Rheinfelden

«Leben nach dem Tod in Rwanda» — Film zeigt, dass Versöhnung möglich ist

Eine besondere Umarmung: Severin hat Josephines Familie ausgelöscht. Nun sind sie versöhnt.

Eine besondere Umarmung: Severin hat Josephines Familie ausgelöscht. Nun sind sie versöhnt.

Leszek Ruszkowski ist reformierter Pfarrer in Rheinfelden und Filmemacher – am Samstag zeigt Fricks Monti seinen Film über Ruanda.

Angefangen hat die Faszination für Filme und Filmen bereits im Teenager-Alter. «Damals war ich mit der Super-8-Kamera meines Vaters unterwegs», sagt Leszek Ruszkowski. Heute teilt er sich zusammen mit seiner Frau eine Pfarrstelle in der reformierten Kirche Region Rheinfelden – doch in seiner Freizeit lässt ihn die Faszination fürs Filmen weiterhin nicht los.

Lange Zeit war es ein Hobby, dem er im Privaten frönte. «Doch mit der Zeit habe ich realisiert, wie viel heute, gerade auch in den sozialen Medien, über das Medium Film transportiert wird.»

Faszination für Film und für Afrika

Diese Erkenntnis, verbunden mit der Tatsache, dass die Kirche das Potenzial des Films noch wenig nutzt, liess Ruszkowski aktiv werden. Unter anderem produzierte er Werbe-Clips für Gottesdienste in Rheinfelden. 2016 verband er dann sein Interesse für das Leben und die Kirche in Afrika mit seinem filmischen Schaffen. Es entstand die Filmreportage «Exemple Sénégal – Wie Christen und Moslems zusammenleben».

Nun präsentiert Leszek Ruszkowski den Dokumentarfilm «Leben nach dem Tod in Rwanda.» Es geht dabei um den Genozid im kleinen ostafrikanischen Land im Jahr 1994, um die kirchliche Verantwortung für die Geschehnisse und darum, wie Versöhnung 25 Jahre später möglich ist.

Eine besondere Rolle im rund 80-minütigen Film kommt einem ruandischen Facharzt in Gynäkologie und Geburtshilfe zu, der 1994 in Stans die Spezialisation abschloss und mittlerweile in Ghana tätig ist. Der Arzt ist überzeugter Christ und wurde in den Monaten nach dem Genozid zu einem Geburtshelfer der Versöhnung. «Ich habe ihn in Ghana besucht und er und seine Weggefährten aus Deutschland haben mir auch Kontakte zu Personen in Ruanda vermittelt», so Ruszkowski.

Antrag auf Dreherlaubnis blieb unbeantwortet

So traf Ruszkowski letztes Jahr Zeitzeugen, Angehörige von Hutus und Tutsis, Angehörige von Opfern, Täter, Wissenschaftler und Friedensstifter zu Gesprächen. Er besuchte Dorfgemeinschaften, in denen Angehörige von Opfern und Täter, die deren Familien ausgelöscht haben, zusammenleben. «Die Bewohner werden gecoacht, es ist eine Art Laborsituation», sagt Ruszkowski.

Es sei aber nicht unwahrscheinlich, dass es auch im echten Leben zu solchen Situationen komme oder kommen werde. «Viele der Mittäter haben ihre Gefängnisstrafe mittlerweile verbüsst», erklärt er. Und danach bliebe ihnen als einzige Lösung die Rückkehr in ihr Heimatdorf, wo sie durchaus auf die Familien ihrer Opfer treffen könnten.

Die Dreharbeiten für den Film waren nicht ganz ungefährlich, wie Ruszkowski zugibt. Einen Antrag auf eine offizielle Dreherlaubnis hatte er zwar gestellt, doch sie blieb unbeantwortet. Also drehte er meist alleine mit einer kleinen Kamera oder dem Handy und nur bei offiziell vereinbarten Interviewtermin mit der umfangreichen Ausrüstung. «Die Bildqualität ist deswegen nicht immer ganz erstklassig», so Ruszkowski. «Dafür konnte ich Gespräche mit Menschen führen, die bei professionellen Filmteams vielleicht abgesagt hätten.»

Seine Filmaufnahmen habe er stets doppelt gesichert und teilweise auch versteckt, bis er Ruanda wieder verlassen habe. Zurück in der Schweiz hat er nun seinen Dokumentarfilm selber fertiggestellt. Am kommenden Samstag, 16. November, um 11 Uhr flimmert er in Fricks Monti über die Kinoleinwand.

«Bei grossem Interesse gibt es allenfalls noch weitere Vorstellungen», so Ruszkowski, der sich allerdings auch bewusst ist, dass es sich bei seinem Film um ein «Nischenprodukt» handelt. Dennoch gebe es gar Interessenten für eine TV-Produktion. Allerdings fehlte bislang das nötige Geld. «Ob der Film also je im Fernsehen gezeigt wird, steht aktuell noch in den Sternen.»

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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