Das Tennisjahr 2018 endete für Jérôme Kym am Sonntag mit einem veritablen Paukenschlag. Bei seiner erst zweiten Teilnahme im Hauptfeld der Schweizer Meisterschaften der Elite hat sich der Fricktaler ins Finale vorgekämpft. Und das als ungesetzter Spieler im Alter von gerade mal 15 Jahren. Kym hat auf dem Weg ins Endspiel mit Vullnet Tashi, Adam Moundir und Marc-Andrea Hüsler gleich drei wesentlich höher eingestufte Profispieler eliminiert.

Vor allem gegen Moundir und im Halbfinal gegen Davis-Cup-Spieler Hüsler – die Nummer fünf der Schweiz und die Nummer 419 der Welt – hat Kym hervorragend gespielt. «Es ist schon ein geiles Gefühl, gegen so starke Spieler gewinnen zu können», freut sich Kym, der Hüsler nach knapp drei Stunden in drei hart umkämpften Sätzen niedergerungen hatte.

Im Endspiel musste sich der junge Fricktaler dann der früheren Weltnummer 93, Henri Laaksonen, geschlagen geben. Nach den kräftezehrenden Partien im Viertel- und Halbfinal fehlte Kym etwas der «Pfupf in den Beinen», wie er sagt. Dennoch war das Finalspiel für ihn eine einzigartige Erfahrung. «Ich hatte richtig Gänsehaut, wenn die Leute für mich geklatscht haben. Der Support im Final war viel grösser als beispielsweise in der ersten Runde, die ich auf dem hintersten Platz in der Halle bestritten habe.»

Dass Kym bei seinem letzten Turnier in diesem Jahr derart für Furore sorgen würde, war nicht zu erwarten gewesen. In den Monaten zuvor war der 15-Jährige nicht mehr so richtig auf Touren gekommen, hatte eine «kleine Negativserie». Das Vertrauen in sein Spiel hat gefehlt, auf dem Platz hat er zu viel nachgedacht. Eine Kombination, die im Tennissport nicht zum Erfolg führt.

600 Ränge nach oben geklettert

Trotz dieser kleinen Baisse im Herbst ist Jérôme Kym mit seiner Saison zufrieden. In seinem ersten Jahr, in dem er regelmässig auf der internationalen U18-Juniorentour gespielt hat, verbesserte er sich in der Weltrangliste um beinahe 600 Ränge. Aktuell steht er auf Position 327. «Ich wollte so viele Punkte wie möglich sammeln in diesem Jahr, um mein Ranking zu verbessern. Das ist mir gelungen. Ich bin sehr zufrieden damit, wo ich derzeit stehe», sagt Kym.

Nicht nur mit seinem Ranking ist Kym zufrieden, sondern auch mit den Fortschritten in seinem Spiel. Er hat konsequent daran gearbeitet, seine offensiven Qualitäten noch besser einsetzen zu können. «Ich trainiere täglich dafür, dass ich mit meinem Service und meiner Vorhand Druck machen kann. In diesem Bereich habe ich mich stark verbessert. Auch mein Serve-and-Volley-Spiel ist viel besser geworden», sagt Kym, der seit diesem Sommer voll auf die Karte Tennis setzt.

Endlich Tennisprofi

Die obligatorische Schulzeit hat er erfolgreich abgeschlossen und ist seither als Tennisprofi unterwegs. Ein Schritt, auf den er lange gewartet hat. «Ich wollte unbedingt Profi werden. Darauf habe ich mich schon lange eingestellt. Jetzt kann ich endlich richtig Vollgas geben», sagt Kym. «Nach dem Ende der Schule ist eine grosse Last von mir abgefallen. Ich habe jetzt viel weniger Stress, kann mich besser auf das Training konzentrieren und habe mehr Zeit für die Regeneration.»

Regeneration ist ein gutes Stichwort: Nach dem grossen Erfolg an der Schweizer Meisterschaft der Elite in Biel stehen für Jérôme Kym als nächstes Skiferien auf dem Programm – ein paar Tage Erholung, bevor die Vorbereitung aufs neue Jahr beginnt. Das erste Turnier ist dabei traditionellerweise die Junioren Schweizer Meisterschaft. Und an die hat Jérôme Kym gute Erinnerungen. Schon fünf Mal konnte er den nationalen Titel der Junioren gewinnen – zwei Mal davon in diesem Jahr.