Frick
Für diese Friedensaktivistin ist klar: Begegnung schafft Frieden

Sumaya Farhat-Naser rief zum Dialog zwischen Palästinensern und Israelis auf.

Michael Schäppi
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Sumaya Farhat-Naser schilderte in Frick den Nahost-Konflikt aus palästinensischer Sicht – und rief zum Dialog auf.

Sumaya Farhat-Naser schilderte in Frick den Nahost-Konflikt aus palästinensischer Sicht – und rief zum Dialog auf.

Kenneth Nars

Die Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser setzte in Frick ein Zeichen für gewaltfreie Begegnung im umkämpften Palästina. Im reformierten Kirchgemeindezentrum berichtete sie am Dienstagabend über die grossen Schwierigkeiten der Bevölkerung. Ihr energiegeladener Auftritt und zahlreiche Friedensprojekte machen Mut.

Schon vor dem Vortrag setzte Sumaya Farhat-Naser ein erstes Zeichen von Hoffnung: Mit dem Verkauf von Olivenöl palästinensischer Kleinbauern im Kirchgemeindehaus verschafft sie diesen nicht nur Arbeit, sondern macht ihnen Mut, sich nicht aus Palästina vertreiben zu lassen. Die reformierte Kirche der Gemeinde Frick und die katholischen Pfarreien im Oberen Fricktal haben Sumaya Farhat-Naser gemeinsam eingeladen, über ihre Friedensbemühungen zu berichten.

Gegen 700 000 Araber haben seit dem Palästinakrieg von 1948 ihr Land verlassen. Die Karte von Palästina zeigt kein einheitliches Bild, überall gibt es israelische Besatzungsgebiete. Um die palästinensischen Siedlungen errichtet die israelische Armee Mauern, aus Gründen der Sicherheit. «Doch das ist nur ein Element in der Vertreibungspolitik der Israelis», ist Farhat-Naser überzeugt.

Appell zum Dialog

Die 1948 in Birzeit bei Jerusalem geborene Schriftstellerin gibt den Glauben nicht auf, dass Araber wie Juden eine gemeinsame Heimat haben können. Deshalb vermittelt sie an Schulen gewaltfreie Kommunikation und leitet diverse Friedensprogramme. Dass seit 1973 den Palästinensern und Israelis der gegenseitige Austausch über Politik erschwert sei, sieht die Erziehungswissenschaftlerin als Hauptgrund für die anhaltenden Konflikte. «Nur wer miteinander redet, kann erkennen, dass das Gegenüber eigentlich ganz normal und wunderbar ist.»

Für ihr Engagement erhielt Farhat-Naser die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Münster und zahlreiche internationale Auszeichnungen als Autorin, darunter den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Auf ihren Vortragsreisen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz schildert sie den Konflikt aus palästinensischer Sicht. Die Ansichten der Biologin zeugen von Bodenständigkeit: «Für mich sind alle Menschen gleich.» Gute Handlungen haben für sie ihren Ursprung in den Gedanken. «Wir alle haben in unseren Leben Tragödien erlebt, sowohl Palästinenser wie Israelis.» Es sei eine Pflicht, die freudigen Erlebnisse immer wieder hervorzuholen. Durch diese Erinnerungen entstehe Frieden in jedem einzelnen Menschen und auch den Mitmenschen.

Aus dem diplomatischen und bewaffneten Kampf der Palästinenser für einen eigenen Nationalstaat, wie ihn der UN-Teilungsplan festhält, resultiere der bis heute andauernde Konflikt mit Israel. Das Ende scheine nicht absehbar. Hoffnung macht Sumaya Farhat-Naser jedoch ein neu gegründetes Jugendparlament im Internet. Inzwischen zählt es 78 000 Mitglieder und erhält breite Unterstützung. «Selbst israelische Jugendliche besuchen die Website und finden so palästinensische Freunde», so Farhat-Naser. Kämpferisch betonte sie am Schluss des Abends: «Wir waren in Palästina, wir sind dort, und wir werden dort bleiben.»

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