Frick
«Ich hatte einen sehr guten Eindruck»: Das «Container-Dörfli» ist auf Kurs

111 Asylsuchende leben bereits in der kantonalen Unterkunft – die Kontaktgruppe Asyl baut ihr Hilfsangebot auf.

Thomas Wehrli
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Das achtköpfige Kernteam der Kontaktgruppe Asyl ist daran, in Frick Angebote für die Asylsuchenden auf die Beine zu stellen.

Das achtköpfige Kernteam der Kontaktgruppe Asyl ist daran, in Frick Angebote für die Asylsuchenden auf die Beine zu stellen.

Zur Verfügung gestellt

Die Asylunterkunft im ehemaligen A3-Werkhof in Frick ist gut gestartet. Heute, just sieben Wochen nach der Eröffnung, leben 111 Asylsuchende im «Container-Dörfli». Platz bietet die Unterkunft für 164 Personen. «Der Betrieb läuft seit der Eröffnung geregelt und erfreulich problemlos», sagt Anja Kopetz, Sprecherin im Departement Gesundheit und Soziales. Bislang habe es «drei kleinere Zwischenfälle mit psychisch auffälligen Bewohnern» gegeben, «welche einen Einsatz der Polizei erforderten».

Christine Fricker von der Kontaktgruppe Asyl Frick schliesst sich der Einschätzung von Kopetz, der Start sei gut verlaufen, an. «Die ersten Wochen habe ich als sehr ruhig erlebt», sagt sie. Man nehme die Asylsuchenden im Dorf zwar wahr, «aber keineswegs negativ».

Zusammen mit anderen Mitgliedern der achtköpfigen Kerngruppe war sie auch bereits einmal in der Asylunterkunft. «Ich hatte einen sehr guten Eindruck», sagt sie. Fricker ist froh, dass es bislang zu keinen Komplikationen rund um die Asylunterkunft gekommen ist. Das sei wichtig für die Akzeptanz.

Diese Akzeptanz zu erhalten, die positive Grundstimmung, die Fricker im Dorf spürt, zu festigen und weiter auszubauen, ist eine der Zielsetzungen der Kontaktgruppe. «Wir wollen Begegnungen zwischen den Einwohnern und der Dorfbevölkerung schaffen und so dazu beitragen, dass die Asylsuchenden im Dorf positiv wahrgenommen werden.» Gleichzeitig will die Kontaktgruppe den Asylsuchenden zeigen, «dass sie in Frick willkommen sind, dass sie wertgeschätzt werden».

Abwechslung im Alltag

Vor allem aber will die Kontaktgruppe den Asylsuchenden «eine Abwechslung in ihrem Alltag» bieten. Dazu werden derzeit verschiedene Angebote aufgegleist. Wie in Laufenburg soll es in Frick einen wöchentlichen Treffpunkt geben. «Das Angebot hat sich in Laufenburg bestens bewährt», weiss Fricker aus Gesprächen mit der dortigen IG Asyl. «Wir können von den Erfahrungen, die in Laufenburg gesammelt wurden, stark profitieren.»

Wo der Treffpunkt sein wird, ist derzeit noch offen. «Ein geeigneter Raum fehlt uns noch», sagt Fricker, lacht und fügt an: «Wer einen Raum zu vermieten hat, kann sich gerne bei mir melden.» Neben dem Treffpunkt sind auch sportliche Aktivitäten und Events geplant.
Bereits angelaufen ist der SoKu-Garten, ein Projekt von Su Freytag. Zweimal pro Woche gärtnert die soziokulturelle Animatorin mit Asylsuchenden und Migranten in Frick.

Das wohl wichtigste Angebot der Kontaktgruppe wird der Deutschunterricht sein. «Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration», sagt Fricker. «Je früher die Asylsuchenden damit anfangen, desto besser.» Den Einwand, dass viele Asylsuchende gar nicht bleiben können, lässt sie nicht gelten. «Etwas gelernt zu haben, hilft ihnen auch dann, wenn sie wieder nach Hause zurückkehren müssen.»

Sprachunterricht ist zentral

Der Deutschunterricht wird ab Juni mehrmals pro Woche im alten Pfarrsaal der katholischen Kirche durchgeführt. Wie oft genau, «hängt von der Nachfrage ab». Einen Lehrermangel jedenfalls muss die Kontaktgruppe nicht befürchten. «Rund 20 Personen haben ihr Interesse bekundet, die Asylsuchenden zu unterrichten», freut sich Fricker. Ohnehin sei die Resonanz in der Bevölkerung auf die Arbeit der Kontaktgruppe gross. «An unseren Infoabend kamen über 100 Personen.»

Fricker ist sich auch bewusst, dass der Einsatz der Kontaktgruppe auch Grenzen hat, ja: Grenzen haben muss. «Wir können weder Ersatzfamilie noch Ersatzfreunde sein.» Das soziale Netz, das Heimatgefühl müsse sich jeder selber aufbauen – wenn er bleiben könne.
Der Kanton ist froh um das Engagement der Bevölkerung. Die Arbeit werde sehr geschätzt, sagt Kopetz. Die Angebote seien für die Asylsuchenden äusserst wertvoll. «Sie tragen zum besseren gegenseitigen Verständnis zwischen Bevölkerung und den Asylsuchenden sowie zu einer sinnvollen Tagesstruktur bei.»

Das hört man bei der Kontaktgruppe Asyl gerne. Für Christine Fricker ist das Engagement wie selbstverständlich. Die Bilder und Beiträge über die Flüchtlingsströme, über Menschen, die ertrinken, über Kinder, die sich alleine auf den Weg machen, hat sie tief berührt. «Wenn man selber Kinder hat, sensibilisiert das zusätzlich», sagt die zweifache Mutter.

«Ich will helfen»

Die Bilder haben in ihr den Reflex ausgelöst: «Ich will helfen.» Dass dies nur ein Tropfen ist auf einen heissen Stein, weiss sie. Aber wie heisst es doch: Steter Tropfen höhlt den Stein. Oder, treffender: Wo viele helfen, geht ein Licht an. «Ich will den Asylsuchenden ermöglichen, ihren Kummer und ihre Ängste für ein paar Stunden zu vergessen.»

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