Fricktal

«Grossbaustelle» Bildung: Die Schule muss sich neu aufstellen

Gaben am Gemeindeseminar einen Überblick zum Thema Bildung: Victor Brun (Stv. Leiter Abteilung Volksschule, v.l.), Hans Marthaler, Christian Fricker, Alex Hürzeler und Christian Aeberli (Leiter Abteilung Volksschule).

Gaben am Gemeindeseminar einen Überblick zum Thema Bildung: Victor Brun (Stv. Leiter Abteilung Volksschule, v.l.), Hans Marthaler, Christian Fricker, Alex Hürzeler und Christian Aeberli (Leiter Abteilung Volksschule).

Regierungsrat Alex Hürzeler sprach am Fricktaler Gemeindeseminar über die Entwicklung der Schulen im Aargau. Das Berufsbildungszentrum Fricktal verliert im Sommer viele Schüler – die meisten entlassenen Lehrer haben einen neuen Job.

Der zweite Tag des Fricktaler Gemeindeseminars stand ganz im Zeichen der Bildung. Mit ­vielen Grossprojekten von der Einführung des neuen Lehrplans über die neue Ressourcierung und die geplanten neuen Führungsstrukturen, bis hin zur Reform der Berufsfachschulen und der Mittelschulstandorte sei die Bildung im Aargau eine «Grossbaustelle», sagte Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio, zur Einführung. Er sei deshalb froh, dass mit Bildungsdirektor Alex Hürzeler der «Chefingenieur» für ein Impulsreferat zugesagt habe.

Hürzeler ging in seiner Tour d’Horizon denn auch auf all die grossen Themen ein und zeigte auf, in welche Richtung die aktuellen Entwicklungen gehen. Von besonderem Interesse aus Fricktaler Sicht ist dabei sicherlich die räumliche Entwicklung der Mittelschulen. Letztes Jahr hiess der Grosse Rat die Entwicklungsstrategie der Regierung zur Mittelschullandschaft im Aargau gut und sagte damit Ja zu einer Mittelschule im Fricktal. Derzeit sei geplant, im Fricktal bis ins Jahr 2028 einen Neubau für 44 Abteilungen zu errichten, so Hürzeler.

Wo kommt die Fricktaler Mittelschule hin?

Aktuell werden die Standortvorschläge – im Rennen sind die Standorte Frick, Möhlin/Rheinfelden und Stein – nach einem Kriterienkatalog bewertet. Dieser beinhaltet etwa die Lage, die zeitliche Realisierbarkeit, die Betriebsqualität oder das Erweiterungs- und Synergiepotenzial. Zudem fliessen finanzielle Aspekte wie Kosten für Landkauf, Bau und Erschliessung mit ein. Die Standortfindungsphase soll bis im Sommer abgeschlossen sein, damit der Regierungsrat im zweiten Halbjahr dieses Jahres die Anhörungsbotschaft vorlegen und in die Vernehmlassung gehen kann. 2021 sollen dann die Einträge in den Richtplan und ins Schulgesetz erfolgen und die Kredite für Land­sicherung und Planung gesprochen werden. Der Pro­jek­tierungs- und Ausführungskredit für die Fricktaler Mittelschule könnte dann 2023 gesprochen werden.

Während das Fricktal erstmals eine Mittelschule erhalten soll, stand die Zukunft des Berufsbildungszentrums Fricktal (BZF) in Rheinfelden auf der Kippe, wie Hürzeler nochmals ausführte. Letztlich habe sich die Regierung für eine Berufsfachschule im Fricktal entschieden, allerdings ohne die gewerblichen Berufe. Zudem werde Rheinfelden Aussenstandort der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Brugg. Zwar sei die Lösung «aus Fricktaler Sicht nicht optimal», räumte Hürzeler ein, sie biete aber ­Möglichkeiten für die Zukunft. Hürzeler gab aber auch zu: «Hans Mar­thaler hat wohl die schwierigste Aufgabe der Rektoren.»

BZF: Schwierige Phase mit Lichtblicken

Wie diese Aufgabe aktuell aussieht, erläuterte Marthaler dann gleich selber. «Es ist eine ausserordentlich schwierige Phase. Wir sind voll damit beschäftigt, das Berufsbildungszentrum Fricktal umzubauen», so der Rektor. Heute würden am BZF rund 700 Lernende in zehn Berufen unterrichtet, so Marthaler. Ab dem 1. August seien es noch rund 260 Lernende in fünf Berufen. Neu bietet das BZF alle drei kaufmännischen Profile an. «Dies ist sicher ein Vorteil, da so die Durchlässigkeit erhöht wird», so der Rektor.

Durch den Wegfall der gewerblich-industriellen Berufe fallen am BZF rund elf Vollzeitstellen weg. «Diese teilen sich auf 21 Betroffene auf», so Mar­thaler. Eine Lehrperson konnte in den kaufmännischen Bereich wechseln, 20 müssen die Schule verlassen.

Man habe diesen Lehrpersonen Unterstützung angeboten, führte der Rektor weiter aus – vier verzichteten, da sie künftig selbstständig tätig sein werden oder in Rente gehen. «Von den übrigen 16 haben 15 bereits eine neue Stelle gefunden», so Mar­thaler. Weiter sei man daran, die Organisation anzupassen. So werde der Schulvorstand sicherlich reduziert. In puncto Finanzen laufen noch Gespräche und ein Businessplan wird erstellt. Während die Einnahmen relativ klar seien, gebe es bei den Ausgaben noch viele Fragezeichen so der Rektor.

Die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Brugg wird künftig knapp 150 Lernende in Rheinfelden unterrichten. Diese seien zwar nicht Teil des BZF, «helfen aber der Stadt Rheinfelden, die Räume auszulasten», so Marthaler. Mit den Brugger Verantwortlichen seien Gespräche über Synergien im Bereich Sekretariat oder IT im Gang.

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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