Aargauer Grenze

Happy End: Für Deutsch-Schweizer Liebespaare wie Peter und Maja ist die Ungerechtigkeit beseitigt

Liebespaare am Grenzzaun in Konstanz. (Themenbild)

Liebespaare am Grenzzaun in Konstanz. (Themenbild)

Seit die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz wegen des Coronavirus nahezu geschlossen ist, konnten sich Paare nicht mehr sehen. Jetzt haben die Staaten eingelenkt. Zur Freude von Paaren an der Fricktaler und Zurzibieter Grenze.

Darauf mussten Peter und Maja (Namen geändert) lange warten: Seit Mitte März haben sich die beiden, die seit rund einem halben Jahr ein Paar sind, nicht mehr gesehen. Nicht, weil sie das so wollten, sondern weil sie sich nicht sehen durften: Maja lebt im deutschen Bad Säckingen, Peter im Raum Aarau. Und seit Mitte März sind die Grenzen weitgehend dicht; Ausnahmen gab es nur für Pendler oder wenn die Einreise «absolut notwendig» war. Der Besuch des Lebenspartners gehörte nicht dazu. Bislang.

Doch letzte Woche schöpften Paare ohne Trauschein Hoffnung, als der Bundesrat unter die «absolute Notwendigkeit» explizit auch den Besuch der Kernfamilie, die Betreuung von Angehörigen und das Besuchsrecht von Kindern subsumierte. Zu Recht, wie eine Anfrage der AZ beim Staatssekretariat für Migration (SEM) zeigt. «Ermöglicht wird auch der Besuch in der Schweiz, wenn es sich um eine vorbestehende Beziehung handelt und gegenseitige Besuche schon vor der Coronakrise stattgefunden haben», sagt Emmanuelle Jaquet von Sury. Ähnlich will es auch Deutschland halten, wie der «Südkurier» berichtet.

Bewilligung ist erforderlich

Die Partnerschaft muss, damit der Partner in die Schweiz einreisen darf, mit «dafür geeigneten Belegen» nachgewiesen werden. Um den Grenzübertritt zu vereinfachen, empfiehlt das SEM zudem, vorgängig eine Einreisebewilligung per Post oder per E-Mail unter aufenthalt@sem.admin.ch einzuholen. Eine solche braucht es derzeit zwingend für die Einreise. «Es ist aber mit einer gewissen Bearbeitungsfrist zu rechnen, da zurzeit viele Gesuche gestellt werden», sagt Jaquet von Sury. Die Ausnahmebewilligung kann zudem auch direkt an der Grenze gestellt werden. Das heisst aber nicht, dass eine Einreise direkt möglich ist, denn auch diese Anträge müssen zuerst bearbeitet werden. In der Praxis zeigt sich laut mehreren AZ-Lesern zudem, dass direkte Anträge am Zoll nicht möglich waren.    

Peter und Maja sind happy, dass Besuche nun wieder möglich sind. «Wir haben sofort ein Gesuch gestellt und auch bewilligt erhalten», erzählt ein überglücklicher Peter am Telefon. Gestern Abend kam Maja zu ihm – für 48 Stunden. «Länger geht leider nicht, da eine 48-Stunden-Frist gilt.» Würde Maja länger bleiben, müsste sie nach der Heimreise für zwei Wochen in Quarantäne.

Doch wie belegt man als Paar, das nicht zusammenlebt, dass man zusammen ist? «Wir hatten Glück», erzählt Peter. Sie seien zusammen an eine Taufe eingeladen gewesen und hätten ihre Partnerschaft so belegen können. Wichtig sei, dass das Dokument, das die Partnerschaft belegt, nicht älter als ein Jahr sei, sagt Peter. Den Kontakt mit den Behörden hat er als unkompliziert erlebt.

Von Woche zu Woche schwerer

Die Zeit, in der sie sich nicht sehen konnten, «sei schon hart gewesen», sagt Peter. Besonders schwer fiel Maja der Moment, als sie sich Mitte März von Peter verabschiedete, heimfuhr und wusste: Wir sehen uns eine Zeit lang nicht mehr. Peter war da noch Optimist. Am Anfang habe er gedacht, die Grenzschliessung daure ein, zwei Wochen, erzählt Peter.

Daraus wurde nichts und mit jeder Woche, die hinzukam, empfand er das Getrennt-Sein als belastender. Vor allem auch, weil es keine Perspektive gab. «In der jetzigen Krise kann man ja ohnehin nichts machen. Da wäre es umso schöner und wichtiger, die Zeit mit der Partnerin verbringen zu können.» Dass dies nicht möglich war, dass Paare auseinandergerissen wurden, «verstand ich nicht und fand es auch nicht richtig».

Kontakt per Face-Time ist nicht das Gleiche

Natürlich haben die beiden sich viel über Face-Time und Whatsapp ausgetauscht. «Aber das ist kein Ersatz für das Zusammensein.» Und das Gesetz brechen und beispielsweise versuchen, illegal ins Nachbarland zu kommen, «kam für uns nicht in Frage».

Grundsätzlich findet Peter die Coronamassnahmen auch richtig. «Ich verstand aber nicht, weshalb Berufspendler einreisen dürfen und Lebenspartner nicht», sagt er. Das Übertragungsrisiko sei bei Berufspendlern sicher nicht kleiner.

Nach sechs Wochen sehen sich Peter und Maja an diesem Wochenende wieder. Auf dem Plan stehen Spazieren, gemeinsames Kochen, Geniessen. Das Weekend bringt den beiden ein Happy-End.

Für Besuche seines Sohnes nimmt Vater Bussen in Kauf

14. April 2020: Für Besuch des Sohnes auf der anderen Seite der Grenze müssen Aargauer eine Busse zahlen

Hinweis: Der Bund hat einige Tage später die Bestimmungen geändert, so dass für diese Besuche keine Busse mehr fällig wird.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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