Hilfe

«Igel-Säuglinge mussten mit spezieller Milch und Spritze gefüttert werden»

Noch werden die beiden Jungigel mit Milch gefüttert, sie fressen aber bereits auch feste Nahrung.

Noch werden die beiden Jungigel mit Milch gefüttert, sie fressen aber bereits auch feste Nahrung.

Zurzeit sind sehr viele Jungigel unterwegs. Sind sie zu leicht, brauchen sie Hilfe. Eva Frei ist eine der Personen, die für die Igelstation Rheinfelden/Laufenburg solche Tiere eine Zeit lang begleitet. Ihre Hilfe sieht sie als eine Aufgabe an.

Die ersten beiden Säuglinge sind längst wieder selbstständig in der freien Natur unterwegs, ein weiterer befindet sich zurzeit in einem von Bäumen und Gebüschen umgebenen Auswilderungsgehege hinter dem Haus. Und auch bei den Jüngsten gibt es gute Nachrichten. Sie haben ihr geringes Gewicht von anfänglich 100 Gramm innert zehn Tagen verdreifacht. Bei den fünf handelt es sich um Igel. Tiere, die Eva Frei in den letzten Wochen mit der fachlichen Unterstützung von Anneliese Girlich von der Igelstation Rheinfelden/Laufenburg ein kleines Stück auf ihrem Lebensweg begleitet hat.

«Ich habe vor einigen Monaten in einem Zeitungsartikel gelesen, dass Frau Girlich Leute sucht, die in geeigneter Umgebung pflegebedürftige Igel zur Auswilderung aufnehmen», sagt Eva Frei. Nicht nur Igel, auch viele andere Tiere begleiten die Obermumpferin schon seit frühester Kindheit. Ihre Eltern zeigten stets eine grosse Hilfsbereitschaft für Tiere in Not. «Wir hatten quasi ein Tier-Lazarett bei uns zu Hause.» Ein Zuhause, das nur wenig vom heutigen Eigenheim von Eva Frei entfernt liegt. Hier leben neben den temporären stacheligen Gästen auch Hunde, Katzen und Meerschweinchen.

Gehege im Haus und Garten

Für Eva Frei fiel der Entscheid, einen Teil ihrer Zeit für die Igelbetreuung herzugeben nicht schwer. Nach den Vorgaben von Anneliese Girlich baute sie gemeinsam mit der Tochter ein geschütztes Auswilderungsgehege. Im Haus selbst machte sie für Tiere, die noch zu klein und hilfsbedürftig sind, einen grossen Käfig bereit. Als Bestandteil der Igelstation Rheinfelden/Laufenburg zogen dann schon bald die ersten stachligen Gäste ein.

Wie gross ist der Aufwand? Eva Frei lacht: «Jetzt nicht mehr so gross. Als die ersten beiden Säuglinge vor zehn Tagen ankamen, mussten sie alle paar Stunden mit spezieller Milch und einer Spritze gefüttert werden.» Mittlerweile fressen die beiden auch schon selbstständig feste Nahrung. Zusätzlich erhalten sie aber nach wie vor Milch. «Ich fasse sie möglichst nicht an. Sie sollen sich ja nicht an mich gewöhnen», macht die Obermumpferin deutlich, dass die Tiere wieder ausgewildert werden und ohne menschliche Hilfe auskommen sollen.

Dass diese Hilfe oft nötig ist, weiss Anneliese Girlich nur zu gut: «Zurzeit sind noch sehr viele Jungtiere unterwegs. Wir hatten letzte Woche sogar noch Säuglinge.» Die Igelfachfrau führt weiter aus, dass es diesen Tieren nicht gut geht. «Ihnen fehlt die Wärme. Darum fressen sie nicht. Man muss sie aufnehmen.» Deshalb seien sie auch immer froh, wenn es Personen gebe, die Igel gekonnt pflegen wollen. Dies aber immer nur nach Absprache mit der zuständigen Igelstation (für die Bezirke Rheinfelden und Laufenburg Anneliese Girlich, 079 652 90 42).

Igelbetreuung braucht Zeit

Igel sind Wildtiere. Was braucht es an Bewilligungen für eine Aufnahme zur Pflege? Darauf Anneliese Girlich: «Eine Genehmigung für eine Station lief früher nur über das Amt für Umwelt. Heute aber auch über den Kantonstierarzt, der auch bei jeder neuen Person Kontrolle über die Einrichtung macht.» Es würden jeweils auch Krankenboxen und deren Masse geprüft und die medizinischen Kenntnisse. Gerade bei letzterem ist eine entsprechende Ausbildung zwingend. Eva Frei hat sich deshalb entschlossen, diese Ausbildung im Igelzentrum in Zürich zu machen, zusammen mit drei anderen Personen.

Kann sie sich denn vorstellen, noch mehr Igel bei sich aufzunehmen, selbst eine Igelstation zu führen? Eva Frei schüttelt den Kopf: «Nein, so wie jetzt kann ich weitermachen, mehr nicht.» Neben Familie, Beruf und auch dem Amt als Obermumpfer Gemeindeammann bliebe nicht genügend Zeit für die teilweise intensive Igelbetreuung.

Igel machen ziemlich Dreck

«Der faucht mich immer an.» Eva Frei bückt sich, um unter einem Badetuch einen der kleinen stacheligen Wesen hervorzulocken. Der Lockversuch gelingt dank der mit Milch aufgezogenen Spritze. Beim Trinken zeigt es sich, dass die Igel nicht wirklich Wert auf Sauberkeit legen. Der Kleine sabbert sich komplett voll. Fress- und Trinkgeschirre nutzen die Stachligen auch gleichzeitig als Toilette. Die Wärmematte unter dem grossen Käfig verstärkt zudem das, was allgemein von Igeln bekannt ist. Sie riechen. Das stört Eva Frei nicht. «Ich sehe es als Teil unserer Aufgabe, den Igeln zu helfen. Schliesslich sind es auch wir Menschen, die ihnen viel Lebensraum wegnehmen.»

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