Fricktal

Liebe Autofahrer, fahrt bitte langsam – der Igel dankts

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Für den Igel hat die Paarungszeit begonnen. Viele Igel rasten auf der warmen Strasse, weil sie wegen schlechtem Winterschlaf und noch fehlender Nahrung geschwächt sind. Autofahrer sind deswegen zur Vorsicht aufgerufen.

Wenn im April die Igelmännchen zur Paarung aufbrechen, heisst es für Autofahrer: Augen auf nach stachligen Rücken. Denn für die Suche nach einem paarungswilligen Weibchen schreckt das Igelmännchen vor der Überquerung frequentierter Strassen nicht zurück. «Der Igel ist vor allem abends von 20 bis 0.30 und morgens von 5.30 bis 7.30 Uhr unterwegs», weiss Anneliese Girlich von der Igelstation Laufenburg/Rheinfelden. Um die Autofahrer für die stachligen Insektenfresser zu sensibilisieren, verteilt der Verein Pro Igel kostenlos Strassenplakate an die Gemeinden, die dazu mahnen, vorsichtiger unterwegs zu sein.

Problem: warme Strasse

«Weil der Winterschlaf durch die warmen Temperaturen gestört war und die Nahrungsquellen noch nicht recht ergiebig sind, gibt es derzeit überdurchschnittlich viele schwache Igel», erklärt Girlich. Dabei ist ein grosses Problem, dass einige der Igel beim Überqueren der Strasse auf dieser eine Rast einlegen und somit das Risiko des Überfahrens stark ansteigt. Der Grund: Igel mögen den warmen Strassenbelag, der sich an sonnigen Frühlingstagen schnell aufheizt.

Und was sollte man tun, wenn man einen Igel auf der Strasse sieht? «Wenn sich der Igel bewegt, dann trägt man ihn am besten über die Strasse», empfiehlt Girlich und schiebt nach, dass man ihn jedoch nicht weiter als 100 Meter wegtragen sollte. Der Grund: Igel sind ortstreu. Sie leben mehr oder weniger ihr ganzes Leben lang im gleichen Gebiet und haben dort hervorragende Kenntnisse über Futterplätze und Versteckmöglichkeiten. «Das Streifgebiet des Igels ist bis zu 500 Quadratmeter gross», weiss Girlich.

Bewegt sich der Igel nicht mehr oder liegt er auf der Seite ohne erkennbare Verletzung, dann empfiehlt Girlich den Igel in den Kofferraum zu legen, zu Hause an einem warmen Ort aufzubewahren und schnellstmöglich die nächstliegende Igelstation zu informieren (für die Bezirke Rheinfelden und Laufenburg: Anneliese Girlich, 079 652 90 42). «Am besten wird der Igel in einer Kiste, die mit Zeitungspapier ausgekleidet ist, untergebracht. Um den Igel wieder aufzupäppeln, empfiehlt die Expertin Wasser, Katzenfutter oder Rührei, aber keinesfalls Milch. Denn diese ist für ihn tödlich. Dabei betont Girlich: «Kein Igel darf zu lange von Personen zu Hause gepflegt werden.» Ist der Igel verletzt, sollte der nächstliegende Tierarzt sofort kontaktiert werden.

Fehlende Zuständigkeit

Ein grosses Problem sieht Girlich in der mangelnden Zuständigkeit: «Ich habe es schon ein paar Mal erlebt, dass die Kantonspolizei Aargau von Passanten gebeten wurde, einen verletzten Igel zum Tierarzt zu bringen und diese dann meinte, dass dies nicht ihre Aufgabe sei», erzählt Girlich.

So bräuchte es ihrer Meinung nach unbedingt eine staatliche Institution, die regelt, wen man anrufen muss, um den verletzten Igel zum Tierarzt bringen zu lassen. Um diese Gesetzeslücke anzugehen, will sich Girlich in der nächsten Woche mit der Kantonstierärztin, dem Amt für Umwelt und dem Veterinärdienst verständigen.

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