Oeschgen
Nach 27 Jahren legt er den Taktstock bei der Musikgesellschaft beiseite

Christine Amrhein Loosli
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Herbert Weiss dirigierte nach 27 Jahren die Musikgesellschaft Oeschgen zum letzten Mal. Robert LOOSLI

Herbert Weiss dirigierte nach 27 Jahren die Musikgesellschaft Oeschgen zum letzten Mal. Robert LOOSLI

Robert Loosli

Die Wogen des Lebens haben Herbert Weiss an fast alle Ecken des Fricktals gespült. Und fast immer kam der 74-Jährige dort an, wo Not am Dirigenten war. Herbert Weiss ist im Laufenburger Ortsteil Sulz aufgewachsen und durfte bereits als Sechstklässler zu den Jungbläsern, zuerst mit dem Flügelhorn, später mit dem Euphonium. Er lernte Maurer und wollte zum Spiel im Militär und schaffte es auch. Als er wieder in Sulz war, suchte der Musikverein einen Dirigenten und Weiss sagte zu. «Ich hatte nicht viel Ahnung, bin einfach reingerutscht», so Weiss.

Um den Ansprüchen an einen Dirigenten gewachsen zu sein, besuchte er Kurse am Konservatorium Basel, gab aber nach etwa einem Jahr wieder auf. «Die Arbeit als Maurer ist mit viel Krach und mit starken Vibrationen verbunden, was mir das feine Hören am Feierabend erschwerte», erzählt Weiss. Daher musste er sich im Selbststudium weiterbilden.

Nach einigen Jahren ist er nach Eiken gezogen. Dort suchte man einen Dirigenten und Herbert Weiss wurde gewählt. «15 Jahre war ich dabei. Die Stimmung, die Kameradschaft und die musikalischen Leistungen waren gut», sagt Weiss. Es folgte ein Umzug nach Magden, wo der Dirigent gerade altershalber den Stab niedergelegt hatte. Und wer nahm ihn auf? Richtig: Herbert Weiss. Er dirigierte fortan fünf Jahre lang sowohl in Magden als auch in Eiken.

Hauswart an der Primarschule

Beim nächsten Umzug landete er in der Gemeinde Frick. Bei der Fricker Musikgesellschaft spielt Herbert Weiss bis heute Euphonium. Die Dirigentenstäbe fliegen ihm zwar nur so zu, aber nach rund 25 Jahren als Maurer machte sich der Rücken bemerkbar, sodass er sich in Frick auf die Stellensuche machen musste. 1989 wurde er zum Hauswart der Primarschule gewählt, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2010 arbeitete. «Ich habe die Arbeit gerne gemacht, das Verhältnis zu den Lehrern und den Kindern war gut», sagt er.

Richtiger Zeitpunkt zum Gehen

Nicht die Fricker, sondern die Oeschger Musikgesellschaft hatte stürmische Zeiten und einen regen Dirigentenwechsel hinter sich. Herbert Weiss nahm selbstverständlich die Herausforderung und den Taktstock an. Das war vor rund 27 Jahren. «Es ist schön, mit den Leuten zu arbeiten. An den Konzerten werden die Früchte sichtbar und das spornt ungeheuer an», sagt er. Von den Erfolgen zehre er bis heute. Jetzt ist das letzte Konzert mit den Musikgesellschaft Oeschgen Geschichte. «Es war das beste Jahreskonzert, und das ist der richtige Zeitpunkt zum Gehen», sagt Weiss.

Den Taktstock ganz weglegen mag er noch nicht: Er dirigiert weiterhin die Hauswart-Musik – auch Fluumer-Musig genannt. Und sollte ihm wieder mal ein kurzfristig unbesetzter Dirigentenstab zufliegen, würde er vielleicht sogar stellvertretend einspringen.