Laufenburg
«Kennen Sie Eric?» : Annäherung an ein Multitalent

Autor-Festival «Kennen Sie Eric?» zu Eric-Emmanuel Schmitt in der Kultschüür.

Ingrid Arndt
Drucken
Szene aus einer Probe: Im Stück «Hotel zu den zwei Welten» haben die Figuren eines gemeinsam: Sie liegen eigentlich als Komapatienten in einem Spital.

Szene aus einer Probe: Im Stück «Hotel zu den zwei Welten» haben die Figuren eines gemeinsam: Sie liegen eigentlich als Komapatienten in einem Spital.

Die Idee hatte das Ensemble des Laufenburger Wiwa-Theaters unter Leitung von Martin Willi schon lange: ein Event über mehrere Wochen anzubieten, inhaltlich getragen von der enormen Vielseitigkeit nur eines einzigen Schriftstellers und Philosophen. Die Wahl fiel auf den international bekannten, französisch-belgischen Romancier, Dramatiker, Filmregisseur, Philosophen, Musiker Eric-Emmanuel Schmitt, der bereits mit vielen Auszeichnungen geehrt wurde.

An insgesamt 33 Tagen vom 4. November bis zum 7. Dezember werden unter dem Festival-Titel «Kennen Sie Eric?» von diesem Autor zwei unterschiedliche Theaterstücke an mehreren Abenden aufgeführt, eine Ausstellung sowie ein Film gezeigt. Eine Matinee-Lesung rundet die Veranstaltungsreihe ab. Anlässlich einer Presseinformation zeigten das Ensemble des Wiwa-Theaters und des Teatro Mobile Arisdorf Ausschnitte aus den beiden Theaterstücken «Hotel zu den zwei Welten» und «Einsteins Verrat», beide unter der Regie von Jürg Matt.

Komapatienten und Einstein

Die beiden Theaterstücke Schmitts behandeln ganz unterschiedliche Themen. Zur Gefühlswelt von Komapatienten haben Aussenstehende kaum noch Zugang. Aus diesem Stadium zwischen Leben und Tod holt der Schriftsteller Schmitt fünf Menschen in das fiktive «Hotel zu den zwei Welten», Frauen und Männer unterschiedlichstem Alters. Alle sind zum Beispiel durch Unfall, Organversagen oder Selbstmordversuch ins Koma gefallen. An diesem merkwürdigen Ort sind sie wieder die Menschen, die sie mal waren. Sie sind sich aber dennoch bewusst über ihren eigentlichen Zustand. Sie erzählen über ihr Leben früher, agieren berührend im Wartezimmer ihres Schicksals zwischen Traum und Realität. Sie sind verzweifelt, mutig, ganz irdisch verliebt, humorvoll, hoffen auf eine zweite Chance. Denn in diesem Hotel gibt es keinen Ausgang, nur einen Fahrstuhl nach oben oder unten, zurück ins Leben oder in den Himmel.

Mit hintergründigem Humor und in die Tiefe gehenden Dialogen werden in «Einsteins Verrat» die Widersprüche des überzeugten Pazifisten, überragend klugen Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein hinterfragt – Deutscher mit Schweizer Pass, emigriert in die USA und dennoch durch die grauenvollen Verbrechen der Nazis zum Kriegsbefürworter geworden. An einem See in New Jersey kommt er mit einem Vagabunden ins Gespräch, der seinen Sohn im Ersten Weltkrieg verlor. Sie philosophieren über Gott und die Welt, das Universum, über Politik, die Atombombe, die Sinnlosigkeit von Kriegen. Ein FBI-Agent kommt hinzu, der im Auftrag seiner Behörde den vermeintlichen Kommunisten Einstein ausspionieren soll.

Der Film «Oskar und die Dame in Rosa» erzählt einfühlsam die Geschichte des zehnjährigen Oskar, der schwer an Krebs erkrankt ist. Weder seine Eltern noch die Ärzte reden mit ihm darüber, nur die mürrische Pizzaausträgerin Rosa versteht es, ihm Sinnhaftigkeit zu vermitteln. Der Film wird am Samstag, 18. November um 19 Uhr gezeigt. In einer Matinee-Lesung am Samstag, 5. November um 11 Uhr werden verschiedene Werke von Eric-Emmanuel Schmitt vorgestellt. Eine kleine Ausstellung zum Autor, rundet das Autor-Festival ab.

Das Autor-Festival beginnt am 4. November, 20 Uhr, mit der Premiere des Stücks «Hotel zu den zwei Welten». Weitere Termine: www.kultschüür.ch

Aktuelle Nachrichten