Rheinfelden
Gewerbegebiet oder Naturschutzpark? – Gegensätzliche Pläne für Kiesgrube Chleigrüt

Verein will aus Kiesgrube einen Naturraum machen. Bei der Stadt spricht man von Einnahmeausfällen von 50 bis 70 Millionen.

Hans Christof Wagner
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Bei der Nutzung der ehemaligen Kiesgrube Chleigrüt gehen die Meinungen auseinander.

Bei der Nutzung der ehemaligen Kiesgrube Chleigrüt gehen die Meinungen auseinander.

Nadine Böni

Die Wiederauffüllung der ehemaligen Kiesgrube Chleigrüt in Rheinfelden läuft auf Hochtouren. Dem neugegründeten Verein Chleigrüt wäre es am liebsten, die Ernst Frey AG würde es bei der Wiederauffüllung des Areals belassen und es nicht baureif übergeben. Denn der Verein hat Grösseres damit vor. Er will es zu einem Natur- und Naturerlebnisraum umgestalten.

«Das Chleigrüt liegt in der letzten unverbauten Landschaft zwischen Rheinfelden und Möhlin», heisst es in einer am Montag veröffentlichten Medienmitteilung. Es zu einem «Naturgebiet von höchster Qualität» auszubauen, diene dem Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten, trage zur Naherholung bei und schaffe einen Magneten für naturnahen Tourismus.

Die Grundidee ist nicht neu. Schon 2018, nachdem klar war, dass der Kiesabbau am Rheinufer Geschichte ist und auch das in Chleigrüt geplante Holcim-­Kieswerk nicht kommt, tauchte sie in der Debatte auf. Seinerzeit stand noch die IG Chleigrüt dahinter. Jetzt ist daraus ein formeller Verein geworden. «Wir können uns so besser aufstellen und unsere Arbeit professioneller machen», sagt Präsident ­Stève Piaget. «Ausserdem ist es jetzt wirklich ein Projekt, durchdacht, gereift und mit einem vernünftigen Budget versehen. Es ist eine Riesenchance für wenig Geld.» Mit Projektkosten von 2,5 bis 3,5 Millionen Franken rechnet der Verein. Piaget: «Die bekommen wir locker zusammen.»

Gemeinderat Rheinfelden: Für uns derzeit kein Thema

Nicht nur die Gesamtkosten hat der Verein Chleigrüt jetzt erstmals kalkuliert. Er hat auch überlegt, wer neben den Einwohnergemeinden von Rheinfelden und Möhlin sich ausserdem finanziell daran beteiligen könnte – Bund und Kanton, Stiftungen, Umweltverbände und Private.

Dem Finanzierungsmodell zufolge müssten die Geldgeber vor Ort gar nicht so tief in die Tasche greifen: Rheinfelden einmalig mit 350'000 und Möhlin mit 100'000 Franken. Was auch für den Unterhalt der Anlage gelte. 12'000 Franken jährlich kämen da auf Rheinfelden zu, 6000 Franken auf Möhlin.

Dennoch: «Die Idee eines Naturschutz- und Naturerlebnisparks ist für den Gemeinderat Rheinfelden derzeit kein Thema», sagt Stadtschreiber Roger Erdin. Eine Rückkehr zum Status vor dem Kiesabbau, zu einer Gewerbezone, ist für die Einwohnergemeinde, die im Chleigrüt 85 Prozent der Flächen besitzt, die bessere Wahl. Sie könnte diese zu Geld machen. Zu erzielen seien zwischen 50 und 70 Millionen Franken. Die Stadt verweist auf den noch laufenden Prozess beim Raumentwicklungskonzept. Für die künftige Nutzung des Chleigrüt-Areals stünden viele Ideen im Raum, eine davon sei die eines Naturraums.

Piaget bezweifelt zwar, dass die Stadt über Verkäufe so hohe Einnahmen erzielt, hat aber auch Verständnis für deren Haltung. Er sagt, der neugründete Verein wolle jetzt in Rheinfelden und Umgebung für sein Projekt werben.

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