Fricktal

Immer mehr Deutsche weichen auf Fricktaler Freibäder aus - weil die eigenen coronabedingt geschlossen sind

Im Strandbad Rheinfelden war auch am vergangenen Sonntag die Liegewiese nicht überfüllt.

Im Strandbad Rheinfelden war auch am vergangenen Sonntag die Liegewiese nicht überfüllt.

Immer mehr deutsche Gäste halten sich in den Fricktaler Freibädern auf. Gründe für die ungewöhnlich grosse Nachfrage in Zeiten der Pandemie sind die strengeren Hygienevorschriften ennet der Grenze. Trotz den Touristen ist die Corona-Obergrenze allenthalben noch unterschritten.

In Laufenburg kennt Badmeister Markus Moll seine Stammkunden recht gut. Aber neuerdings sind ihm viele Gesichter fremd. «Wir bemerken vermehrt Badegäste aus dem deutschen Grenzraum», sagt Gemeindeschreiber Marco Waser.

Kein Wunder – ist in der badischen Schwesterstadt die Badi coronabedingt geschlossen und öffnet vielleicht auch nicht mehr. Definitiv zu bleibt das Murhena Naturbad in Murg, knapp sieben Kilometer entfernt.

Corona-Auflagen in Deutschland höher

Deutsche «Baditouristen» – ein neues Phänomen im Fricktal. Es sind die, welche zu Hause nicht in die Badi können, weil sie geschlossen sind. Oder nicht wollen, weil sie in den im Vergleich zur Schweiz deutlich strengeren Hygiene-Auflagen zu Hause eine Spassbremse sehen.

Willy Vogt, Betriebsleiter des Strandbads Rheinfelden, bestätigt: «Das Interesse der deutschen Nachbarn an unserer Badi ist gestiegen.» Mehr Leute als sonst hätten sich per Telefon oder E-Mail erkundigt, wie sie reinkommen. Wie viele es tatsächlich sind, kann er nicht beziffern. «Bei uns wird ja die Herkunft nicht vermerkt.» Also ran an die Leute, wo tönt es deutsch? Bei einer Gruppe aus Weil am Rhein. Dort ist das Laguna Badeland wegen Corona zu. Die Alternative? Rheinfelden/Baden?

Nein, lieber das schweizerische. «Hier setzt man auf die Selbstverantwortung der Menschen, hier fühlen wir uns weniger bevormundet», nennt einer aus der Gruppe als Grund für den Badi-Besuch im Fricktal. Weniger grundsätzlich klingt es bei einer Familie aus Lörrach.

Dort ist das Freibad zwar offen, lässt aber nur 600 Gäste rein: «Wir waren zu spät dran, sind bei der Online-Registrierung leer ausgegangen. Da haben wir uns für Rheinfelden entschieden», sagt der Papi. Aber: So ganz ohne Schutzmasken rundherum, übermannt den «Baditouristen» doch ein «etwas mulmiges Gefühl», wie er gestehen muss.

Sonne und Ferien – eigentlich stimmt im Moment alles

Auch wenn die Deutschen dazukommen – um einen freien Platz auf der Liegewiese brechen noch keine Kämpfe aus. Dazu ist die Zurückhaltung der Coronapandemie wegen zu gross. Seit dem 6. Juni, als im Fricktal die ersten Freibäder wieder öffneten, haben die Besucherzahlen die erlaubten Obergrenzen stets unterschritten.

In der Zeit vor dem jüngsten Hitze-Wochenende sogar deutlich. Vogt: «Da waren es bei uns nie mehr als 700 gleichzeitig.» 1320 wären erlaubt. An der Marke kratzte mit 1080 nicht einmal der vergangene Sonntag.

Sonne und Ferien – eigentlich stimmt im Moment alles. Und dennoch zählte Vogt am Sonntag nur 1800 Gäste insgesamt. «Normalerweise hätten wir bei solchen Konditionen 3000 und mehr pro Tag.»

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