerstehende Oberstufenzentrum im Mumpf wird ab 2021 als Heilpädagogische Schule genutzt.Bild: Claudio Thoma

Die Stiftung MBF kauft das Oberstufenzentrum in Mumpf für 9,3 Millionen Franken und betreibt dort ab 2021 die Heilpädagogische Schule.

Nun ist es definitiv: Das Oberstufenzentrum in Mumpf, das seit diesem Sommer leersteht, bleibt eine Schule: Die Stiftung MBF übernimmt das Schulhaus samt Turnhalle auf den 1. Mai 2021 für 9,3 Millionen Franken vom Schulverband. Für weitere rund 350 000 Franken kauft die Stiftung der Gemeinde Mumpf das Land ab, auf dem die Turnhalle steht. Ein weiterer Vertrag regelt die Nutzung der Aussenanlagen.

Ab Sommer 2021 wird damit die neue Heilpädagogische Schule Fricktal, die aus dem Zusammenschluss der beiden Schulen Frick und Rheinfelden entsteht und unter der Führung der Stiftung MBF ab Sommer 2020 operativ tätig sein wird, mit ihren rund 100 Schülern in Mumpf einziehen. Bis dahin werden die Schüler an den bisherigen Standorten unterrichtet.

Zwar können Einwohner der vier Verbandsgemeinden Obermumpf, Mumpf, Schupfart und Wallbach gegen den Verkaufsentscheid, den der Schulverband getroffen hat, innert 30 Tagen das Referendum ergreifen. Dass dies geschehen wird, ist allerdings sehr unwahrscheinlich, denn in den Gemeinden ist man froh, dass man einen Käufer gefunden hat – und dass das Gebäude weiterhin als Schule genutzt wird.

In den letzten Monaten hat der Verband verschiedene Optionen geprüft und Verkaufsmöglichkeiten ausgelotet – unter anderem bewarb sich der Schulverband als Standort für die geplante Mittelschule. Der Kanton winkte ab – wie auch andere potenzielle Nutzer.

Er sei über den Verkauf «sehr erfreut», sagte der Mumpfer Gemeindeammann Stefan Güntert gestern vor den Medien. Ein leerstehendes Gebäude bereite keine Freude. «Wir sind auch dankbar, dass das Schulhaus wieder den ursprünglichen Zweck erfüllen wird.» Astrid Zeiner, Präsidentin des Schulverbandes, findet die Lösung ebenfalls ideal. «Die Heilpädagogische Schule ist bei der Stiftung MBF sehr gut angesiedelt und die Liegenschaft hier ist ideal», ist sie überzeugt.

Buchwert liegt rund 600 000 Franken höher

Mit 9,3 Millionen Franken liegt der Verkaufspreis tiefer als erhofft. Eine Liegenschaftsbewertung, die der Schulverband in Auftrag gab, kam auf einen Wert von 12 Millionen Franken und in den Büchern taucht das Schulhaus mit 9,9 Millionen Franken auf. Ermittelt habe man den Verkaufspreis mit einer Restwertberechnung per 1. Mai 2021, erklärte René Berger, Vizepräsident des Stiftungsrates und zuständig für die Immobilien bei der Stiftung MBF.

In Anbetracht der Investitionen, welche die Stiftung noch in das Schulhaus tätigen muss – es braucht mehr sanitäre Anlagen und eventuell einen zweiten Lift –, sei man der Stiftung beim Kaufpreis etwas entgegengekommen, erklärte Zeiner. Die getroffene Lösung sei für alle fair und gut.

Das unterstrichen alle Parteien und Hansueli Bühler, langjähriger Gemeindeammann von Stein und MBF-Stiftungsrat, erinnerte daran, dass sowohl Schulhaus wie auch Heilpädagogische Schule mit Steuergeldern finanziert werden. «Es hätte wohl niemand verstanden, wenn wir ein neues Schulhaus gebaut oder eines der bestehenden ausgebaut hätten, während in Mumpf ein recht neues Schulhaus leer steht.» Das Schulhaus in Mumpf wurde 2005 erstellt.

