Am 1. Faisse startet das Fricktal traditionell in die närrische Jahreszeit – mit viel T wie Tschättermusik und dem ultimativen Z (siehe unter Z). Damit geht das grosse Fasnachts-Abc heute auch in seine letzte Runde und bringt Wissenswertes von S bis eben Z.

S wie Schmutziger Donnerstag.

Das ist wohl der einzige Schmutz, an dem viele ihre helle Freude haben. Denn der Schmutzige Donnerstag steht für die schönste und zugleich lauteste Zeit an der Fasnacht. Mit dem Schmutzigen Donnerstag, der den Donnerstag vor dem Aschermittwoch (wir wollen nun gar nicht näher auf diesen, aus fasnächtlicher Optik, traurigen Tag eingehen!) bezeichnet, beginnt vielerorts die Fasnacht erst richtig. Umzüge, Bälle, Guggen-Konzerte, StädtleFasnacht, Fasnachtsgottesdienste. Alles, was vor dem Schmutzigen Donnerstag kommt, ist quasi das Warm-up, damit man dann aus dem Vollen schöpfen kann – wobei der eine oder andere just in diesen Tagen das «voll» etwas zu wörtlich zu nehmen pflegt. Dann hilft ein A wie Alka Seltzer.

Fehlen darf in diesen sieben Tagen bis Aschermittwoch vielerorts auch ein anderes S nicht: die Schnitzelbänke. In Versform und mit gezeichneten Helgen werden die Ereignisse der letzten Monate auf die Schippe genommen. Wen es trifft, verraten die Schnitzelbänkler im Voraus nicht. Kandidaten gibt es jedoch in allen Gemeinden mit Schnitzelbank-Tradition genügend. Auf träfe Sprüche freuen kann man sich in Herznach, Kaiseraugst, Kaisten, Laufenburg, Möhlin und Rheinfelden – also in allen Fasnachtshochburgen.

In Laufenburg kommt es in diesem Jahr zugleich zu einem Schnitzelbank-Revival: Die «Bänkler» können wieder im Restaurant Probstei Halt machen. Dieses war etliche Monate geschlossen und wird just auf die Fasnacht hin neu eröffnet. Wenn das kein gutes O wie Omen ist. Das andere bekannte O, Ostern, kann uns Fasnächtlern derweil gerne noch etwas gestohlen bleiben – oder vielleicht treffender: der Osterhase soll es holen.

T wie Tschättermusik.

Sollte es bei Ihnen, wenn Sie diese Zeilen lesen, Donnerstagmorgen um kurz nach 5 Uhr sein, so gibt es dafür vier naheliegende Erklärungen. Sie sind, erstens immer so früh auf (oder so spät, je nach Blickwinkel). In diesem Fall: Guten Morgen oder gute Nacht! Sie haben, zweitens, ihren Fasnachtsapéro, die Tschättermusik durchs Dorf, bereits zelebriert und setzen nun den Tag mit einem Smiley im Gesicht und der Zeitungslektüre fort. In diesem Fall: Glückwunsch und willkommen in der Fasnachtssaison 2019! Sie sind, drittens, durch die Tschättermusik, die vor wenigen Minuten durch Ihren Ort gezogen ist, geweckt worden und sitzen nun mürrisch am Frühstückstisch, schlürfen viel zu früh einen Kaffee und blättern in der Zeitung. In diesem Fall haben wir eine gute Nachricht für Sie: Es sind nur noch zwei Donnerstage, an denen getschättert wird – zumindest für dieses Jahr. Also: durchhalten. Sie wollten, viertens, unbedingt an der Tschättermusik teilnehmen. In diesem Fall haben wir eine schlechtgute Nachricht für Sie: Sie haben verpennt; die Tschättermusik ist schon vorbei. Die gute (und das möge nun derjenige, der sich durch drittens angesprochen gefühlt hat, überlesen): Sie haben noch zwei Chancen auf die laut-schräge Frühgymnastik – in einer und in zwei Wochen.

U wie Umzug.

Die Fasnachtsumzüge finden im Fricktal traditionell rund um den Fasnachtssonntag – also den Sonntag zwischen dem Schmutzigen Donnerstag (siehe unter S) und dem Aschermittwoch – statt. Los geht es bereits am Samstag, 2. März, mit (Kinder-)Umzügen in Eiken, Kaiseraugst und Rheinfelden. Am Sonntag folgen dann die Umzüge in Kaisten, Laufenburg, Magden, Möhlin und Rheinfelden. Wie? Sie stöhnen auf, weil sie gerne an mehreren teilnehmen würden, sich aber ja nicht teilen können? Nun, wenn Sie sich teilen könnten, dann wären Sie sicher Multimillionär (weil sie sich, erstens, sich teilen könnten und, zweitens, diese Fähigkeit patentieren lassen würden). Für den zweiten Teil des latenten Frusts, also das Gerne-an-mehreren-Umzügen-Dabeisein, haben wir immerhin einen kleinen Trost für Sie: Der Umzug in Möhlin findet am Fasnachtsdienstag ein zweites Mal in identischer Formation statt.

