Gastronomie
Umsatzeinbussen von bis zu 50 Prozent: Die Zertifikatspflicht macht Fricktaler Wirten schwer zu schaffen

Seit zwei Wochen schon sind die Innenbereiche von Restaurants und Bars geimpften und getesteten Personen vorbehalten. Die Beizer trifft das massiv. Noch können Gäste die Zertifikatspflicht auf der Terrasse umgehen – aber die kalte Jahreszeit kommt und mit ihr grössere Unsicherheit bei den Wirten.

Hans Christof Wagner
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Arsim Rustemi serviert Pizza auf der «Rebstock»-Terrasse in Frick.

Arsim Rustemi serviert Pizza auf der «Rebstock»-Terrasse in Frick.

Dennis Kalt (19. April 2021)

Im Fricker Gasthaus Rebstock an der Hauptstrasse war es wie Tag und Nacht: Vor Einführung der Zertifikatspflicht noch volles Haus – auf absehbare Zeit das letzte Mal Pasta und Pizza zertifikatsfrei – dann, mit dem 13. September, der drastische Einbruch. Wirt Samet Rustemi bilanziert die vergangenen zwei Wochen, in denen die Zertifikatspflicht in den Innenräumen der Gastronomie nun schon gilt, so:

«Wir müssen seitdem Umsatzeinbussen von 50 Prozent verschmerzen.»

Mittags sei das Geschäft dank der noch immer warmen Temperaturen auf der Terrasse gut. Abends aber, bei schon früher Dämmerung und kühlen Temperaturen, falle der Aussenbereich als zertifikatsfreie Ausweichzone weitgehend aus. Wer dann essen möchte, muss es drin tun und einen Nachweis über zwei absolvierte Impftermine oder einen negativen Test vorzeigen. Und den können eben noch immer viele nicht präsentieren. Rustemi sagt:

«Ich hätte nicht gedacht, dass so viele immer noch nicht geimpft sind.»

Und dass jemand einen eigens für den Restaurantbesuch absolvierten negativen Coronatest mitbringt, komme praktisch nie vor. Auch eher nur vereinzelt zeigten die Leute einen Genesenennachweis vor, so Rustemi.

Giovanni und Carolina Rosso wirten im «Warteck» in Kaisten.

Giovanni und Carolina Rosso wirten im «Warteck» in Kaisten.

Hans Christof Wagner / Aargauer Zeitung

Ungeimpfte steuern gezielt die Terrasse an

Froh darüber, seinen Gästen eine Terrasse anbieten zu können, ist momentan auch Giovanni Rosso vom «Warteck» in Kaisten. Der Aussenbereich sei aktuell gut frequentiert – in der Mittagszeit und von denen, die aufgrund eines fehlenden Zertifikats nicht drinnen sitzen dürfen. «Die Gäste ohne Impfnachweis kommen erst gar nicht rein, die steuern gezielt die Terrasse an», erzählt er.

Bei denen aber, die rein wollten, sei das Zertifikat kein Problem. Sie zeigten es bereitwillig vor. Rosso aber sagt:

«Die Zertifikate zu kontrollieren, dauert bei grösseren Gruppen auch schon mal 10 bis 15 Minuten.»

Viele Ältere hätten ausserdem gar kein elektronisches Zertifikat, sondern noch eines auf Papier. Und es gebe noch eine Herausforderung: Abends, bei niedrigen Temperaturen, sei das Servieren auf der Terrasse für das Personal auch nicht mehr angenehm. Der häufige Wechsel zwischen warm und kalt belaste, so Rosso.

Toni Nokaj ist der Wirt vom Rheinfelden «Löwen».

Toni Nokaj ist der Wirt vom Rheinfelden «Löwen».

Hans Christof Wagner (19. April 2021)

Toni Nokaj, Wirt vom Rheinfelden «Löwen», macht seit dem 13. September die Erfahrung, dass Gäste die Möglichkeit, draussen zu sitzen, bis zur Schmerzgrenze ausreizen – auch wenn es mit Jacken und Decken ist. Bis zu 20 Prozent Umsatz im Abendgeschäft fehlen Nokaj derzeit: Ungeimpfte oder nicht getestete Personen, die nicht draussen sitzen wollen, bleiben weg.

Mit der kalten Jahreszeit wird es nochmals härter werden

Jetzt hoffen die Fricktaler Beizer auf weiterhin milde Temperaturen, auf höhere Impfquoten und darauf, dass die Zertifikatspflicht irgendwann auch wieder endet. Aber klar: Mit der kalten Jahreszeit wird diese sich noch einmal härter auswirken. Darüber sind sich auch Rustemi, Rosso und Nokaj im Klaren.

Heizpilze für die Terrasse anzuschaffen, wäre eine Möglichkeit. Aber das sei eben auch wieder eine Investition, sagt Rosso. Und schiebt nach: «Wer weiss denn, wie lange die Zertifikatspflicht noch gelten wird.»

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