Vom einst schmucken Einfamilienhaus an der Ausserdorfstrasse ist nicht mehr viel übrig. Das Haus ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag bis auf die Grundmauern abgebrannt. Am Montag setzen Spezialisten der Polizei und der Gebäudeversicherung ihre Arbeit vor Ort fort. Sie haben die nicht einfachen Fragen zu klären: Was hat den Brand verursacht? Und vor allem: Was führte zu der heftigen und lauten Detonation, welche die Nachbarn um 4.33 Uhr aus dem Schlaf gerissen hat?

Recherchen von Radio Argovia zeigen, dass mehrere Gasflaschen explodiert sein müssen. Eine Gasflasche alleine hätte nicht ausgereicht, um einen solchen Schaden anzurichten. Laut einer «zuverlässigen Quelle» der Radiomacher steht ein erweiterter Suizid im Vordergrund der Ermittlungen.

Recherchen der az zeigen: Hausbesitzer und mutmassliches Opfer A. arbeitete beim Zwilag – als Leiter eines Chemielabors. Dies bestätigt das Zwilag auf Anfrage.

Suizid im Fall Gansingen? (20. März 2017)

Die Polizei fand zwei Tote in einem Haus in Gansingen. Angeblich soll es sich bei diesem tragischen Fall um einen erweiterten Suizid handeln.

Die Staatsanwaltschaft wollte am Montag gegenüber der az keine Stellung zur Brandursache und dem Stand der Ermittlungen nehmen. Die Staatsanwaltschaft werde kommunizieren, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen, sagt Mediensprecherin Fiona Strebel. «Das wird aber ziemlich sicher Mittwoch werden.» Möglich sind neben einem (erweiterten) Suizid zwei weitere Szenarien: ein durch technischer Defekt oder Fahrlässigkeit ausgelöster Brand oder Brandstiftung.

«Die Stimmung im Dorf ist auch am Tag nach dem Unglück gedrückt», sagt Gemeindeammann Mario Hüsler. Eine Frage treibt dabei die Einwohner vor allem um: Was ist wirklich passiert?

Nicht-Wissen belastet

Im Dorf werden alle drei Varianten herumgeboten. Mario Hüsler will sich auf Spekulationen nicht einlassen. Er glaubt aber nicht, dass A. Feinde hatte – zumindest nicht in Gansingen. «Ich selber habe ihn als ruhigen, eher unauffälligen Zeitgenossen erlebt», sagt Hüsler. Von anderen hörte er, dass A. sich in letzter Zeit eher zurückgezogen hatte. «Im Samariterverein war er nach wie vor aktiv dabei», sagt eine Samariterin. Sie beschreibt ihn als sympathisch und offen.

Gansingen: Die Brandruine am Montag

Nachbarn haben Kerzen und Rosen niedergelegt, die Aargauische Gebäudeversicherung begutachtet das zerstörte Haus.

Der Umstand, dass man noch nicht weiss, was sich in jener verhängnisvollen Nacht vom Samstag auf den Sonntag in und um das Einfamilienhaus abgespielt hat, «macht es schwer, mit dem Geschehen umzugehen», sagt Hüsler. «Derzeit glaubt jeder zu wissen, was Sache ist, und doch hat niemand eine Ahnung – ausser der Polizei.»

Leichen noch nicht identifiziert

Offiziell ist noch nicht einmal bestätigt, dass es sich bei den beiden Toten um A. (59) und seine Freundin, die laut Nachbarn oft mit ihren beiden Hunden bei A. war, handelte. Derzeit deutet allerdings nichts darauf hin, dass sich zum Unglückszeitpunkt jemand anders im Haus aufgehalten hat.

A. gehörte das Haus und er betrieb in den Räumen ein Tattoo-Studio.

Als A. noch mit seiner Ex-Frau zusammen war, führten die beiden auf dem Anwesen eine kleine Hundezucht. Zwischen 2003 und 2005 wurden mehrere ihrer Hunde vergiftet.

Zwei Tote nach Explosion

In Gansingen im Fricktal stand ein Haus nach einer schweren Explosion in Vollbrand. Die Feuerwehr fand im Gebäude zwei tote Personen. (19.3.2017)

Die Tragödie verarbeiten

Hüsler wünscht sich, wie auch die Nachbarn, dass das Unglück schnell aufgeklärt wird. «Das braucht es, damit die Tragödie verarbeitet werden kann.» Und damit die Angst, die seit Sonntag etlichen Dorfbewohnern in den Knochen steckt, gebannt werden kann. Hüsler schnauft kurz schwer, sagt dann: «Bei allem Unglück bin ich froh, dass nicht noch mehr Personen zu Schaden gekommen sind.» Das Feuer hätte leicht auf andere Gebäude übergreifen können. «Das hat unsere Feuerwehr verhindert. Sie hat einen Top-Job gemacht.»

Seine Gedanken seien bei den Angehörigen, sagt Hüsler. A. hinterlässt zwei erwachsene Kinder - einen Sohn und eine Tochter. Die Polizei konnte sie kontaktieren. Die Kinder waren am Montag für die az ebenso wenig zu sprechen, wie die Ex-Frau, die in einem Nachbardorf lebt.