Kaiseraugst

Mehr bezahlen fürs Parkieren: VCS wehrt sich gegen die Erpressungs-Vorwürfe

Parkieren im Parkhaus beim Einkaufszentrum in der Wohnüberbauung Liebrüti in Kaiseraugst soll teurer werden.

Parkieren im Parkhaus beim Einkaufszentrum in der Wohnüberbauung Liebrüti in Kaiseraugst soll teurer werden.

Verkehrs-Club-Geschäftsführer Fabio Gassmann erklärt, warum der Verband höhere Parkkosten in der Liebrüti in Kaiseraugst fordert – und kündet ähnliche Massnahmen auch andernorts an.

Künftig soll das Parkieren im Zentrum Liebrüti in Kaiseraugst ab der ersten Minute etwas kosten. Das schlägt im Dorf hohe Wellen (die AZ berichtete). Der Gemeinderat fühle sich erpresst, sagte Gemeindepräsidentin Sibylle Lüthi schon vergangene Woche zur AZ. Denn: Grund für die Änderung am Sondernutzungsplan für das Gebiet ist eine Einwendung der Sektion Aargau des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS). Dieser forderte die Parkplatzbewirtschaftung; die Gemeinde stimmte zu, mit Blick auf einen allfälligen Rechtsstreit: «Dieser hätte das Bauprojekt Domus womöglich um weitere Jahre verzögert», so Lüthi.

Nun nimmt erstmals der VCS Aargau Stellung – und weist die Vorwürfe einer Erpressung von sich: «Wir haben eine Einwendung eingereicht mit einem legitimen Anliegen», sagt Geschäftsführer Fabio Gassmann. Danach sei «in intensiven, aber fairen Verhandlungen» mit den involvierten Parteien ein Kompromiss gefunden worden. «Dies als Erpressung zu taxieren, ist schlicht falsch», so Gassmann.

Keine Diskussionsbereitschaft?

Sibylle Lüthi war am Donnerstag nicht erreichbar. Stattdessen nimmt Vizepräsidentin Françoise Moser Stellung. Die Gemeinde anerkenne, dass es wohl keinen Weg an der Parkplatzbewirtschaftung vorbei gebe, hätte sich aber «gemässigtere Schritte» gewünscht, sagt sie und bemängelt die «fehlende Diskussionsbereitschaft in einzelnen Punkten».

In der Begründung für seine Einwendung verweist der VCS auf das Umweltschutzgesetz. «Die Parkraumbewirtschaftung ist eine der Massnahmen, die darin für Einkaufszentren vorgesehen ist», sagt Gassmann. Weitere Massnahmen wären etwa die Verbesserung der Fuss- und Velowege sowie die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. «Dieses Massnahmenbündel soll dazu führen, dass weniger Autofahrten und somit weniger Emissionen und Lärm entstehen», erklärt Gassmann.

Identische Regelung beim Coop

Die Gewerbler und der Grossverteiler Migros befürchten allerdings, dass die Kunden nach der Einführung der neuen Gebühren abwandern. «Bis zu einem gewissen Grad habe ich Verständnis für die Kritik der Gewerbler», sagt Gassmann. Die «sauberste Lösung» sähe er deshalb in einer «überregionalen Harmonisierung» in dieser Angelegenheit: «Dann wären die Voraussetzungen überall gleich.» Ausserdem gibt er zu bedenken, dass ein Ausweichen nicht immer Sinn macht. «Bei einem Kilometerpreis von 70 Rappen – der vom Touring Club Schweiz (TCS) so eruiert wurde – können die Kunden nicht allzu weit fahren, damit es sich noch lohnt.»

Und: Beim Coop-Megastore in unmittelbarer Nähe des Liebrüti-Zentrums «soll eine identische Regelung eingeführt werden», sagt Gassmann. Der VCS hatte auch hier eine Einwendung gemacht. Der Fall liegt derzeit beim Verwaltungsgericht.

Der VCS erachtet es als «wünschenswert», dass das neue Parkregime an beiden Orten gleichzeitig eingeführt wird. «Die Situation, dass in der Liebrüti bereits das neue Parkregime gilt, während beim Coop-Megastore die Parkplätze noch immer gratis sind, sollte es nicht geben», sagt Gassmann. Immerhin in diesem Punkt sind sich Verband und Gemeinde einig. «Im Sinne der Gleichberechtigung wäre das ein Ziel», sagt Moser. Angesichts des Rechtsverfahrens und des derzeit nicht absehbaren Bauverlaufs beim Domus will sie nichts versprechen, aber: «Früher oder später trifft es alle.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1