Nordwestschweizerisches
In Wittnau lachte nicht nur das Schwingerherz

Rund 4000 Zuschauer verfolgten packende Wettkämpfe am 112. Nordwestschweizerischen Schwingfest.

Peter Schütz
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Impressionen vom Nordwestschweizer Schwingfest 2019 in Wittnau
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Auch neben dem Sägemehlring waren viele «Chrampfer» anzutreffen.
Der mobile Getränkeladen
Die Helfer mit Rechen warten auf ihren Einsatz
Impressionen vom Nordwestschweizer Schwingfest 2019 in Wittnau
Wittnau: Auch neben dem Sägemehlring waren viele «Chrampfer» anzutreffen.
Einmal den Siegermuni streicheln dürfen

Impressionen vom Nordwestschweizer Schwingfest 2019 in Wittnau

Peter Schütz

Von «A» wie Anschwingen bis «Z» wie Zwilchhosen hat am Sonntag in Wittnau alles gepasst – inklusive strahlendem «W» wie Wetter. Als die Bösen – die besten Nordwestschweizer Schwinger – in der vollen Arena mitten im Dorf ihre Auftritte hatten, herrschte bäumige Stimmung. Erst recht, wenn ein Einheimischer in den Sägemehlring stieg. Als David Schmid vom Schwingklub Fricktal im vierten Gang gegen Reto Nötzli siegt, jubelt das ganze Stadion zu. Und das bei etwa 30 Grad, die am besten mit Hut oder unter dem Sonnenschirm auszuhalten waren. Die Schwinger aber, die ihre Wettkämpfe auf vier Sägemehlringen austrugen, bekamen die Hitze voll ab.

Von den Zuschauerrängen aus gab es die beste Aussicht. Wer näher ans Geschehen rückte, erlebte Emotionen pur. Freude und Enttäuschung lagen oft nahe beieinander, manchmal war der Traum vom Sieg in einem Sekundenbruchteil ausgeträumt. Von der Seite aus erhielten die Schwinger Zuspruch. «Muesch draglaube!», rief ein enthusiastischer Mann, «machs no einisch! Zieh!». Die Schwinger hatten ihre Anhänger dabei: der Schmid-Buebe-Fanclub fieberte mit David und Samuel Schmid, ebenso diejenigen, die mit Christoph Bieri angereist waren. «Mer setze ofe Bieri» war auf deren Shirts zu lesen. Andere setzten auf Schatten und kühle Getränke, die in der Arena auf Veloanhängern transportiert wurden.

