Angefangen hat alles mit «Safran» und «Sunny». Ihre beiden Hunde, ein Windhundmix und ein Sheltie, weckten in Denise Czichocki bald einmal das Bedürfnis, besondere Momente fotografisch festzuhalten. «Ich habe zuvor schon gern fotografiert. Die Makrofotografie etwa hat mich interessiert», sagt die Möhlinerin. Mit den Hunden aber wurde aus dem Hobby eine wahre Leidenschaft. Zwei Jahre später machte sich Czichocki als Hundefotografin mit «Photo-Passion» selbständig. Und nun, wiederum zwei Jahre später, darf sie sich bereits «Dog Photographer of the Year 2019», also Hundefotografin des Jahres, nennen.

Anfang Juli wurde sie vom Kennel Club in London – dem ältesten Dachverband der britischen Hundezüchtervereine – mit dem Preis ausgezeichnet. Ihr Foto des 14-jährigen, fast tauben Podencos Merlin in einer blühenden Magnolie wurde sowohl als Sieger in der Kategorie «Oldies» als auch als «Overall Winner» prämiert. «Als ich mich beworben habe, hoffte ich auf einen Podestplatz in einer der Kategorien – mit dem Sieg aber hätte ich nie gerechnet», sagt Czichocki.

Grosse Freude hat sie, dass das Foto von Merlin ausgezeichnet wurde. «Das war eine ganz besondere Begegnung», sagt sie. Hunde hätten ihren eigenen Charakter. «Manche sind quirlig, manche ruhig, manche neugierig», so Czichocki. «Mein Ziel ist es immer, den Charakter des Hundes im Foto festzuhalten und ihm gerecht zu werden.» Bei Merlin, so die Fotografin, sei ihr das gelungen. «Sein fast verträumter Blick hat für mich eine besondere Magie.»

Mittlerweile hat sie über 100 Hunde fotografiert. Mit ihren Fotos möchte sie vor allem den Besitzern eine Freude bereiten. Von ihnen hört sie im Vorfeld von Shootings ab und zu Bedenken, dass es mit ihrem Hund schwierig werden könnte. «Aber die Hunde merken, um was es geht und dass sie im Fokus stehen. Sie arbeiten immer mit», sagt Czichocki.

Die Hunde entscheiden, wann es genug ist

Auf die Shootings bereitet sich die Fotografin jeweils vor. «Ich frage die Besitzer nach bestimmten Wünschen und nach dem Charakter des Hundes und überlege mir dann eine passende Location», erklärt Czichocki. Ein Fotoshooting dauert zwischen einer und zwei Stunden, manchmal auch etwas länger. «Die Hunde sind dabei entscheidend. Sie geben uns schon zu verstehen, wenn sie genug haben», sagt Czichocki mit einem Lachen.

Nach den Shootings folgt die Nachbearbeitung. «Mein Ziel ist es immer, das Maximum aus einem Foto herauszuholen», sagt sie. Auf der sozialen Plattform Instagram etwa lädt sie regelmässig sogenannte «Vorher/Nachher»-Vergleiche hoch und kriegt dafür viel Lob – und Anfragen von Hobbyfotografen, die die Kunst der Tierfotografie und Nachbearbeitung erlernen möchten. Mittlerweile gibt Czichocki in diesem Bereich Einzelcoachings.

Das Ziel ist es, von der Fotografie leben zu können

Noch kann sie von ihrer Tätigkeit als Hundefotografin nicht leben. «Ohne die finanzielle Unterstützung meines Freundes ginge es bisher nicht», sagt sie. Vielleicht hilft ihre Auszeichnung als «Dog Photographer of the Year 2019» nun, dies zu ändern. «Es wäre schön, wenn dadurch noch mehr Hundebesitzer mit ihrem Hund zu mir finden. Denn ein Ziel wäre es schon, dass ich irgendwann von der Fotografie leben kann», sagt Czichocki. Und natürlich: Dass sie noch ganz viele weitere Hunde ins beste Licht rücken kann.