Honig
Temperaturumschwung: Die ersten Bienen wagen den Ausflug und bringen bereits die Pollen ins Häuschen

In Oeschgen bei Imker Ruedi Heusser haben die ersten Königinnen vor kurzem Eier gelegt. In einigen Wochen werden dort Zehntausende Bienen schlüpfen und kiloweise Nektar sammeln.

Dennis Kalt
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Ruedi Heusser vom Imkerverein Fricktal hofft für die anstehende Honigsaison auf Wetterglück.

Ruedi Heusser vom Imkerverein Fricktal hofft für die anstehende Honigsaison auf Wetterglück.

Bild: Dennis Kalt (19. Februar 2021)

Imker Ruedi Heusser aus Frick erfreut sich am frühlingshaften Wetterumschwung. Die milden Temperaturen sorgen dafür, dass sich nach dem harschen Winter die ersten Bienen für einen Flug aus dem Stock wagen. Auf einer Anhöhe beim Oeschger Bienenhaus mit 24 Völkern mustert Heusser das Geäst und sagt:

«Die Weiden bilden schon Pollen aus. Auch die Hasel legt demnächst los.»
In Oeschgen bringen die Bienen bereits die ersten Pollen ins Häuschen.

In Oeschgen bringen die Bienen bereits die ersten Pollen ins Häuschen.

Bild: Dennis Kalt (19. Februar 2021)

Tatsächlich beginnen bereits die ersten Bienen damit, das Pollenmaterial in den Stock zu bringen. Dieses stammt nicht nur von den Weiden, sondern etwa auch von den Schneeglöckchen, die den Bienen ein reiches Buffet zu Beginn des Jahres bieten. Das brauchen sie auch. Denn der Pollentransport in die Stöcke ist ein Zeichen für die Königin, dass sie mit dem Eierlegen beginnen kann. Während der Brutzeit, so Heusser, erzeugen die Bienen eine Temperatur von etwa 30 Grad Celsius im Stock. Einige wenige Schaufenster der Bienenstöcke sind bereits von innen beschlagen. «Ein Zeichen, das dort bereits die Brut läuft», sagt Heusser.

Möglichst wenig Regen tagsüber und mehr als 15 Grad Celsius

Mindestens 30 Tage dauert es, bis die Brut für den Ausflug parat ist. Die vielen jungen vitalen Bienen braucht es, um den Nektar der ersten blühenden Bäume in einigen Wochen für die Honigproduktion in den Stock zu bringen. Heusser sagt:

«Das A und O für einen guten Ertrag ist das richtige Flugwetter.»

Heisst: Möglichst wenig verregnete Tage und Temperaturen von über 15 Grad Celsius.

Damit die Bienen den Winter überleben, ziehen sie sich in einer Traube zusammen, bedienen sich des Wintervorrats und erzeugen durch Bewegung Wärme. «Die Königin bleibt dabei stets geschützt in der Mitte der Traube», sagt Heusser. Über den Winter braucht ein Volk etwa zehn Kilogramm an Honig als Vorrat zum Überleben.

Heusser sagt, dass die Bienen nicht per se für die Honigproduktion, sondern vor allem für die Reichhaltigkeit der Nahrungskette wichtig seien. So bräuchten denn viele Pflanzen die Bienen als Bestäubungsdienstleister, um sich fortzupflanzen. Heusser:

«Bei einem Sammelflug konzentriert sich eine Biene stets nur auf die Blüte einer einzigen Pflanzenart.»

Dies ist von Vorteil für eine Pflanze, da so ihre Pollen über die Bienen immer zur gleichen Art gelangen und damit eine korrekte Befruchtung stattfindet. «Das macht sonst nur die Hummel», so Heusser.

Bestäubung per Menschenhand ist hier undenkbar

Bei seiner Antwort, was passierte, wenn es hierzulande keine Bienen gäbe, erzählt er von China, das Ende der 1950er-Jahre die Vögel vom Himmel holte, weil sie dort als Verursacher von Ernteeinbussen ausgemacht wurden. Dadurch gab es jedoch eine starke Vermehrung von Insekten, gegen die wiederum mit Chemie vorgegangen wurde, wodurch auch die Bienenpopulation litt. «Noch heute werden die Apfelbäume deshalb von Menschenhand bestäubt. So etwas wäre bei uns undenkbar», sagt Heusser. Wie das Honigjahr 2021 ausfallen wird, dazu können jetzt noch keine Prognosen gemacht werden, weil dies des Wetters wegen einem Blick in die Glaskugel gleicht.

2020, so Heusser, sei jedenfalls mit durchschnittlich über 30 Kilogramm pro Stock ein gutes Honigjahr gewesen. Heusser sagt:

«Der absolute Spitzenwert pro Volk liegt bei etwa 50 Kilogramm.»

Um diesen zu erreichen, müsse aber dann schon wirklich alles passen. Dazu gehöre auch immer mal wieder Regen in den Nächten, damit die Bäume ordentlich Nektar produzieren sowie ein warm-feuchter Sommer, damit die Läuse im Wald ordentlich den Honigtau fliessen lassen.

Spielt die Natur mit, kann Heusser, wie im letzten Jahr, Anfang Mai den ersten Honig ernten. Bis dahin müssen die Bienen jedoch noch einige Male mit den Flügeln schlagen.