Möhlin
In der Leigrube entsteht doch kein Einfamilienhaus-Quartier

Der Gemeinderat von Möhlin gab an einer Infoveranstaltung Einblick in die Planung wichtiger Projekte – und erntet Kritik. Für ein Raunen sorgte etwa das Projekt Leigrube.

Nadine Böni
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Bleibt vorerst grün: Die Gemeindeversammlung lehnte den Verkauf des ehemaligen Sportplatzes Riburg ab. Wie es nun damit weitergeht, ist offen. nbo/archiv

Bleibt vorerst grün: Die Gemeindeversammlung lehnte den Verkauf des ehemaligen Sportplatzes Riburg ab. Wie es nun damit weitergeht, ist offen. nbo/archiv

Es war ein dickes Bündel an Informationen, das der Möhliner Gemeinderat für die Bevölkerung geschnürt hatte. Auf der Themenliste für den Informationsabend am Montag standen unter anderem der Investorenwettbewerb Sportplatz Riburg, der Gestaltungsplan Lei-
grube sowie das Projekt Zentrumszone (siehe Kontext). Allerdings zeigte sich bald: Vieles ist noch Stückwerk, die meisten Projekte stecken erst in einer frühen Phase der Planung – was die rund 400 Anwesenden nicht daran hinderte, Kritik zu üben.

Streitpunkt Gebiet Leigrube

Für ein Raunen sorgte etwa das Projekt Leigrube. Der Gemeinderat gab einen ersten Einblick in den (noch nicht fertigen) Gestaltungsplan. Das 2,9 Hektaren grosse Gebiet in Richtung Melerfeld war 2011 nur mit einem knappen Mehr (408 Ja- gegen 380 Nein-Stimmen) als Bauland eingezont worden. Nun ist klar, dass in der Leigrube kein Einfamilienhaus-Quartier entstehen wird, wie das damals angedacht war.

«Die Spielregeln haben sich geändert», erklärte Fäs und verweist auf die nationale Abstimmung zum Raumplanungsgesetz von 2013. Die Kantone müssen ihre Richtpläne an dieses neue Gesetz anpassen. Im Aargau heisst das grob zusammengefasst: Es werden keine neuen Einzonungen ohne entsprechenden Abtausch bewilligt und es muss verdichtet gebaut werden.

In Möhlin geht man derzeit davon aus, dass der Bundesrat den Richtplan des Kantons Aargau Ende 2016 genehmigt. Gemäss den Richtplanvorgaben muss Möhlin auf nichtbebauten Arealen im Schnitt eine Einwohnerdichte von 90 bis 100 Einwohnern pro Hektare erreichen. Für das Gebiet Leigrube heisst das: «Wir planen aktuell eine Mischung aus Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern», so Fäs. Es handelt sich dabei um zwei- bis dreistöckige Gebäude und insgesamt fast doppelt so viele Wohnungen, wie einst geplant.

Kritik an Überbauung

Bei den Anwesenden stiess das auf wenig Gegenliebe. «Wenn man die Spielregeln derart ändert, muss man auch die Grundsatzfrage noch einmal stellen», sagte etwa ein Anwohner. Und: «Was ich hier sehe, ist eine Ohrfeige. Das ist ein Vorhaben, wie es in ein vorstädtisches Umfeld passt, aber sicher nicht in ein ländliches Gebiet wie die Leigrube.»

Auch Markus Fäs selber wirkte mit dem gezeigten Gestaltungsplan (noch) nicht glücklich. Bei der Abstimmung 2011 hatte er im Initiativ-Komitee gegen die Einzonung mitgewirkt. Nun sagte der SP-Mann: «Ich kann diesen Argumenten nicht widersprechen. Aber die Voraussetzungen haben sich geändert. Wir bemühen uns, etwas zu bauen, das dorthin passt.»

Sportplatz soll verkauft werden

Gemeindeammann Fredy Böni betonte daraufhin, dass nicht der Gemeinderat die Spielregeln geändert habe, sondern das Schweizer Stimmvolk. «Wir müssen jetzt Gestaltungspläne vorlegen, die vom Regierungsrat nach neuem Gesetz bewilligt werden», so Böni.

Gleiches gilt für den Sportplatz Riburg. Hier hat der Gemeinderat die Planungen nach einer Unterbrechung von einigen Jahren wieder aufgenommen. Er möchte das Areal an einen Investor verkaufen. Zwischen Juni und August wird nun ein Investorenwettbewerb stattfinden. «In diesem sollen gewisse Leitplanken vorgegeben werden», erklärte Fäs. Etwa, dass «rund ein Drittel des Areals grün bleiben soll» und zwei Drittel zur Überbauung freigegeben würden. Auch hier gelten die Vorschriften des Richtplans. Ziel des Gemeinderats ist es, im Gebiet des Sportplatzes eine Bevölkerungsdichte von 130 Einwohnern pro Hektare zu erreichen.

Vor allem wegen des Verkaufs erntete der Gemeinderat hier Kritik von den Anwesenden: «Der Sportplatz Riburg ist das einzige Stück Erde in unserem Dorf, das noch uns gehört und über das wir bestimmen können. Ein Verkauf ist deshalb unverständlich.» Der Gemeinderat plant trotz dieser Kritik, den Verkauf an der Wintergemeinde auf die Traktandenliste zu setzen. Eine Realisierung der Überbauung wäre bei einer Zustimmung ab 2018 möglich. Beim Gebiet Leigrube geht die Behörde von einem längeren Zeitrahmen aus: Das Projekt kommt frühestens 2018 vor die Gemeindeversammlung.

«Volk bestimmt die Richtung»

In seinem Schlusswort strich Fredy Böni die Bedeutung der Projekte heraus: «Es ist wichtig, dass sich Möhlin bewegt.» Das Volk bestimme dabei die Richtung. Ob die Anwesenden mit der nun eingeschlagenen Richtung zufrieden sind, blieb offen.

Städteranking: Möhlin ist die Nummer 132

Das Wirtschaftsmagazin Bilanz präsentierte diese Woche sein neuestes Städteranking. Möhlin schafft es dabei auf Platz 132. Bei 162 bewerteten Städten kein Glanzergebnis. Vielleicht ändert das geplante, neue Zentrum daran dereinst etwas: Auf dem Areal nördlich des Gemeindehauses soll eine Überbauung mit einem Wohn- und Gewerbegebäude sowie einem Restaurationsbetrieb entstehen. Unterirdisch ist eine Tief-garage mit 124 Parkplätzen geplant. Daran beteiligt sind die Gemeinde, der Investor der Überbauung sowie die Raiffeisenbank. Auch eine Aufwertung der Allmend ist vorgesehen. An der Wintergemeinde soll die Bevölkerung über einen Kredit und den Landverkauf abstimmen können.(nbo)

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