Möhlin
Lehrertheater bringt «Dreigroschenoper» auf die Bühne: «Es muss nicht perfekt sein, aber verheben»

20 Jahre witzelte Regisseur Dieter Schlachter darüber, das komplexe Stück aufzuführen. Am 21. August ist es nun so weit. Bei den Zuschauern braucht es Fantasie: Das Bühnenbild besteht aus einem nackten Baugerüst, das Mobiliar aus Wellpappe.

Peter Schütz
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Eine Szene aus der Probe des Lehrertheaters Möhlin mit Benjamin Zingg, Luisa Freiermuth und Daria Würz (rechts).

Eine Szene aus der Probe des Lehrertheaters Möhlin mit Benjamin Zingg, Luisa Freiermuth und Daria Würz (rechts).

Peter Schütz / Aargauer Zeitung

Das Lehrertheater Möhlin führt ab dem 21. August «Die Dreigroschenoper» von Bertold Brecht und Kurt Weill auf. Der Vorverkauf läuft, die Proben sind voll im Gang. Geplant sind 13 Aufführungen im «Bata Club Haus» in Möhlin. Die Veranstalter halten sich strikt an die Coronavorgaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Das heisst für das Publikum: «Man muss zertifiziert sein», erklärt Regisseur Dieter Schlachter an einer Medieninformation am Donnerstag, «genesen, geimpft oder getestet.» Deshalb ist eine Eingangskontrolle vorgesehen.

Dass es überhaupt eine Aufführung gibt, steht noch nicht lange fest. «Wir haben erst am Dienstag, 29. Juni, entschieden, dass wir aufführen», berichtet Schlachter. Seither hat das 13-köpfige Ensemble Vollgas gegeben. Proben gab es zwar schon davor, Gesangsproben sogar vergangenen Dezember, jedoch immer mit der Ungewissheit, Corona könnte dem Vorhaben wieder einen Strich durch die Rechnung machen. So wie letztes Jahr, als es zum ersten Mal seit Bestehen des Lehrertheaters 1958 keine Aufführung gab. Schlachter sagt:

«Vor einem Jahr haben wir abgemacht, ‹Die Dreigroschenoper› auf die Bühne zu bringen.»

«Die Dreigroschenoper» galt als laufender Witz

Bis dahin galt das in voller Länge rund vierstündige Stück beim Lehrertheater in den letzten 20 Jahren eher als laufender Witz: «Komm, wir machen ‹Die Dreigroschenoper›. Aber wir waren immer zu spät dran», lacht Schlachter. Nach der unfreiwilligen Pause in 2020 war die Zeit nun reif, weil eben viel Zeit vorhanden war. Schlachter bezeichnet ‹Die Dreigroschenoper› als «schwierig und komplex». Es sei keine durchkomponierte Oper, weshalb keine Opernsänger auf der Bühne stehen, sondern singende Schauspieler. Schlachter:

«Da muss es nicht perfekt sein, aber es muss verheben.»

Dieter Schlachter hat nie vorgehabt, das 1928 in Berlin uraufgeführte Theaterstück in die moderne Zeit zu verschieben. Er will auch kein Betroffenheitstheater, stellt er klar, «sondern unterhalten». Um dem Zeitgeist zu entsprechen, tragen die Schauspieler Kostüme im Stil der 1920er-Jahre, geliehen vom Stadttheater Basel. Modernität ist trotzdem vorhanden: Das Bühnenbild besteht aus einem nackten Baugerüst, das Mobiliar aus Wellpappe. Letzteres hat die Firma Smurfit Kappa in direkter Nachbarschaft des «Bata Club Hauses» auf Sponsorenbasis produziert. «Wir waren zwei Wochen lang am Konstruieren und Fertigstellen», berichten Thomas Bigesse und Marco Rubin von Smurfit Kappa.

Regisseur Dieter Schlachter (links) und das Ensemble des Lehrertheaters freuen sich auf die Premiere.

Regisseur Dieter Schlachter (links) und das Ensemble des Lehrertheaters freuen sich auf die Premiere.

Peter Schütz / Aargauer Zeitung

Kartonmobiliar erfordert Fantasie beim Publikum

Die Möbel bezeichnen sie als sehr stabil. Das Sofa trägt mehrere Personen gleichzeitig, Stühle werden in der Aufführung durch die Luft geworfen, ohne dass sie zerbrechen. Die Idee für das Kartonmobiliar stammt von Doris Becker, «das wurde von ihr sehr gut vorbereitet», so Thomas Bigesse. Baugerüst und Kartonmöbel würden bei den Zuschauern vielleicht eine «gewisse Toleranz und Fantasie benötigen», sagt Dieter Schlachter. Aber:

«Es gibt dadurch eine schöne Einheit, die Figuren kommen gut heraus und es ist sehr angenehm zu spielen.»

Seit Ende Juli ist das Ensemble im «Bata Club Haus» am Proben. Das Team besteht aus jungen Schauspielern und Stammspielern, «das gibt eine gute Mischung». Schlachter weiter: «Ich glaube, sie verstehen sich gut.» Das Interesse am kulturellen Leben sei wieder spürbar, findet Schlachter. Und: «Es ist aber auch von unserer Seite das Bedürfnis da, zu spielen», sagt er.

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