Das Fricktal erhält eine Mittelschule. Am Dienstag hiess der Grosse Rat einstimmig die Entwicklungsstrategie der Regierung zur Mittelschullandschaft im Aargau gut – und sagte damit Ja zu einer Mittelschule im Fricktal (AZ von gestern).

Damit geht es für die vier Gemeinden im Fricktal, die um die Gunst der Kantischüler buhlen, nun in die zweite, heisse Phase. Vier? Fehlt da nicht eine? Doch, denn das Oberstufenschulhaus in Mumpf, das seit Juni leer steht, bewarb sich ebenfalls als Standort. Es überstand die erste Triage nicht. Das Schulhaus sei für die 33 oder 44 Abteilungen, welche die Kanti beherbergen wird, zu klein und es fehlten Erweiterungsmöglichkeiten, heisst es dazu im Planungsbericht.

Der Schulverband hatte das Schulhaus weniger als Komplettlösung denn als «Filiale einer neuen Kantonsschule» vorgeschlagen, wie es im Bericht weiter heisst. Eine Kantonsschule mit zwei Standorten kommt für die Regierung aus organisatorischen und finanziellen Gründen nicht infrage.

Für das Schulhaus in Mumpf könnte es doch noch zu einem Happy End als Schule kommen: Aktuell wird geprüft, ob sich das Schulhaus als neuer Standort für die heilpädagogische Schule Fricktal eignet.

Damit bleiben als Mittelschulstandort Frick, Rheinfelden/Möhlin mit einer gemeinsamen Bewerbung und Stein im Rennen. Sie können sich noch Hoffnung machen, die Kanti zu bekommen.

Zusammen mit den Gemeinden und den Grundeigentümern wird das Bildungsdepartement nun die Standorte vertieft auf ihre Eignung und Realisierbarkeit geprüft. «Im Anschluss werden Verhandlungen zur Landsicherung durchgeführt», sagt Departementssprecherin Simone Strub. Bis Mitte 2020 soll ein Standort ausgewählt sein, der Grossratsentscheid ist für 2021 vorgesehen. «Die Mittelschule im Fricktal soll nach heutigem Stand per Schuljahr 2028/29 in Betrieb genommen werden», so Strub.

Bei der Evaluation gewichtet der Kanton zwei Kriterien besonders: Eine genügend grosse Fläche, die auch einen Ausbau erlaubt, und eine gute Erreichbarkeit. Dazu gehört laut Strub einerseits die Erreichbarkeit des Standorts im Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Langsamverkehr, andererseits die Erreichbarkeit der Gemeinde für die Schüler der Region.

800 bis 900 Schüler bringen Geld ins Dorf

Dabei sind, wenig verwunderlich, alle Standorte überzeugt, dass sie gute Karten in der Hand haben. Denn, das macht auch der Planungsbericht der Regierung klar: Wer die Kantonsschule bekommt, kann sich die Hände reiben. Zwischen 800 und 900 Schüler werden die neue Kanti besuchen, dazu kommen rund 100 Lehrkräfte.

ie alle wollen verpflegt sein, wollen einkaufen, wollen wohl auch einen Teil ihrer Freizeit im Ort verbringen. Zudem ist das Schulangebot vor Ort ein wichtiges Kriterium, wenn es darum geht, einen neuen Wohnort zu wählen. Es lockt also nicht nur eine Stärkung des lokalen Gewerbes, sondern auch eine Alimentierung der Steuerkasse.

Die möglichen Standortgemeinden begrüssen denn auch den Entscheid des Grossen Rates. Es sei «ein Bekenntnis des Kantons Aargau zu einem Mittelschulstandort im Fricktal», sagt etwa Roger Erdin, Stadtschreiber von Rheinfelden. Sein Möhliner Amtskollege Marius Fricker pflichtet dem bei. Auch für Benie Ankli, Vizeammann von Stein, zeigen die Schülerzahlen, dass es im Fricktal eine Mittelschule braucht. Sie hofft, «dass bei der Festlegung des Standortes die Schüler im Fokus stehen, damit diese die bestmöglichen Optionen erhalten».

Auf ihre Bewerbung haben die Gemeinden «ausschliesslich positive» Rückmeldungen erhalten, wie sie auf Anfrage unisono sagen. Lage und Synergiepotenzial mit den Schul- und Freizeitanlage «überzeugen auch ausserhalb der Gemeinde Frick», sagt der Fricker Gemeindeschreiber Michael Widmer.

Grossrat entschied sich 1975 für Stein

Benie Ankli weist auf den Grossratsentscheid von 1975 hin. Damals entschied der Rat, dass die Fricktaler Mittelschule nach Stein kommen soll. Der Regierungsrat plädierte für ein Areal beim Bahnhof Möhlin, setzte sich aber nicht durch.

Die Mittelschule wurde nie realisiert – und die Rahmenbedingungen sind heute andere. Insbesondere hat sich die Region Stein wirtschaftlich und demografisch nicht in dem damals prognostizierten Ausmass entwickelt.

Das weiss auch Ankli. Sie hält es denn auch für richtig, dass der damalige Standortentscheid neu betrachtet wird. «Doch wir sind überzeugt, dass viele der Argumente, die seinerzeit für den Standort Stein sprachen, auch heute noch zutreffen.»

Nach den Vorteilen ihres Standorts befragt, schöpfen die Gemeinden aus dem Vollen. Die zentrale Lage erwähnen sie allesamt ebenso wie die gute Erreichbarkeit. Erdin führt für den Kombi-Standort Rheinfelden/Möhlin die unbebaute Fläche als Vorteil an; sie erlaube eine massgeschneiderte Lösung.

Widmer sieht einen Vorteil für Frick, dass das Areal bereits in der Bauzone liegt. Aktuell wird das Gelände als Firmensitz genutzt. Erhält Frick den Zuschlag, «so muss ein neuer Firmensitz gefunden werden», sagt Widmer. Ankli sieht bei Stein den Vorteil, das Schüler- und Arbeitspendlerströme antizyklisch verlaufen.

Wer bekommt den Zuschlag? In einem Jahr wissen wir es. Bis dahin, das fasst Erdin gut zusammen, ist die grösste Herausforderung für die Gemeinden, «den Verantwortlichen des Kantons die Vorzüge des Standortes aufzuzeigen».