Kaisten

Kleiderbörsen kämpfen ums Überleben – doch es geht um mehr

Doris Dörig betreibt die Kinderkleiderbörse «Schnapp mi» in Kaisten und näht aus alten Jeans Handtaschen, die sie in ihrem Laden verkauft.

Doris Dörig betreibt die Kinderkleiderbörse «Schnapp mi» in Kaisten und näht aus alten Jeans Handtaschen, die sie in ihrem Laden verkauft.

Der Gewinn mit dem Handel von gebrauchter Kleidung ist gering, doch für die Händler spielt die Ethik eine wichtige Rolle. So geht es auch Doris Dörig, die das «Schnapp mi» in Kaisten führt.

Die Hose zu kurz, das T-Shirt zu eng. Bei Kindern kann es schlagartig gehen, bis die neu gekaufte Kleidung nicht mehr passt. Gerade, wenn diese noch gut erhalten ist, stellt sich für viele Eltern die Frage, wohin damit?

Eine Möglichkeit sind Kinderkleiderbörsen, welche die nicht mehr passende Kleidung entgegennehmen und für einen kleinen Betrag weiterverkaufen. Doch lohnt sich dieses Geschäft in Zeiten des Online-Handels und der Discounter-Angebote überhaupt noch? Die AZ hat bei drei der gesamthaft sechs ständigen Kinderkleiderbörsen im Fricktal nachgefragt.

Doris Dörig, die kürzlich von ihrer Tochter das «Schnapp mi» in Kaisten übernommen hat, kann nicht verhehlen, dass der Handel mit den gebrauchten Textilien hartes Brot ist: «Meine Einnahmen sind bescheiden. Ein richtiger Verdienst ist das nicht», sagt Döring, die in der Woche zwischen 20 und 40 Kunden hat.

Ein Grund für den bescheidenen Umsatz ist die Grenznähe, die ihren eigentlichen Preisvorteil zunichte macht. «Viele fahren schnell über den Zoll nach Laufenburg und kaufen im Aldi oder Lidl neue Sachen, die genau so günstig sind wie bei mir», erklärt Dörig.

Dies habe auch mit dem Gefühl der Scham zu tun, dass einige Eltern beschleicht, wenn sie für ihre Kinder etwas kaufen, was von einem anderen Kind bereits getragen wurde.

Leute werden sofort ausbezahlt

Etwa die Hälfte der bei ihr abgegebenen Kleidung setzt Dörig wieder ab: «Die Leute, die mir die Kleidung vorbeibringen, werden für diese sofort bezahlt. Zum einen erhalten sie Geld, zum anderen Gutscheine für die Produkte bei mir im Laden.»

Zusätzlich hat sie begonnen, aus Bio-Textilien untern anderem temperaturregulierende und wasserabweisende Kleidungsstücke auf Anfrage zu nähen. «Dies spricht sich immer mehr herum. Mittlerweile mache ich damit den gleichen Umsatz, wie mit dem Verkauf der gebrauchten Kleidung», so Döring.

Schon 22 Jahre betreibt Beatrice Fischer die Kinderkleider-Börse in Frick. Mit dem Aufkommen des Internets sind «die Zeiten schwieriger geworden, weil es viele Plattformen gibt, auf denen Kinderkleidung günstig gehandelt wird».

Auch deshalb müssen Fischer und ihr achtköpfiges Verkaufsteam auf jeden Franken achten. «Dies fängt damit an, dass wir keine Preisetiketten kaufen, sondern diese selbst herstellen.» Weil auch die Miete und Lohnkosten bezahlt werden müssen, habe man kürzlich die Kommissionszahlung, die ein Kunde für sein verkauftes Produkt erhält, von 60 auf 50 Prozent gekürzt.

In einer Branche, in der ihr Verdienst nicht an den Mindestlohn heranreicht, ist es die «Ethik des ökologischen Fussabdrucks», die Fischer seit über zwei Jahrzehnten motiviert, «den Kampf gegen die Wegwerfgesellschaft» fortzuführen.

«Natürlich kaufen bei uns auch Menschen ein, die nicht so gut betucht sind», sagt Fischer. Der grösste gemeinsame Nenner der Kundschaft sei jedoch das ökologische Bewusstsein.

Seit drei Jahren betreibt Sandra Scandinaro in Magden die Kinderkleider-Börse Lollipop. Ähnlich wie ihre Kolleginnen sagt auch sie, dass mehr als ein Sackgeld beim Geschäft mit den gebrauchten Kleidern nicht herausspringt.

«Ich bin auf ein Gehalt nicht angewiesen. Mir ist es wichtig, zu verhindern, dass noch gute Kleidung im Abfall landet», begründet sie ihre Motivation. Ihre Kunden kommen nicht nur aus Magden, sondern auch aus dem Baselbiet, aus Deutschland und aus Frankreich.

Zugenommen habe in den letzten Monaten die Menge an Kleidung, die bei ihr vorbeigebracht wird, jedoch nicht diejenige, die sie verkauft. «Kleidung, die nicht verkauft wird, aber noch in Ordnung ist, wird an die Berghilfe gespendet», so Scandinaro.

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