Laufenburg
Den Sorgen zum Trotz: Stromproduktion der Rheinkraftwerke lief nach Plan

Trotz der stark schwankenden Abflussmenge des Rheins im letzten Jahr zieht die Energiedienst Holding AG eine positive Bilanz. An den Rechen landen nicht nur Holz, sondern auch volle Bierkisten und Müllsäcke.

Dennis Kalt
Drucken
Das Wasserkraftwerk in Laufenburg produzierte im Jahr 2020 rund 700 Millionen Kilowattstunden Strom.

Das Wasserkraftwerk in Laufenburg produzierte im Jahr 2020 rund 700 Millionen Kilowattstunden Strom.

Bild: Zvg

Die Natur sorgte 2020 bei der Energiedienst Holding AG mit Sitz in Laufenburg für gemischte Gefühle. Ist der Stromkonzern mit seinen grossen Rheinkraftwerken in Rheinfelden, Laufenburg und Ryburg-Schwörstadt doch auf die richtige Abflussmenge an Wasser angewiesen, damit die Turbinen auf Touren kommen und ordentlich Strom produzieren.

Negativ ins Gewicht fielen die Monate Januar und Mai. Hier beträgt der Mittelwert der Abflussmenge der letzten zehn Jahre für beide Monate knapp 1000 Kubikmeter pro Sekunde (m³/s). 2020 wies der Rhein in diesen Monaten zeitweise einen Niedrig-Pegel mit einem Abfluss von nur knapp über 500 m³/s auf, der die Stromproduktion ausbremste. Die abflussreichen Monate Februar, März und Oktober machten jedoch die Minderproduktion wieder wett.

Sabine Trapp-Brüstle, Sprecherin der Energiedienst Holding AG, sagt denn auch:

«Das Jahr 2020 war ein zufriedenstellendes Jahr mit plangemässer Produktion.»

Dementsprechend habe das Kraftwerk Laufenburg 2020 etwa 700 Millionen, jenes in Rheinfelden etwa 600 Millionen Kilowattstunden (kW/h) an Strom erzeugt. Zusammen mit dem Kraftwerken Ryburg-Schwörstadt (705 Millionen kW/h) und Whylen (255 Millionen kW/h) würde diese Produktion ausreichen, um den Strombedarf des Kantons Basel-Stadt für ein halbes Jahr zu decken.

Derzeit muss Wasser abgelassen werden

Klagen über zu wenig Wasser kann der Stromproduzent derzeit nicht. Im Gegenteil: Schnee, Starkregen und Tauwetter führten ab dem 28. Januar zu einem explosionsartigen Anstieg der Abflussmenge auf in der Spitze über 3000 m³/s. Doch ein höherer Abfluss geht nicht gleich mit einer höheren Stromproduktion einher, wie Trapp-Brüstle erklärt: «Alle Kraftwerke haben eine bestimmte Ausbauwassermenge. Das ist die Wassermenge, die das Kraftwerk auch nutzen kann. Je näher der Wert sich der Ausbauwassermenge nähert, desto optimaler wird Strom erzeugt.»

Bei den grossen Kraftwerken in Laufenburg und Rheinfelden liegt diese bei rund 1500 m³/s. Weil der Oberwasserspiegel auf einen Zentimeter genau eingehalten werden muss, wird ab einer Abflussmenge von 1500 m³/s das überschüssige Wasser über das Stauwehr abgeführt. Trapp-Brüstle sagt:

«Dadurch steigt der Wasserspiegel im Unterwasser an und das Gefälle zwischen dem Ober- und Unterwasserspiegel nimmt ab – und somit auch die Stromerzeugung.»

Infolge des anschwellenden Rheins fielen über das Wochenende vom 29. bis 31. Januar in den Kraftwerken Laufenburg, Rheinfelden, Ryburg-Schwörstadt und Wyhlen insgesamt 129 Container – rund 1000 Tonnen – Geschwemmsel an. «Bei Hochwasser wird das Geschwemmsel in der Regel permanent über 24 Stunden im Schichtbetrieb gereinigt, um zu verhindern, dass sich zu viel Material vor dem Rechen ansammelt», sagt Trapp-Brüstle. Denn so könne ein zu hohes Rechengefälle die Produktion mindern und den Rechen beschädigen. Das Festholz, das aus den Rechen gefischt werde, wird mitunter zwischengelagert und zu Hackschnitzeln verarbeitet.

Doch nicht nur Holz ziehen die Mitarbeiter an Land. Trapp-Brüstle sagt:

«Im Sommer landen immer mal wieder gefüllte Bierkästen am Rechen, die wohl zur Kühlung am Ufer abgelegt und nicht genügend befestigt wurden.»

Auch landeten im letzten Sommer regelmässig viele Müllsäcke im Rechen des Kraftwerks Laufenburg, sagt Trapp-Brüstle. Doch nachdem man dies zur Anzeige brachte, hörte die Verschmutzung irgendwann auf.

Aktuelle Nachrichten