Infrastruktur
Gleich mehrere grosse Projekte stehen 2021 im Fricktal an – wir zeigen Ihnen, was auf die Region zukommt

Im Fricktal kommen in diesem Jahr mehrere Grossprojekte in die heisse Phase. Die AZ zeigt, was auf die Region zukommt.

Thomas Wehrli
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Rheinfelden möchte die Mittelschule beim Engerfeld ansiedeln. Frick geht mit einem Areal bei der Oberstufenanlage ins Rennen. In Stein käme die Schule neben dem Sportcenter zu stehen.
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Frick geht mit einem Areal bei der Oberstufenanlage ins Rennen.
In Stein käme die Schule neben dem Sportcenter zu stehen.

Rheinfelden möchte die Mittelschule beim Engerfeld ansiedeln. Frick geht mit einem Areal bei der Oberstufenanlage ins Rennen. In Stein käme die Schule neben dem Sportcenter zu stehen.

Bilder: zvg

Und der Gewinner ist: das Fricktal. Gleich mehrere grosse und zentrale Projekte kommen 2021 in die heisse Phase. Die AZ zeigt fünf Projekte, in denen es in diesem Jahr – hoffentlich – vorwärtsgeht.

Mittelschule Fricktal: Der Standortentscheid

Es ist der Politentscheid des Jahres: Wer bekommt die Mittelschule Fricktal? Im Rennen waren zuletzt drei Standorte: Stein, Frick sowie Möhlin/Rheinfelden, die sich gemeinsam mit dem Areal hinter dem Bahnhof Möhlin beworben hatten.

Möhlin hat sich mit dem Nein zur Testplanung Ende November selber aus dem Rennen gekickt und Rheinfelden vor die Frage gestellt: Was nun? Die Antwort haben die Rheinfelder inzwischen gefunden; sie bewerben sich mit dem Engerfeld, wo heute schon das Berufsbildungszentrum zu Hause ist.

Die Einwohner von Stein haben im Herbst schon mal grünes Licht gegeben für einen allfälligen Verkauf des Areals beim Sportcenter Bustelbach. Ob es dazu kommt, wird sich in den nächsten Monaten weisen.

Im ersten Quartal will der Kanton die Anhörung starten. Miteinbezogen sind hier alle drei Standorte. Anschliessend werden Nägel mit Köpfen gemacht: Der Regierungsrat will die Botschaft an den Grossen Rat, der das Projekt bewilligen und den Kredit sprechen muss, im dritten Quartal vorlegen, der Standortentscheid soll bis Ende Jahr fallen.

Dabei geht es um viel Geld: Der Neubau dürfte zwischen 70 und 90 Millionen Franken kosten. Die Hände reiben kann sich aber auch die Standortgemeinde: Rund 800 Schüler und 100 Lehrer werden an der Mittelschule lernen respektive arbeiten. Das bringt dem lokalen Gewerbe Umsatz. Zudem wirkt sich eine Mittelschule im eigenen Ort positiv auf die (kaufkräftigen) Zuzüger aus, was der Gemeinde zusätzliche Steuereinnahmen beschert. Eröffnet werden soll die Mittelschule im Sommer 2028.

Ueken und Herznach: Der Fusionsentscheid

Für die Gemeinden Herznach und Ueken geht es in diesem Jahr um die gemeinsame Zukunft. Die Arbeitsgruppen haben grösstenteils ihre Arbeit abgeschlossen; die Ergebnisse werden nun zum Fusionsbericht und -vertrag zusammengeführt. Der allfällige Gemeindenamen sowie das -wappen wurden bereits im Rahmen einer Bevölkerungsbefragung ermittelt.

Geplant ist im Frühjahr eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung. Im Mai/Juni sollen dann die Gemeindeversammlungen sowie Urnenabstimmungen in den beiden Gemeinden stattfinden. «Es hängt allerdings von der weiteren Entwicklung der Covid-19 Krise ab, ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann», so Projektleiter Martin Hitz.

Unverändert ist geplant, dass die neue Gemeinde, sofern die beiden Gemeinden der Fusion zustimmen, per 1.Januar 2023 startet.

Domus Kaiseraugst: Die Baubewilligung

Hoch hinaus gehen soll es in Kaiseraugst: Hier wollen die Liebrüti-Eigentümer endlich ihren 72 Meter hohen Wohnturm, den «Domus», realisieren und das Zentrum modernisieren. Das Baugesuch für den Wohnturm mit seinen 125 Wohnungen haben die Eigentümer bereits im Oktober 2018 eingereicht. Doch das Baugesuchsverfahren zog sich hin. Und hin. Und hin.