V wie VSAN.

Das ist keine neue Krankenkasse und steht auch nicht für «voll schräg angemacht». Bei Letzterem droht sonst übrigens, das ist an der Fasnacht nicht anders als im normalen Leben, ein anderes, schmerzhaftes V: ein Veilchen.

VSAN steht vielmehr für Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte e. V. Was hat das mit unserer Schweizer Fasnacht zu tun, fragen Sie sich? Gemach! Also, die Vereinigung, die besagte, ist in acht Landschaften unterteilt. Eine davon ist die Landschaft Hochrhein und zu dieser gehört – et voilà – die Narro-Alt-Fischerzunft 1386 Laufenburg. In diesem Jahr trifft sich die VSAN zum «kleinen Narrentreffen» am Sonntag,  17. Februar, in Bad Säckingen (siehe Artikel unten). Wobei: Klein ist immer eine Frage des Blickwinkels; mit 3000 Hästrägern pilgert immer noch eine stattliche Zahl nach Bad Säckingen. Wer nun die Zeitung mit dem H wie Häs nicht gerade zur Hand hat, dem sei verraten: Das Häs ist das Kostüm der Narren.

W wie Wecken.

Was für ein Unwort in einem Fasnachts-Abc, stöhnt der eine oder andere Fasnächtler. Denn dieser Moment, in dem der Wecker nach einem feuchtfröhlichen Abend am Morgen klingelt und mit seinem nervtötenden Tüt-tüt-tüt zum Aufstehen mahnt, gehört für viele Fasnächtler zu den Schlimmsten überhaupt. Weil man kaum erst eingeschlafen war, weil der Kopf dröhnt und sich bisweilen auch noch die Welt etwas dreht. Es hilft nichts. Da muss man durch als echter Fasnächtler. Oder man nimmt sich vorsorglich vom Schmutzigen Donnerstag (siehe unter S) bis und mit Aschermittwoch frei. Besagter Mittwoch eignet sich im Übrigen auch perfekt, um zu sagen: Festen? Asche auf mein Haupt. Bis zur Fasnacht 2020.

W wie Wecken steht aber noch für etwas ganz anderes: Für die Wecken (oder Weggli), die am Fasnachtsdienstag durch die Lüfte zu fliegen pflegen. Nicht etwa, weil der Bäcker gerade wieder mal einen Ehekrieg mit seiner Gemahlin ausficht, nein, nein, das muss so sein: Beim Narrolaufen lassen die Narronen Wecken, Orangen und Würstchen durch die Luft fliegen, die dann von den sie umlagernden Kindern aufgefangen werden (sollten).

X wie X-mol.

X-mol und kein einziges Mal weniger geht ein echter Fasnächtler auch in diesem Jahr wieder an eine der weit über 100 närrischen Veranstaltungen im Fricktal. Sie sagen nun: Das ist doch Bschiss, das X-mol gilt nicht. Da entgegen wir: Diese Frage wäre ein Fall für Aktenzeichen XY ungelöst – aber wir sind nicht so und liefern Ihnen ein weiteres X kostenlos mit: X wie Xylofon, ein Instrument, das man in der einen oder anderen Clique an den Fasnachtsumzügen entdecken kann.

Y wie yypfyfe.

Wir wollten ja eigentlich noch nicht vom fasnächtlichen Trauertag, dem Aschermittwoch, reden. Wir tun es nun trotzdem – mit einem hoffnungsfrohen Lichtblick für all jene, die im Hinblick auf das Fasnachtsende schon heute Panik haben und mit Paulchen Panther klönen: Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? All jenen sei gesagt: Es ist an Aschermittwoch nicht aller Tage Abend, denn nach der Fasnacht ist vor der Fasnacht. In Basel nämlich finden die drey scheenschte Dääg erst in der Woche nach Aschermittwoch statt. Und bei den Basler Bebbi heisst es eben schon am Sonntag vor dem Morgestraich: «Ladärne bewundere und yypfyffe».

Z wie zünftig.

So wünschen wir uns die Fasnacht 2019! Wesentlich dazu beitragen, dass die Fasnacht 2019 wieder eine zünftige Sache sein wird, wird ein anderes Z: die Zünfte. Sie sind das Herzstück im närrischen Treiben und sorgen zusammen mit Cliquen und Fasnachtsgesellschaften dafür, dass das alte Brauchtum lebendig bleibt. Eine der bekanntesten Zünfte im Fricktal ist dabei die Narro-Alt-Fischerzunft 1386 in Laufenburg. Sie geht, nomen est omen, auf das Jahr 1386 zurück, auf eine Zeit also, als die beiden Laufenburg noch eine Stadt waren. Bis heute ist die Zunft auf beiden Seiten des Rheins aktiv.