Reformierte Kirche

Nach Kirchen-Knatsch: Pfarrerin reicht Rücktritt ein

Braucht schon bald eine neue Pfarrerin: die Reformierten Kirchgemeinde Wegenstettertal.

Braucht schon bald eine neue Pfarrerin: die Reformierten Kirchgemeinde Wegenstettertal.

Johanna Spittler und die Kirchenpflege Wegenstettertal können trotz Mediator die Gräben nicht mehr überbrücken.

Nach dem Kirchen-Knatsch in der reformierten Gemeinde Wegenstettertal versuchte ein Mediator, die Wogen zwischen Pfarrerin Johanna Spittler und der Kirchenpflege zu glätten. Es blieb beim Versuch. Nach knapp drei Jahren im Amt beendet die deutsche Pfarrerin per Ende Oktober ihren Dienst in der Kirchgemeinde.

«Die im vergangenen Jahr entstandenen Gräben sind so tief, dass sie auch durch den Einsatz eines Mediators nicht zu überbrücken waren», sagt Spittler. Darum habe man keine Gesprächsgrundlage mehr finden können. Diese wäre jedoch Voraussetzung gewesen, um etwa einvernehmlich festzulegen, welche Aufgaben mit dem Einzelpfarramt verbunden sind.

Johanna Spittler, Pfarrerin

Johanna Spittler, Pfarrerin

Spittler ist «sehr traurig» darüber, dass eine vertrauensvolle Basis für eine Zusammenarbeit nicht wieder hergestellt werden konnte. Ihre Wurzeln lägen im ländlichen Bereich. Sie habe sich im Tal von Anfang an wohlgefühlt und sei von der Gemeinde gut aufgenommen worden. «Ich sehe hier im Wegenstettertal ein sinnvolles Arbeitsfeld zur Erhaltung und Weiterentwicklung unserer kirchlichen Traditionen im Bereich Verkündigung, Seelsorge und Diakonie, wie auch bezüglich der Vernetzung mit den anderen Kirchen und sozial engagierten Gruppen», sagt Spittler.

Spannungen im Vorfeld der Wahlen im Herbst 2018

Bereits im Frühjahr 2018 wurde deutlich, dass Spittler und die Kirchenpflege nicht auf einer Linie sind. So verzichtete die Kirchenpflege darauf, Spittler für die Wiederwahl im Herbst 2018 zu empfehlen. Spittler fühlte sich damals vor den Kopf gestossen und sammelte bei den Mitgliedern der Kirchgemeinde 20 Unterschriften, um sich auf eigene Faust für die Gesamterneuerungswahl nominieren zu lassen. An dieser bestätigten sie die Mitglieder deutlich mit 93 zu 39 Stimmen im Amt.

Wenige Tag vor der Gesamterneuerungswahl rumorte es erneut, als die Kirchenpflege drei Gründe nannte, wieso man sich einen Neuanfang ohne Spittler wünscht. Im Gemeindeblatt der reformierten Kirche warf sie der Pfarrerin erstens vor, dass ihr Amtsverständnis und ihre Liturgie zu wenig in der reformierten Tradition beheimatet sei. Zweitens, dass Spittlers Kommunikation gegenüber der Kirchenpflege ungenügend und drittens ihre Arbeitstechnik für die Führung eines Einzelpfarreramtes ungenügend sei (die AZ berichtete).

«Die Zusammenarbeit mit der Kirchenpflege war von Anfang an schwierig», sagt Spittler, die jedoch das Vergangene nicht noch einmal aufwärmen will. Für Spittler steht jetzt eine Neuorientierung an. «Es ist jedoch noch nicht sicher, in welche Richtung der Weg geht», sagt sie.

«Suche nach Pfarrperson braucht Geduld»

Fritz Imhof, Informationsbeauftragter der Kirchenpflege, sagt, dass man den Entscheid von Spittler bedauert. «Ihr Rücktritt kommt überraschend.» Nun müsse man sich mit der neuen Ausgangslage arrangieren. Die Kirchenpflege werde an ihrer Sitzung vom 11. September die neue Ausgangslage thematisieren und Beschlüsse zur Zukunft der Gemeinde fassen, so Imhof.

«Klar ist heute schon, dass die Angebote wie Gottesdienst, Seelsorge und der Konfirmandenunterricht nach dem Weggang von Johanna Spittler durch Vertretungen weitergeführt werden sollen.» Denkbar sei auch, dass eine Pfarrvertretung diese Aufgaben ab November übernehmen werde, sagt Imhof.

Klar ist auch, dass man ein wenig Geduld haben müsse bei der Suche nach einer für die Gemeinde passenden Pfarrperson, so Imhof.

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Autor

Dennis Kalt

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