Fricktal
Gegentrend zum Digitalen: Dank Corona befinden sich die Ludotheken im Aufwind

Das gute alte Brettspiel – in der Pandemie hat es wieder mehr Freunde denn je. Entsprechend freuen sich die Ludotheken über eine gestiegene Nachfrage. Das ist auch in der Rheinfelder Ludothek «Spieltruhe» nicht anders – hier stieg die Mitgliederzahl in den vergangenen Monaten um über zehn Prozent.

Hans Christof Wagner
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Indira Gerber, Präsidentin der Ludothek «Spieltruhe» in der Rheinfelder Altstadt, spielt für ihr Leben gern.

Indira Gerber, Präsidentin der Ludothek «Spieltruhe» in der Rheinfelder Altstadt, spielt für ihr Leben gern.

Hans Christof Wagner (9. April 2021)

42 Jahre gibt sie es schon, die Ludothek «Spieltruhe» in der Rheinfelder Altstadt. Versteckt liegt sie da, in einem Hinterhof in der Rindergasse 2. Und doch berichtet Präsidentin Indira Gerber:

«Die Leute entdecken uns dennoch. Und gerade wieder aufs Neue.»

Ludo kommt aus dem Latein und bedeutet zu deutsch «Spiel». Eine Ludothek ist also eine Bibliothek für Spiele. Mehr als 900 davon hat die Rheinfelder Ludothek auf Lager. «95 Prozent davon sind Brettspiele», sagt Gerber.

Wand voller Gesellschaftsspiele im Obergeschoss

Wenn die Rheinfelder Ludothek aktuell ein Wachstum von gut zehn Prozent an Mitgliedern verzeichnet, muss das damit zusammenhängen, dass Brettspiele in der Pandemie boomen. «Wir verzeichnen auch wieder mehr Senioren, die mit ihren Enkeln zu uns kommen», erzählt Gerber.

Wenn die Senioren ins Obergeschoss der Ludothek kommen, dürften ihre Augen glänzen bei einer ganzen Wand voller Gesellschaftsspiele. Dann entdecken sie die Klassiker von früher wie «Scotland Yard», «Cluedo» oder «Die Siedler von Catan» und sagen sich: Warum die nicht einmal wieder mit den Grosskindern spielen. «Aber besser nur leihen statt gleich kaufen», sagt Gerber. Wenn es dann doch nicht gefalle, liege es nicht unnütz zu Hause rum.

Mehr als 900 Spiele hat die Rheinfelder Ludothek auf Lager. 95 Prozent davon sind Brettspiele.

Mehr als 900 Spiele hat die Rheinfelder Ludothek auf Lager. 95 Prozent davon sind Brettspiele.

Hans Christof Wagner

«Corona beschert uns neue Kunden», erklärt sie. Ihrer Erfahrung nach steckt der Wunsch der Eltern nach einem digitalen Entzug dahinter. Der Nachwuchs verbringe, gerade in den Zeiten von Homeschooling, genug Zeit an Tablet und PC. Da sei das gute alte Gesellschaftsspiel, noch ganz analog und ohne Bildschirm, ein gutes Mittel gegen rote Augen.

Mittel gegen quengelnde Kinder im Homeoffice

Andererseits: Auch die Eltern sind dank Homeoffice jetzt mehr daheim, müssen Kinderbetreuung und Arbeit unter einen Hut bekommen. Die Lösung: Spiele, welche die Kinder vom Quengeln abhalten, für längere Zeit fesseln und auch noch das Gehirn trainieren. Auch die hat die Rheinfelder Ludothek im Sortiment. Aber nur stillsitzen, ist ja auch nicht gesund. Gut, dass die «Spieltruhe» mit Einrädern, Pedalos, Bobbycars und Hoverboards auch Sachen zum Bewegen verleiht.

«Das Interesse könnte noch stärker sein, doch wir sind zufrieden», sagt Gerber. Zufrieden ist auch Annemarie Pfister von der Ludothek Gipf-Oberfrick. Die hatte jüngst unter dem Motto «Gönnen Sie Ihren Kindern eine PC-Pause» einen Aufruf gestartet. Mit Erfolg – so mancher entdeckte mit dem Appell die gute alte Ludothek wieder.