Nun ist offenbar Licht am Ende des Tunnels: Die Einwendungsverhandlungen haben stattgefunden, die Baubewilligung dürfte im ersten Quartal 2021 erteilt werden, wie der Kaiseraugster Gemeindeschreiber Rolf Dunkel auf Anfrage sagt.

Ist der Turm damit im Trockenen? Das kann, aber muss nicht sein. Denn gegen die Baubewilligung können sowohl Einsprecher wie auch die Bauherrschaft – wenn sie beispielsweise mit den Auflagen nicht einverstanden ist – Rekurs machen. Dieser ginge direkt an den Regierungsrat und nicht ans kantonale Baudepartement, da die kantonale Abteilung für Baubewilligungen bereits beteiligt ist.

Gibt es keinen Rekurs gegen die Baubewilligung, könnten die Baumaschinen noch in diesem Frühjahr auffahren. Der Erstbezug der Wohnungen wäre dann im 2024.

Kaistenberg: Das Ende der Holperpiste

Als Beifahrer bei der Fahrt über den Kaistenberg einen Kaffee zu trinken, empfiehlt sich doppelt nicht: Zum einen könnte es dem Kaffee (oder dem Kaffeetrinker), je nach Fahrstil und Fahrkönnen des Lenkers, schlecht werden. Zum anderen könnte auch ein Gutsch Kaffee im Gesicht oder auf den Kleidern ­landen – weil der Fahrer, beabsichtigt oder nicht, eines der Schlaglöcher erwischt. Denn die Strasse über den Kaistenberg ist in keinem guten Zustand; in der Bevölkerung wird sie denn auch schon mal «Rumpelpiste» genannt.

Nicht mehr lange: Im Februar startet nach aufwendiger Planung die Kaistenberg-Sanierung. In der ersten Bauphase, die bis im Sommer dauert, wird der Verkehr weiterhin über den Berg rollen und mit Lichtsignalen gesteuert. In der zweiten Phase, die gut ein Jahr in Anspruch nimmt, wird die Strasse für den Verkehr gesperrt; ausgenommen bleibt der Linienbus. «Damit können wir die Bauzeit um mehrere Monate verkürzen», sagte Projektleiter Fabian Gasser im November zur AZ. Umgeleitet wird der Verkehr in dieser Zeit via Hardwald und Eiken.

Abgeschlossen sein soll die Sanierung, die rund 13 Millionen Franken kosten wird, im Sommer 2022.

Sisslerfeld: Die Entwicklungsfrage

Das Sisslerfeld ist eine doppelte Industrieperle. Zum einen tragen die heute im Sisslerfeld angesiedelten Pharma- und Chemieunternehmen massgebend dazu bei, dass das Fricktal zu den wertschöpfungsintensivsten Regionen gehört – und dazu, dass es den umliegenden Gemeinden finanziell gut geht.

Zum anderen befindet sich im Sisslerfeld die grösste unbebaute Landreserve für Arbeitsflächen im Kanton. Was auf dem 85 Hektare grossen Areal dereinst produziert wird, ist offen. Klar ist: Es sollen im Sisslerfeld wertschöpfungsintensive und immissionsarme Betriebe angesiedelt werden. Naheliegend wäre ein Lifesciences-Cluster.

Schon das eine oder andere Mal sah es in der Vergangenheit auch so aus, als ob ein grosser Vogel – die Rede war unter anderem von «Pegasus» – im Sisslerfeld landen könnte. Dazu kam es jedoch nicht, spruchreif wurde bislang kein Projekt. Das liegt auch daran, dass die Entwicklung des «ESP Sisslerfeld» schwierig und aufwendig ist. Denn am Sisslerfeld sind mehrere Eigentümer und Gemeinden beteiligt.

Diese haben sich nun zusammengetan und vor einem Jahr gemeinsam mit Kanton und dem Planungsverband Fricktal Regio eine Testplanung gestartet. Die Erkenntnisse werden laut Website aktuell zu einem Zielbild und einer Umsetzungsagenda weiterentwickelt. Gemeinden, Eigentümer und ­Bevölkerung werden in den nächsten Monaten in den Prozess einbezogen.

Abgeschlossen wird die Testplanung im Sommer. Dann wird man klarer sehen, wie sich das Sisslerfeld in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird – und vielleicht kann man auch schon ahnen, welche Art von Vogel dereinst landen wird.