Familie
Auch im Homeoffice lassen Fricktaler Eltern ihre Kleinen gern extern betreuen

Kindertagesstätten, im ersten Lockdown noch von massiven Einbrüchen heimgesucht, können sich aktuell nicht über mangelnden Zuspruch beklagen. Die Nachfrage nach Plätzen ist gross. Doch da und dort sorgt das Homeoffice auch für Abmeldungen.

Hans Christof Wagner
Merken
Drucken
Teilen
Ohne Masken für die Mitarbeitenden, so wie hier im Januar 2020, geht es an der Kita Soleweg in Möhlin, die zum Familea-Verbund gehört, nicht mehr.

Ohne Masken für die Mitarbeitenden, so wie hier im Januar 2020, geht es an der Kita Soleweg in Möhlin, die zum Familea-Verbund gehört, nicht mehr.

Zvg

«Kinderbetreuung und Homeoffice gleichzeitig ist für die Eltern Stress pur», findet Nicole Dänzer, Gründerin und Geschäftsführerin der Momo-Kitas mit Standorten in Möhlin und Rheinfelden. Sie begründet damit die weiterhin hohe Nachfrage nach Betreuung und berichtet:

«Unsere Kinder kommen alle wie immer zu uns in die Einrichtung.»

Und sie geht schon davon aus, dass sich viele Eltern, die bei Momo Kinder zur Betreuung angemeldet haben, sich tatsächlich auch im Heimbüro befinden. Aber die Vorstellung, dass sich das Arbeiten von zu Hause aus mit der Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern gut vereinbaren liesse, sei naiv. Auch Fabienne Hagenbuch, Geschäftsleiterin der Kita Villa Kunterbunt mit Krippenplätzen für Kinder ab drei Monaten in Frick und Gipf-Oberfrick, berichtet:

«Wir haben vereinzelte Abmeldungen wegen Homeoffice, aber das sind die Ausnahmen. Die meisten Kinder werden nach wie vor gebracht.»

Weitgehend normal läuft es auch bei Familea, einem Kita-Verbund, der mit den Standorten Stein, Möhlin und Rheinfelden auch im Fricktal präsent ist. Speziell an Stein: An der dortigen Kita Zauberstei haben sämtliche grosse Pharma- und Life-Science-Unternehmen des Fricktals – Novartis, Syngenta und DSM – Belegungsrechte. Es ist also eine betriebliche Kita. Wobei bei Novartis Stein die in der Produktion tätigen Mitarbeitenden nach wie vor präsent sind und so gern ihre Kinder in der Betreuung wissen. Das weiss Aron Reichenbach, der Leiter der Tagesbetreuung bei Familea. Für Möhlin und Rheinfelden aber gelte:

«Sind die Mitarbeiter im Homeoffice, wird zwar die Betreuung weiterhin in Anspruch genommen, aber mitunter dann nur noch vier statt fünf Tage.»

Auch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit liessen die Nachfrage nach Betreuung sinken. «Aber die, welche unser Angebot weiterhin nutzen, sind sehr froh darüber und tragen ihren Teil dazu bei, dass unsere Einrichtungen offenbleiben können», so Reichenbach.

Sogar Interesse von deutschen Eltern

Offengeblieben, obwohl die Probleme im ersten Lockdown 2020 massiv waren, ist auch die Kita Bahnhof Laufenburg. Laut Bernd Siemoneit, dem Präsidenten des Trägervereins, könnte sie jetzt mehr Kinder aufnehmen als Betreuungspersonal zur Verfügung steht. Sogar Anfragen aus Deutschland, wo Kitas und Kindergärten coronabedingt geschlossen sind, gingen momentan ein. Siemoneit sagt:

«Aber wenn die dann unsere Schweizer Preise sehen, kommt eine Anmeldung für sie meist nicht mehr in Frage.»

Wobei es in den meisten Kitas auch so schon genügend Kinder gibt – gerade in den Sportferien, in denen so manche Kindergartengruppe in der Kita mitbetreut wird. Die Villa Kunterbunt in Gipf-Oberfrick bot in den Vorjahren auch Ferienbetreuung für externe Kinder an. Das muss laut Hagenbuch 2021 aber ausfallen.

Maskenpflicht und Singverbot belasten die Einrichtungen

Betreuung von Kleinkindern in Kitas – zu Zeiten der Pandemie heisst das: Maskenpflicht, Abstände, Singverbot, kein gemeinsames Essen von Kindern und Betreuern und Auflagen beim Bringen und Holen der Kinder. «Die Maskenpflicht stellt für kleine Kinder eine Herausforderung dar, vor allem für Säuglinge», sagt Dänzer. Kitas hätten gerade im Moment eine systemrelevante Funktion. Sie haben für Dänzer aber oft nicht die Anerkennung, die sie verdienten.