Vor knapp vier Jahren hat Alt Wirtin Josy Gürtler das kleine und urchige – aber genau deswegen so beliebte – Lokal «Probstei» in der Laufenburger Altstadt verlassen. 

«Ich fühle mich etwas ausgebrannt», sagte sie damals gegenüber der AZ. 15 Jahre Wirtetätigkeit in der «Probstei» hatten ihre Spuren hinterlassen. Besonders nach dem Tod ihres Mannes 2002 habe sie sich in die Arbeit gestürzt und so versucht, mit der Trauer fertig zu werden, sagt Gürtler. Sie war gerne für ihre Gäste da, war Wirtin mit Leib und Seele. Das Leben aber, ihr Leben, kam in dieser Zeit zu kurz. «Das habe ich schon damals gemerkt», sagt sie heute. «Aber ich hatte immer das Gefühl, dass ich noch weiter machen muss.» Bis eben im Frühjahr 2015, als sie sich dazu entschloss, die «Probstei» zu verlassen. 

Schöne Erinnerungen 

Der Entscheid fiel ihr damals nicht leicht und auch heute fehlt ihr die «Probstei» manchmal noch – allem voran die Stammgäste von damals. «Das waren persönliche Kontakte, die ich immer sehr geschätzt habe und die ich heute manchmal sogar sehr vermisse», sagt Josy Gürtler. Aber: «Ich geniesse auch mein neues Leben.» Gürtler, inzwischen im Pensionsalter, kümmert sich um die Umgebung ihres Hauses in Rheinsulz. Sie fährt viel Velo, besucht ab und zu die Sauna. Und sie reist gerne. Zuletzt etwa war sie für einige Tage in den Bergen, zuvor in London. Noch dieses Jahr möchte sie auf eine der Friesischen Inseln in der Nordsee, nach Sylt. Von ausgebrannt ist bei Josy Gürtler inzwischen nichts mehr zu spüren. «Ich habe mich gut erholt», sagt sie und lacht.

An die Zeit in der «Probstei» denkt Josy Gürtler gerne zurück, viele lustige oder schöne Erinnerungen sind geblieben. Sie verfolgt ausserdem noch immer genau, was mit «ihrem» Lokal passiert. «Dass es in den letzten Jahren so schwierig war, hat mir sehr weh getan», sagt Gürtler.

Mit Herzblut bei der Arbeit 

Nach ihrem Abschied übernahm eine neue Wirtin das Beizli, drei Jahre später musste sie aber wieder gehen – die Gäste waren ausgeblieben. Seit dem letzten Sommer stand das Lokal mehrere Monate leer, erst seit einigen Tagen hat es nun wieder offen (siehe Box) – sehr zur Freude von Josy Gürtler. 

«Ich möchte die neuen Pächter bald besuchen und kennenlernen», sagt sie, betont aber gleichzeitig, dass sie sich in deren Geschäfte nicht einmischen wolle. «Sie sollen ihren eigenen Weg finden. Ich bin überzeugt, dass sie das auch schaffen», so Gürtler. Sollte es aber gewünscht sein, so gäbe sie gerne einige Tipps. 

Gürtler weiss, dass das Leben als Wirtin in der Laufenburger Altstadt kein einfaches ist, mehr ein Überleben. Es seien nicht nur die günstigeren Preise auf deutscher Seite. «Die Betriebe dort machen es einfach gut», sagt Gürtler. Genau da liege aber auch die Chance für Wirte auf Schweizer Seite. «Wer ein gutes Konzept hat und mit Herzblut arbeitet, kann auch hier Erfolg haben», sagt sie und fügt an: «Das wünsche ich den neuen Pächtern von Herzen.»