Rheinfelden

Jetzt wachsen die ersten Shrimps – im Frühjahr wird geerntet

Bisher sind in der neuen Shrimps-Zucht rund 200 000 Tiere eingesetzt worden. Im Frühjahr ist die erste Ernte geplant.

Bisher sind in der neuen Shrimps-Zucht rund 200 000 Tiere eingesetzt worden. Im Frühjahr ist die erste Ernte geplant.

Die Swiss Shrimp AG hat die Produktion von Schweizer Crevetten gestartet. Die Kapazität der Rheinfelder Anlage beträgt zu Beginn 60 Tonnen. Es besteht die Möglichkeit, die Produktionsräume und -anlagen auf eine Jahreskapazität von bis zu 150 Tonnen zu erweitern.

Es war während den Tauchferien in Thailand. Da kam dem Solothurner Informatiker Thomas Tschirren, in der Hängematte liegend, eine Idee: Shrimps, die in Asien unter teils fragwürdigen Bedingungen produziert werden, in der Schweiz herstellen – und zwar unter ökologisch besseren Bedingungen. Jetzt, rund zehn Jahre später, wird aus dieser Idee Realität. Und zwar in Rheinfelden, wo vor gut einem Jahr der Baustart für die Produktionsanlage der Swiss Shrimp AG war.

«Wir befinden uns im Moment in der Phase der Inbetriebnahme», sagt Rafael Waber, Mitinitiant und Geschäftsführer. Das heisst konkret: Die ersten drei Becken sind mit Shrimps besetzt. Es seien bisher rund 200'000 Tiere eingesetzt worden, sagt Waber. Nach und nach sollen es mehr werden. Die Produktionskapazität beträgt 60 Tonnen im Jahr. Die Crevetten-Zucht besteht dann aus 16 Becken mit je 100 Kubikmetern Wasservolumen. Die Tiere wachsen in einem geschlossenen Salzwasserkreislauf heran, auf den Einsatz von Antibiotika wird verzichtet.

Bauarbeiten bald abgeschlossen

Parallel zur Inbetriebnahme laufen auf dem Gelände die abschliessenden Bauarbeiten. Einerseits an der Umgebung, andererseits auch beim Mieterausbau durch die Swiss Shrimp AG. «Die erste Halle mit acht Becken ist fertig. Hier sind wir in der Inbetriebnahme. In der anderen, zweiten Halle sind acht weitere Becken noch im Bau», sagt Waber. Es sei eine Herausforderung, die Produktion und daneben die Fertigstellung des Baus zu koordinieren.

Eine andere Herausforderung ist die Inbetriebnahme der Anlage und der Produktionsstart selber. Schliesslich bewegt sich das Unternehmen in der Schweiz praktisch auf Neuland. Die zehn Mitarbeiter – rekrutiert wurden sie grösstenteils über das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) in Rheinfelden – haben allesamt wenig bis keine Erfahrung im Bereich, in dem sie nun arbeiten. «Es ist ein komplett neues Arbeitsgebiet für sie – schliesslich gibt es in der Schweiz auch keinen vergleichbaren Betrieb, geschweige denn eine entsprechende Ausbildung», sagt Waber. Er windet seinem Team aber ein Kränzchen: «Es ist spürbar, wie motiviert und lernbereit die Mitarbeiter sind. Wir konnten ein super Team mit motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufbauen. Bis auf weiteres ist unser Team komplett.»

Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt

Um die Anlage mit den Mitarbeitern in Betrieb zu nehmen, haben die Initianten für sämtliche Arbeitsabläufe detaillierte Arbeitsbeschreibungen verfasst. «Das war ein riesiger Aufwand. Es sind über 200 Arbeitsbeschreibungen, die in den letzten eineinhalb Jahren entstanden sind», sagt Rafael Waber. Jeder Arbeitsschritt wird darin im Detail erklärt. Als Beispiel nennt Waber die Beckenreinigung: «Da ist der erste Schritt der Gang zum Reinigungsschrank, der zweite Schritt, den Schrank zu öffnen, das entsprechende Reinigungsmittel auszuwählen und so weiter. So wissen unsere Mitarbeiter ganz genau, welche Aufgabe wie zu erledigen ist.» Dieses Vorgehen sei auch in der Pharmabranche bekannt. «Es verhindert Fehler. Und sollte trotzdem einmal ein Fehler passieren, lässt sich leicht nachvollziehen, wo er passiert ist.»

Diese Vorgehensweise war einer der Inputs aus dem zweijährigen Pilotprojekt der Swiss Shrimp AG. «Die Erkenntnisse aus unserem Pilotprojekt helfen uns auch in anderen Bereichen», sagt Waber. Im Frühjahr steht die erste Ernte an. Dann gilt es, erstmals auch den Verpackungsprozess umzusetzen. «Wir hoffen, dass wir bis in einem Jahr im normalen Betrieb sind und alle Prozessabläufe kennen», so Waber. Die Idee von damals aus der Hängematte in den Tauchferien in Thailand – sie ist dann definitiv Realität geworden.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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