Möhlin

Nach massiver Kritik: «Stadelbach-Leiterin» hat gekündigt – und äussert sich jetzt zu den Vorwürfen

Judith Dominguez, Leiterin des Wohn- und Pflegezentrums Stadelbach. (Archivbild)

Die Kritik am Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach zeigt nun Folgen. Die «Stadelbach-Leiterin» Judith Dominguez hat gekündigt – die Kritik belastet sie sehr.

Eine Bewohnerin, die sich beim Umlagern mehrfach den Arm bricht, ein Arzt, der keine Patienten mehr vor Ort behandeln will, und die SP Möhlin, welche die angeschlossenen Gemeinden über massive Missstände per Brief informiert: Das Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach in Möhlin steht in den letzten Monaten unter starkem Beschuss von mehreren Seiten.

Die massive Kritik, die auf das «Stadelbach» einprasselte, zeigt nun Folgen: Judith Dominguez hat ihr Arbeitsverhältnis per Ende September gekündigt. Die 61-Jährige gibt damit nach fast 20 Jahren die Leitung des Wohn- und Pflegezentrums ab. «Die Vorwürfe, die in den vergangenen Wochen im Raum standen, haben mich sehr belastet», sagt sie im Telefonat mit der AZ. Die Kündigung sei auf eigenen Wunsch nach Gesprächen mit dem Vorstand der Trägerschaft, dem Verein «Wohnen und Alter Möhlin», erfolgt. Dominguez schiebt nach: «Ich gehe auch für einen Neuanfang im Stadelbach.»

Alfred Sutter, Präsident des Trägervereins, bestätigt, dass Dominguez auf eigenen Wunsch gekündigt hat. «Es ist klar, dass die von verschiedenen Seiten erhobenen Vorwürfe eine Belastung sind, und zwar für das ganze ‹Stadelbach›-Team sowie für den Vorstand des Trägervereins.» Dominguez habe während ihrer fast 20-jährigen Tätigkeit das Heim von einem Altersheim zu einem Wohn- und Pflegezentrum entwickelt. «Der Vorstand ist ihr sehr dankbar für ihre Arbeit», so Sutter.

Die Suche nach Fachpersonal

Hausarzt Hagen Scheerle kritisierte, dass nicht nur er, sondern auch andere Ärzte mit den Abläufen im Stadelbach unzufrieden seien. Scheerle betonte, dass er das Problem nicht im Pflegedienst, sondern auf der Führungsebene ausmacht. Auch die SP Möhlin hat ihn ihrem Brief über einen Mangel an Pflegezeit informiert und wollte vom Trägerverein wissen, wie das «Stadelbach» personell aufgestellt sei. Kathrin Hasler, Ammann von Hellikon, erzählte gegenüber der AZ, dass Angehörige der «Stadelbach»-Bewohner das Gefühl haben, dass ihre Kritik von der Zentrumsleitung ignoriert werde.

Dominguez dementiert die Vorwürfe und verweist darauf, dass der Personalschlüssel im Stadelbach über den Mindestvorgaben des Kantons liegt. Dies bestätigt auch Sutter, der jedoch nachschiebt: «Wie in anderen Branchen ist es Fakt, dass es schwierig ist, jederzeit genügend Fachpersonal zu rekrutieren.»

Natürlich, so Sutter, nehme man die Vorwürfe sehr ernst, weil es der Anspruch sei, den Bewohnern eine «qualitativ hochstehende und sichere Pflege» im «Stadelbach» zu bieten. «Die Vorwürfe werden deshalb zurzeit im engen Kontakt mit der Geschäftsleitung geprüft», sagt Sutter.

Organisationsanalyse soll folgen

Bereits vor zwei Monaten hat der Vorstand des Trägervereins eine Firma beauftragt, Mitarbeiter, Bewohner, Angehörige und freiwillige Mitarbeitende zur Situation zu befragen. Sowohl Hasler als auch Fredy Böni, Ammann von Möhlin, befanden diese Massnahme nach all den Vorwürfen für nicht weit genug gehend, um Verbesserungspotenzial auszuloten. Beide befürworteten deshalb eine gründliche Untersuchung der Organisationsstrukturen und -abläufe – auch, um einen noch grösseren Reputationsschaden zu vermeiden.

Wie es scheint, hat sich der Vorstand des Trägervereins die Forderung der beiden Gemeindeammänner zu Herzen genommen. So sagt Sutter, dass man derzeit einen Aktionsplan erarbeite, der auch eine Organisationsanalyse beinhalten soll. Die Ergebnisse der Befragung, die das externe Unternehmen durchführt, werden Ende Juli erwartet. «Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden wir die Trägergemeinden informieren», so Sutter.

Autor

Dennis Kalt

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