Rheinfelden

Jeder Schritt ein Franken: Nach elf Tagen Dauerlauf gönnt sich Roland Gröflin einen Ruhetag

Roland Gröflin hat inzwischen 11 der 60 Etappen auf seinem Lauf rund um die Schweiz absolviert.

Roland Gröflin hat inzwischen 11 der 60 Etappen auf seinem Lauf rund um die Schweiz absolviert.

Für seine Spendenaktion läuft der Rheinfelder Roland Gröflin 2000 Kilometer der Landesgrenze entlang. Nun gönnte er sich den ersten Ruhetag – und feierte mit Ehefrau Patrizia den 25. Hochzeitstag.

Es ist ein ganz besonderer Tag. Nach elf Etappen auf seinem 2000-Kilometer-Lauf rund um die Schweiz zog Roland Gröflin gestern Mittwoch seinen ersten von gerade einmal zwei Ruhetagen ein, die er sich auf den 60 Etappen gönnt.

Besonders machte den Tag nicht nur, dass er «nun richtig eingelaufen» ist, dass er «bisher von Verletzungen und Blasen verschont» geblieben ist, dass die ersten Etappen «das Selbstvertrauen weiter gestärkt» haben, dass er «vom Team toll umsorgt wird» und dass der Start somit «perfekt geglückt» ist.

Besonders machte den Tag vor allem, dass der 55-Jährige am Mittwoch seinen 25. Hochzeitstag feierte. Den Tag verbrachte er zusammen mit seiner Frau Patrizia auf einer Segelyacht auf dem Genfersee. Auf der Yacht schipperten die beiden von Nernier nach Saint-Gingolph, von wo aus der Run rund um die Schweiz heute Donnerstag weitergeht. «Auf diesen Tag habe ich mich immens gefreut. Er war der Ankerpunkt, den ich bei den ersten Etappen stets vor Augen hatte.»

Die ganz schweren Etappen hat der Rheinfelder noch vor sich

Sein Betreuer Mosh Mangha fuhr derweil den Camper, in dem die drei während der zwei Monate leben, zur neuen Basisstation. «Das Team ist das A und O», sagt der Schweizumrunder. «Es macht 75 Prozent des Projektes aus.»

Die restlichen 25 Prozent sind mit Laufen beschäftigt. Inzwischen hat Gröflin rund 400 der 2000 Kilometer zurückgelegt, also etwa 20 Prozent der Strecke. Es habe schwierige Momente gegeben, blickt Gröflin zurück. Am happigsten war der Abstieg am Sonntag: 1000 Höhenmeter runter innert 5 Kilometer. «Das fuhr ein.»

Wobei: Die ganz schweren Etappen hat der Rheinfelder noch vor sich. Im Wallis geht es in den nächsten Tagen so richtig zur Sache. An die 80 Leistungskilometer mit über 2000 Höhenmetern stehen da bisweilen auf dem Programm. «Davor habe ich Respekt.»

Abkühlung in Brunnen, bis es schmerzt

Diesen hat er auch vor der momentanen Hitzewelle. Um nicht in der Bruthitze laufen zu müssen, hat Gröflin den Tagesplan angepasst. «Ich stehe um vier Uhr auf, damit ich um sechs Uhr loslaufen kann.» So ist er jeweils gegen Mittag am Zielort. «Die letzte Stunde hängt trotzdem an.»

Wenn er ins Ziel einläuft, ist der Körper jeweils stark erhitzt. Damit er nicht überhitzt, kühlt sich Gröflin ausgiebig ab. Dazu nutzt er Gewässer ebenso wie Brunnen. Er lacht. «Am Ende der Tour kenne ich die ganze Schweizer Brunnenlandschaft.»

Roland Gröflin kühlt sich im Brunnen ab und scherzt mit seinem Tour-Betreuer Mosh Mangha.

Roland Gröflin kühlt sich im Brunnen ab und scherzt mit seinem Tour-Betreuer Mosh Mangha.

15 bis 20 Minuten sitzt er in den Trögen, «bis es schmerzt». Dabei gibt es von Autofahrern, die ihn aus den Medien wiedererkennen, schon mal ein Daumen hoch oder ein anspornendes Wort.

Es komme immer wieder zu schönen Begegnungen, sagt Gröflin. Auch zu hilfreichen. So konnte er Wanderern, die nicht wussten, wo sie lang mussten, dank seiner GPS-Uhr mit Digital-Karte aushelfen.

Die Sportuhr weist auch ihm sicher den Weg. Meist zumindest. «Es kam auch schon vor, dass mich die Uhr auf einen Weg lotsen wollte, der nicht passierbar war.» Oder dass er mitten durchs Cern-Gelände laufen sollte, was der Portier keine so gute Idee fand.

Das Spendenziel ist ambitioniert

Eine gute Idee – oder besser: Eine gute Sache ist, dass Gröflin seinen Lauf zugleich nutzt, um Geld für die Laureus Stiftung zu sammeln. Diese will Kinder und Jugendliche durch Sport im Leben weiterbringen.

Das Spendenziel ist ambitioniert: Zwei Millionen Franken möchte Gröflin am liebsten sammeln – für jeden Schritt, den er macht, einen Franken. Derzeit liegt das Spendenbarometer bei knapp 1400 Franken. «Da müssen wir noch einen Zahn zulegen», sagt Gröflin. Er bleibt zuversichtlich. «Ich hoffe, dass das Spendenbarometer zeitgleich mit mir im Ziel einläuft.» Oder auch etwas früher. «Diesen Zweikampf zu verlieren, würde mir nichts ausmachen.»

Den anderen Zweikampf, den mit sich respektive seinen Füssen, will er auf jeden Fall gewinnen. Er weiss: «Wenn ich es bis Maienfeld schaffe, ist es nur noch ein Nach-Hause-Laufen.»

Bis Maienfeld sind es noch 37 Etappen. Anita Weyermann würde dazu sagen: «Gring ache u seckle.»

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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