Genau dies aber, ein Aus- oder Neubau, wären die Optionen gewesen. Man habe dies ebenfalls geprüft, erklärte Jean-Paul Schnegg, Geschäftsleiter der Stiftung MBF. Eine erste Berechnung ergab, dass eine neue Schule rund 22 Millionen Franken kosten würde – exklusive Land und Einrichtung.

Auch eine Variante mit zwei Standorten geprüft

Die dritte geprüfte Variante war, die beiden bestehenden Standorte weiterzuführen, wie das ursprünglich auch angedacht war. Doch hier zeigte sich, dass die Infrastruktur der HPS in Rheinfelden weder den aktuellen noch den zukünftigen Anforderungen gerecht wird. Zudem wolle man Synergien nutzen, so Schnegg, und das gehe nur an einem Standort. «Heute haben beide Schulen eine eigene Kultur. Es ist wichtig, dass es künftig unter einer Leitung nur noch eine Kultur gibt, und das ist an einem Standort leichter zu erreichen», so Schnegg.

Dass die Umstellung für Lehrer wie Schüler anspruchsvoll sein wird und auch Ängste auslösen kann, weiss Ursula Brun, Präsidentin des Stiftungsrates. Der Stiftung sei im ganzen Prozess ein offener Austausch wichtig, sagt sie. Mehr Mühe mit der Veränderung hat dabei der Lehrkörper in Frick, denn hier ist – im Gegensatz zu Rheinfelden – die räumliche Situation heute sehr gut. Mühe haben aber auch Eltern, die mit der neuen Situation nicht glücklich und zum Teil auch nicht einverstanden sind.

Derzeit laufen die Vorarbeiten für die neue Schule. Gesucht wird insbesondere eine Schulleitung. Die Suche ist nötig, da die beiden bisherigen Schulleiter in Frick und Rheinfelden diese Aufgabe nicht übernehmen wollen. Man sei in Gesprächen, erklärte Schnegg. Ziel sei, die neue Schulleitung bis Ende Monat verpflichtet zu haben, damit sie im Februar starten und am Aufbau der Schule mitarbeiten kann.

Gearbeitet wird dabei in neun Teilprojekten. Es gebe noch vieles zu klären, so Schnegg. Ein Punkt ist der Schulweg; das Schulhaus liegt etwas peripher. Man schaue sich die Situation zusammen mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung und der Regionalpolizei an, so Schnegg. Er betonte aber gleichzeitig: Ein Grossteil der Schüler, Schnegg sprach von 50 bis 70 Prozent, würden mit dem Bus zur Schule gebracht, da sie den Schulweg nicht alleine meistern können.

Zwischennutzungen bleiben bestehen

Übernommen hat die Stiftung MBF, die bislang Wohn-, Tagesstruktur- und Arbeitsplätze für erwachsene Menschen mit Behinderung anbietet, die Schule, weil die Aufgabe gut ins Portfolio der Stiftung passt und sie so zu einem integralen Kompetenzzentrum für Menschen mit Behinderung wird. «Uns war es vor allem auch ein Anliegen, die Schule inklusive der Werkstufe im Fricktal halten zu können», so Schnegg.

Dass man das Gebäude erst auf das Schuljahr 2021 übernimmt, hat zwei Gründe. Zum einen will die Stiftung Schritt für Schritt vorangehen, zum anderen sieht sie sich auch in der Verantwortung, da zu Beginn des Prozesses im Mai 2017 kommuniziert wurde, die beiden Standorte blieben zumindest mittelfristig erhalten.

Bis zur Übernahme des Schulhauses durch die Stiftung bleibt dieses vermutlich weitgehend ungenutzt. Die aktuellen Zwischennutzungen – unter anderem probt die AEW Concert Brass im Schulhaus – blieben bestehen, so Zeiner. Neue Zwischennutzungen seien derzeit aber nicht in Sicht.

Die Stimmberechtigten der vier Verbandsgemeinden werden noch einmal über das Schulhaus befinden – mit der Rechnung 2021, wenn die über dem Buchwert liegenden 600 000 Franken abgeschrieben werden.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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