Die beiden Sieger des Nordwestschweizer Schwingfests auf den Schultern der Konkurrenten.
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Andreas Döbeli (r.) muss sich ergeben, David Schmid (l.) hat den Schlussgang gewonnen.
Auf den Schultern der anderen Schwinger feiert David Schmid seinen Sieg im Schlussgang.
Nordwestschweizerisches Schwingfest in Wittnau.
Andreas Döbeli (oben) auf dem Weg zu seinem Sieg über Remo Stalder im vierten Gang.
Andreas Döbeli (r.) auf dem Weg zu seinem Sieg über Remo Stalder im vierten Gang.
Der Freiämter Andreas Döbeli steht im Schlussgang des Nordwestschweizer Schwingfestes in Wittnau.
Der Innerschweizer Gast Marcel Bieri (l.) besiegt den Zofinger Patrick Räbmatter im vierten Gang.
Titelverteidiger David Schmid bejubelt seinen Sieg im vierten Gang gegen Reto Nötzli.
Titelverteidiger David Schmid (l.) im vierten Gang gegen Reto Nötzli.
Kaj Hügli (vorne) muss sich Beni Notz im vierten Gang geschlagen geben.
Samuel Schmid (oben), Bruder von Titelverteidiger David Schmid, und Patrick Gobeli stellen im vierten Gang.
Christoph Bieri (oben) triumphiert im vierten Gang gegen Simon Schmutz und ist damit in seiner Mission «100. Kranz» weiterhin auf Kurs.
Mario Thürig fährt im vierten Gang gegen Remo Studer einen Sieg ein.
Gelungener Auftakt: Titelverteidiger David Schmid (l.) jubelt nach seinem Sieg gegen Simon Mathys im ersten Gang.
Titelverteidiger David Schmid (r.) im Kampf des ersten Ganges gegen Simon Mathys.
Der erste Gang zwischen Titelverteidiger David Schmid (oben) und Simon Mathys lieferte Action.
Lukas Döbeli (l.) reicht Stephane Hänni nach dem ersten Gang die Hand.
Christoph Bieri (r.) will seinen 100. Kranz gewinnen. Hier schwingt er gegen Patrick Gobeli.
Mario Thürig (r.) ist fünffacher Eidgenosse, hier kämpft er gegen Reto Nötzli.
Mitfavorit Joel Strebel verliert im ersten Gang gegen Marcel Bieri.
Remo Stalder (l.) gegen Marc Gottofrey.
Titelverteidiger David Schmid (l.) gegen Simon Mathys.
Duell der Schwergewichte: Patrick Räbmatter (l.) im Duell mit Domenic Schneider.
Titelverteidiger David Schmid startet mit Sieg.
Die Schwingarena steht mitten im Dorf. Das beschert den Zuschauern durchaus idyllische Aussichten.
Pünktlich hat das Norwestschweizerische Schwingfest begonnen. Erster Sieger des Tages ist Damian Kehr aus Kienberg.
Kurz vor dem Anschwingen: Die Sonne steht noch ziemlich tief am wolkenlosen Himmel. Die Haupttribüne wirft einen langen Schatten. Die Arena mit 4000 Plätzen aber füllt sich langsam.
Die Schwingarena in Wittnau am frühen Morgen vor dem Anschwingen.
Gelingt die Titelverteidigung? David Schmid (l.) überzeugte vor einem Jahr am Nordwestschweizerischen Schwingfest in Basel.

Die beiden Sieger des Nordwestschweizer Schwingfests auf den Schultern der Konkurrenten.

Keystone

«Seit zwei Wochen war in Wittnau ein richtiges Fieber zu spüren», berichtete OK-Mitglied Marcel Brogli. «Die Arena ist für 4000 Leute ausgebaut, jetzt ist sie voll», freute er sich. Der Turnverein Wittnau hat das Nordwestschweizerische Schwingfest als Trägerverein zum ersten Mal durchgeführt. «Grössenwahnsinn» sei dem Verein zuerst nachgesagt worden, so Brogli. Der TV Wittnau hat dann nach zwei Jahren Vorbereitung – zusammen mit dem Schwingklub Fricktal – das grosse Besteck ausgepackt, alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit aus dem Schwingfest ein einmaliges Erlebnis wird. Die Motivation der Veranstalter war auch am Sonntag zu spüren. Trotz zwei Unfällen im Sägemehlring am Vormittag blieb die Stimmung den ganzen Tag sportlich-friedlich.

Die Gäste konnten den Tag, wenn sie denn nicht in der Arena weilten, in verschiedenen Festbeizen verbringen. Oder einen Blick in die Stallung mit den drei Lebendpreisen werfen. Unter ihnen der zweijährige Muni «Jehlwi», 900 Kilo schwer, aber gut zu führen, geduldig, bis er an den Sieger übergeben wurde. Gezüchtet wurde der Red-Holstein-Muni im Stall von Marcel Belser in Wölflinswil.

Zurück in der Arena ging es hoch her. Das Sägemehl flog in der Hitze weit fort, während pausierende Schwinger sich am Brunnen erfrischten. Zwischendurch traten der Jodlerklub Frick und der Jodlerklub Echo vom Glaubenberg auf und zeigten Fahnenschwinger ihr Können, das alles bei laufendem Wettkampf. Um 17.40 Uhr kochte die Arena über, als David Schmid den Freiämter Andreas Döbeli im Schlussgang besiegte. «Jehlwi» muss also gar nicht weit verreisen.

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