Bezirksgericht Rheinfelden

Im Kirchenchor kennen gelernt, um 75'000 Franken betrogen – 50-Jährige vor Gericht

«Nach der ersten Zahlung kamen dauernd neue Forderungen dazu», sagte der geprellte Rentner gegenüber der Rheinfelder Gerichtspräsidentin. (Symbolbild)

«Nach der ersten Zahlung kamen dauernd neue Forderungen dazu», sagte der geprellte Rentner gegenüber der Rheinfelder Gerichtspräsidentin. (Symbolbild)

Eine 50-jährige Frau soll einem viel älteren Herrn eine grosse Menge Geld abgenommen haben – der Fall landet vor dem Bezirksgericht Rheinfelden.

Er lieh ihr Geld, kaufte ihr einen Fernseher und auch einen Ring: Der Rentner Franz (alle Namen geändert), lernte die Beschuldigte 2014 an der Vereinsversammlung des Kirchenchors einer Fricktaler Gemeinde kennen. Aus der Bekanntschaft entstand ein kollegiales Verhältnis.

Die heute 50-jährige Frau soll sich beim Rentner immer wieder über finanzielle Probleme aufgrund ihrer Scheidung beklagt und ihn um ein Darlehen gebeten haben. Er glaubte ihr, einen Monat später überwies er ihr rund 10'000 Franken.

«Nach der ersten Zahlung kamen dauernd neue Forderungen dazu», sagte der geprellte Rentner gegenüber der Rheinfelder Gerichtspräsidentin. Er wurde beim Prozess als Zeuge befragt. Draussen, kurz vor der Verhandlung, war er der Frau wieder begegnet. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Beschuldigte wegen mehrfachen Betrugs und mehrfacher Nötigung Anklage erhoben.

«Sie war verzweifelt und ich hatte Erbarmen mit ihr.» Franz soll ihr zwischen April 2014 und Juni 2015 zahlreiche weitere Darlehen in der Höhe von mehreren tausend Franken gegeben haben. Insgesamt – so die Anklage – soll sie 75'000 Franken erhalten haben, jeweils an ihrem Wohnort und ohne Quittung. «Sie war erbost, als ich sie darum bat, eine Schuldanerkennung zu unterschreiben», sagte Franz. Die Frau hatte ihm versprochen, ihm die Geldbeträge zu retournieren, sobald ihre Scheidung vorbei war. Aus dem Verkauf einer Wohnung sollte sie das Geld generieren. «Sie sagte, ich solle ihr doch vertrauen.»

Doch als Franz darauf bestand, die Darlehen quittieren zu lassen, soll die Beschuldigte ausgeflippt sein und einen neuen Weg eingeschlagen haben, um ihren Willen durchzusetzen. Sie drohte damit, sich das Leben zu nehmen. Franz nahm dies ernst. «Ich dachte, ich darf doch nicht schuld sein, dass sie sich umbringt.» Weiter soll sie damit gedroht haben, seinen Kindern alles über die Darlehen zu erzählen. «Sie wären dagegen gewesen und ich hatte ein schlechtes Gewissen», sagte der Rentner. Franz, der selbstständig erwerbend war, hat keine Pensionskasse: «Ich bin angewiesen auf das Geld. Das war meine Altersvorsorge», sagte er geknickt.

Beschuldigte verweigert die Aussage

Die Frau, die im Gerichtssaal nur wenige Meter von Franz entfernt sass, verweigerte jede Aussage zur Sache. Sie fühle sich ungerecht behandelt, nur so viel sagte sie zu den Anschuldigungen. Auflistungen zu ihren privaten und finanziellen Verhältnissen zeigten, dass die Pharmaassistentin einen Porsche und eine Harley besitzt. Dass sie 10'000 Franken erhalten hat, streitet sie nicht ab. «Sie behauptet, er habe alles andere erfunden», sagte der Anwalt von Franz in seinem Plädoyer. «Sie schuf ein Gebäude aus Lügen und zeichnete das Bild einer Person in einer Notlage.»

Doch für alle weiteren Geldübergaben oder allfällige Rückzahlungsverpflichtungen gebe es keine ausreichenden Beweise, argumentierte der Verteidiger der Beschuldigten: «Die Bankbelege über die Bargeldbezüge belegen nicht, dass das Geld an meine Mandantin ging.» Der Porsche und die Harley seien geleast und beweisen ebenfalls nichts. Die 10'000 Franken seien eine Schenkung gewesen.

Der Fernseher, der Ring und die gemeinsamen Abendessen seien ebenfalls nicht aus einer Selbstlosigkeit ausgetauscht worden, so der Verteidiger: «Es ist offensichtlich, dass er mit den Geschenken Eindruck machen wollte.» Als er bei der attraktiven Frau nicht «landen» konnte, soll Franz das Geld dann zurückgewollt haben, so der Anwalt: «Und er setzte einen drauf.» Er forderte für seine Mandantin einen Freispruch.

Staatsanwaltschaft will Geldstrafe und Busse

Die Staatsanwaltschaft forderte für die Beschuldigte hingegen eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 110 Franken, total 9900 Franken, mit einer Probezeit von zwei Jahren. Und eine Busse von 2400 Franken. Der Anwalt von Franz forderte neben dem Schuldspruch wegen Betrugs und mehrfacher Nötigung auch die Rückzahlung der 75'000 Franken. Das Urteil steht noch aus.

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