Möhlin
Lehrer verteilen Flugblatt: «Wir machen uns Sorgen!»

Neun Wechsel auf den Positionen des Gesamtschulleiters oder der Schulhausleiter gab es an der Schule Möhlin in den vergangenen Jahren. Für die Lehrerschaft zu viele und wendet sich mit einem Flugblatt an die Öffentlichkeit. Die Schulpflege fordert Geduld.

Marc Fischer
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Symbolisch: Über dem Steinli-Schulhaus in Möhlin hängen graue Wolken

Symbolisch: Über dem Steinli-Schulhaus in Möhlin hängen graue Wolken

twe/Archiv

«Wir machen uns Sorgen!» Diesen Titel trägt ein Flugblatt, das gestern an die Haushaltungen in Möhlin verteilt wurde. Der Absender: die Lehrerschaft.

«Grossmehrheitlich» stünden die Lehrpersonen hinter dem Schreiben, war in verschiedenen Lehrerzimmern zu erfahren. Entstanden sei das Flugblatt über mehrere Wochen in Zusammenarbeit von allen Stufen inklusive Kindergarten und allen Standorten, jedoch ohne die Schulleitungen zu informieren.

Es sei ein «Zeichen der Gemeinschaft», gab eine Lehrperson zu Protokoll. Man wolle mit dem Schritt an die Öffentlichkeit «sein Befinden zeigen», eine andere. Namentlich genannt werden will jedoch niemand, «um nicht in Loyalitätskonflikte zu geraten».

Lehrer: «Reputationsschaden»

Im Text nimmt die Lehrerschaft Stellung zur Situation an der Schule Möhlin. Neun Wechsel auf den Positionen des Gesamtschulleiters oder der Schulhausleiter gab es in den vergangenen Jahren. Zuletzt wurde vor gut einem Monat bekannt, dass der Standortleiter des Steinli-Schulhauses die Schule verlässt. Fast gleichzeitig gab die Gemeinde bekannt, dass die langjährige Leiterin und eine weitere Mitarbeiterin der Schulverwaltung die Kündigung erhalten haben.

Zu den vielen Wechseln heisst es im Flugblatt: «Zurück blieb in der Regel ein Scherbenhaufen.» Zur Kündigung für die langjährige Leiterin der Schulverwaltung: «Der Ausfall wird eine nicht so schnell zu schliessende Lücke hinterlassen, zumal die Schulverwaltung in den letzten Jahren Gewähr für Konstanz, Effizienz und Kompetenz war.» Weiter spricht die Lehrerschaft von einem Know-how-Verlust und einem «Reputationsschaden weit über die Gemeindegrenzen hinaus».

Zwei bis vier Jahre brauche es, bis das Möhliner Schulschiff wieder in ruhigem Fahrwasser fahren könne, sagte der Personalverantwortliche der Schulpflege, Martin Frana, Anfang März gegenüber der az. «Ob das stimmt, sei dahingestellt», heisst es auf dem Flugblatt der Lehrerschaft. Und weiter: «Zumindest deuten die letzten Personalentscheide – und vor allem die Art und Weise, wie diese zustande gekommen sind – in eine andere Richtung; in eine Richtung, mit der wir Lehrpersonen nicht einverstanden sind.»
Trotz aller Probleme schliesst die Lehrerschaft ihr Flugblatt mit dem Versprechen an die Bevölkerung, sich «weiterhin voll und ganz für die Schule und das Unterrichten zu engagieren».

Schulpflege fordert Zeit und Ruhe

Die Schulpflege ihrerseits hat rasch auf das Flugblatt der Lehrerschaft reagiert. Schon gestern Nachmittag war auf der Schulwebsite eine Stellungnahme online. Darin heisst es, die Umbruchphase habe Risse im Fundament hinterlassen. Und: «Wir alle – die Lehrpersonen, alle Schulleitungs- und Schulpflegemitglieder und die Mitarbeitenden der Schulverwaltung – brauchen nun ein neues starkes Fundament. Gemeinsam werden wir dieses nun aufbauen.» Für diesen Aufbau, der «Zeit und Ruhe» benötige, will die Schulpflege den eingeschlagenen Weg zusammen mit einem externen Berater und dem kantonalen Schulinspektorat weitergehen.

Stephan Müller, Schulpflegepräsident Möhlin «Ziel ist es, dass sich der Berater unvoreingenommen ein vertieftes Bild machen kann.»

Stephan Müller, Schulpflegepräsident Möhlin «Ziel ist es, dass sich der Berater unvoreingenommen ein vertieftes Bild machen kann.»

Aargauer Zeitung

Schulpflegepräsident Stephan Müller sagte auf Anfrage der az, der Gang an die Öffentlichkeit mit dem Flugblatt sei «eine neue Dimension in den Schulturbulenzen». Er äusserte aber auch Verständnis für die Sorgen der Lehrerschaft. «Insbesondere kann ich verstehen, dass die Lehrer den Zeithorizont von zwei bis vier Jahren als lang empfinden», so Müller. Aber: «Es gibt keine kurzfristigen Massnahmen, die den Prozess abkürzen könnten.»

Bereits in den letzten beiden Wochen habe der externe Berater Gespräche geführt. Diese würden in nächster Zeit weitergeführt, bis alle involvierten Parteien zu Wort gekommen sind. «Ziel ist es, dass sich der Berater unvoreingenommen ein vertieftes Bild machen kann», so Müller, «so können wir sorgfältig die nächsten Schritte planen.»

Einer dieser Schritte ist die Ernennung eines neuen Standortleiters für das Steinli-Schulhaus sein. «Es sind zahlreiche interessante Dossiers eingegangen», so Müller, bald gebe es die ersten Vorstellungsgespräche. Für den Posten des Gesamtschulleiters erfolge in Kürze die Stellenausschreibung.

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