Frick
Liebeserklärung im Tangorhythmus

Mit Tangho celebri,einem kleinen musikalischen Paukenschlag, eröffnete der Kornhauskeller Frick seinen bunten Reigen der Veranstaltungen für 2013.

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Das Ensemble Tangho celebri begeisterte im Fricker Kornhauskeller. ari

Das Ensemble Tangho celebri begeisterte im Fricker Kornhauskeller. ari

Der Samstagabend gehörte ganz dem Tango mit seiner enormen Vielfalt, brillant dargeboten von Karel Boeschoten (Geige), Fulvia Mancini (Violoncello), Kristóf Zámbo (Kontrabass), Jürg Luchsinger (Akkordeon) und Benjamin Engeli (Klavier).

Sie begeisterten mit solchen Klassikern wie «Jalousie», aber auch Unbekanntem zum Beispiel von Igor Strawinsky, alle Werke überwiegend entstanden in den letzten beiden Jahrhunderten.

Sie gaben den Kompositionen tiefe Innigkeit, berührende Ausdruckskraft, fordernde Leidenschaft, Melancholie, knisternde Erotik, überschäumende Gefühle, Trauer und Schmerz, sie erzählten von gescheiterter Liebe, bedrückender Einsamkeit, malten ein knisternd elektrisierendes Bild vom Spiel zwischen Mann und Frau.

International am bekanntesten ist natürlich der Argentinier Astor Piazolla, der für den Tango Nuevo steht, einer Verknüpfung mit eher modernen Musikstilen wie Jazz, Pop oder argentinischer Folklore.

An diesen Abend waren sein «Vardarito», solistisch auf dem Akkordeon das «La casita de mis viejos» (das Häuschen meiner Eltern) sowie sein Abschiedsgruss an Paris nach dem Studium zu hören. Obsessiv die Rhythmen, abgehackt die Staccati, wehmütig die Soli, seufzend die Wendungen aber auch harmonisch muntere Taktfolgen.

Claude Debussy liess sich von einer Postkarte eines maurischen Tors in Granada anregen, setzte seine Vision davon dann um in ausgesprochen markante Akkorde.

Die Band verzauberte mit Tango-Evergreens, einer sehr speziellen Komposition von Igor Strawinsky oder einem herrlichen Tangovorläufer von Ernesto Nazareth, bei dem viele unterschiedliche Stile verknüpft wurden zu melodischen Notenfolgen. Herrlich romantische Tangoserenaden regten zum Schwelgen an, «Der Stern von Rio» (Willy Engel-Berger) erstrahlte, ein holländisches Stück gefiel bestens.

Highlight «El Choclo»

Höhepunkte waren natürlich «El Choclo» vom waschechten Kreolen und Einwanderer Àngel Gregorio Villodo sowie «Jalousie» vom Vater des Tango, Jacob Gade.

El choclo ist eigentlich ein ziemlich harter Kerl mit hellgelben Haaren, die dem Stück – Maiskolben – auch den Namen gaben. 1903 uraufgeführt, wurde es zu einem weltweiten Hit.

Übermütig und kraftvoll danach «Jalousie», einen Tango, den Gade als Begleitung zu einem Stummfilm 1925 schrieb. Noch heute wird dieser internationale Erfolgstango ohne jegliche Verschleisserscheinungen aufgeführt.

Bekannt ist der Schweizer Grock vor allem als Zirkusclown mit überdimensionalen Schuhen, Schlabberhosen und dem naiven «Nit mööööglich!».

Weniger bekannt ist, dass er auch sehr virtuos viele Instrumente spielte und komponierte. So stammt aus seiner Feder eine fröhlich zärtliche Liebeserklärung im Tangorhythmus. (ari)

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