Es sieht gut aus für den Nachwuchs von Senderstorch «Malou II». Der Storch, dessen Flugroute man dank einem GPS-Sender seit fünf Jahren im Internet verfolgen konnte, war vor gut zwei Wochen in Möhlin ums Leben gekommen; er war mit einen Zug kollidiert oder in die Fahrleitung geflogen.

Seither muss seine Storchenpartnerin alleine für die beiden inzwischen 10 Wochen alten Jungstörche – sie sind damit die Nachzügler in Möhlin – sorgen. Dabei bekommt sie Unterstützung von den Mitarbeitern der Storchenstation. Da der Horst nur rund drei Meter ab Boden liegt, werfen die Mitarbeiter nach dem Tod von «Malou II» regelmässig Futter in den Horst, wenn die Storchenmutter auf Futtersuche ist.

Nur eben: «Die Trefferquote beim Hochwerfen des Futters in den Horst lag nicht bei 100 Prozent», schreibt die Storchenstation auf Facebook. Ein Pfleger hatte dann die Idee, die Störche mit einem Obstpflücker – einer Zange an einem lange Stab – zu füttern. «Das funktioniert sehr gut», sagt Bruno Gardelli, Leiter der Storchenstation. Pro Fütterung gibt es zwei bis drei Rationen, damit beide Jungtiere etwas abbekommen. «Sonst würde das stärkere Jungtier alles fressen.»

Die beiden Jungstörche hätten sich in den beiden Wochen, in denen das Pflegeteam zufüttert, gut entwickelt, sagt Gardelli. Er ist denn auch guten Mutes, dass sie es schaffen werden. «Eine Garantie gibt es aber nicht.» Während die Jungstörche der anderen 17 Möhliner Brutpaare tagsüber bereits am Fliegen sind, sitzen die beiden noch rund um die Uhr im Horst. «Wir hoffen, dass sie diese oder nächste Woche zu fliegen beginnen», sagt Gardelli. Dann ist eine wichtige Etappe geschafft und sie lernen von den anderen Störchen, ihr Futter selber zu suchen.

Bis es so weit ist, steht ihnen aber zuerst noch eine brütend heisse Woche bevor. Die Hitze kann auch den Jungstörchen zusetzen. Bereits einmal hat sich Gardelli deshalb den Jungtieren vorsichtig mit einem Gartenschlauch genähert und sie abgespritzt. «Sie haben es sichtlich genossen», sagt er.

Er will die Storchen-Dusche in dieser Woche wiederholen. Fortgesetzt wird auch die Fütterung – und zwar so lange, wie die Jungstörche das Futter nehmen respektive bis sie selber auf Futtersuche gehen.

Allerdings dürfte die Futtersuche in den kommenden Tagen wegen der Hitze schwieriger werden. «Wenn es lange heiss ist, wird das Futter knapp», sagt der Kaiseraugster Storchenvater Urs Wullschleger. Aktuell geht es «seinen» 21 Jungstörchen gut. Auch «Pamino», der Jungstorch von der Platane beim Schulhaus, sei gut in Form und bereits eifrig am Fliegen. Das freut auch die Schüler von Lehrerin Jacqueline Koessler – die Drittklässler haben die Patenschaft für «Pamino» übernommen und waren vor einem Monat auch dabei, als ihr «Pamino» beringt und getauft wurde.