Projekt Lila
Nach schwieriger Suche: Spezielles Festival findet in Wittnau statt

Im Herbst färbt sich die Gemeinde «lila» — die Jugendorganisation Milchjugend veranstaltet ein dreitägiges Kulturfestival, das auf Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender ausgerichtet ist.

Marco Sartori
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Auf Gertrud Häselis Vorschlag hin hat sich das «Lila»-Organisationskommitee für den Standort Wittnau entschieden.

Auf Gertrud Häselis Vorschlag hin hat sich das «Lila»-Organisationskommitee für den Standort Wittnau entschieden.

Marco Sartori

Die Jugendorganisation Milchjugend plant in Wittnau ein dreitägiges Musik- und Kulturfestival. Mit dem Projekt Lila startet man den Versuch, einen geschützten Rahmen für Verschieden-Sexuell-Orientierte zu schaffen. Das heisst, besonders junge Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) sollen sich hier ungestört austauschen und miteinander feiern können.

Dafür einen geeigneten Standort zu finden, war offenbar nicht ganz leicht. In einer anderen Gemeinde im Mittelland hat die Landwirtschaftskommission die Zusage für ein Feld aufgrund von Naturschutzrichtlinien zurückgezogen, heisst es vonseiten der Milchjugend. Da ist die Wittnauer Gemeinderätin und Grossrätin der Grünen, Gertrud Häseli, eingesprungen und hat der Milchjugend mehrere Standorte auf Wittnauer Boden vorgeschlagen. Die Gemeinderätin vermutete, dass hinter der Absage auch noch andere Gründe steckten und wollte sich deshalb gegen eine Ausgrenzung einsetzen. Die Wahl der Jugendorganisation fiel auf eine Parzelle, die Häseli gepachtet hat.

Der Gemeinderat hat schliesslich einer Nutzung der Parzelle Sandgrube zugestimmt. «Mit Wittnau haben wir einen schönen Ort gefunden, an dem ein Festival für die Jugend prima hinpasst», sagt Anna Rosenwasser vom «Lila»-Medienteam. Im öffentlichen Bereich seien Personen aus dem LGBT-Spektrum häufig starker Diskriminierung ausgesetzt. In Wittnau stehe dies nicht zur Diskussion. «Wir schätzen die gute Kommunikation mit der Gemeinde sehr.»

Diskriminierung ist kein Thema

«Vielleicht werden einige im ersten Moment nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, aber ich denke, die Wittnauer sind grundsätzlich offen dafür», sagt Gertrud Häseli. Sie gibt sich zuversichtlich, dass es rund ums Festival keine Diskriminierung geben wird.

Auch die Diskussion im Gemeinderat habe sich laut Häseli lediglich auf die Durchführbarkeit vom Anlass und die Gesetzgebungen beschränkt — «das Übliche eben». Gemäss dem Gemeinderat werden alle Gesetze und Richtlinien eingehalten. Der Umstand, dass es eine LGBT-Veranstaltung ist, sei nie zur Diskussion geworden. «Jede Gruppierung sollte das Recht haben, sich entfalten zu können — wenn es das Gesetz erlaubt. Als Gemeinderat dürfen wir dem nicht im Weg stehen», sagt Häseli. Darauf legt sie grossen Wert.

Der Wittnauer Gemeindeammann, CVP-Mitglied Werner Müller stimmt Häseli zu. Ein wenig Skepsis schien es bei ihm aber trotz allem gegeben zu haben: «Ich wollte die Veranstalter unbedingt kennenlernen, um mir ein Bild von ihnen zu machen.» Schliesslich überzeugten diese den ehemaligen Grossrat «mit Seriosität und einer guten Organisation». Somit gibt sich auch er zuversichtlich, dass das Ziel des Festivals, der «Queer-Jugend» eine Plattform für den Austausch zu geben, rein inhaltlich zu keinen Problemen in der Gemeinde führen wird. «Der einzige Reibungspunkt könnte der Lärm werden», sagt er, «aber da haben wir vorgesorgt und ganz klare Bestimmungen festgelegt.» Die grosse Bühne darf bis 24 Uhr bespielt werden und die kleinen in den Festzelten bis 2 Uhr. Wo die Festival-Besucher ihre Zelte zum Übernachten aufschlagen können, wird derzeit noch abgeklärt.

Von Jugendlichen für Jugendliche

Zwischen 300 und 500 Leute sollen Kultur und Musik «in allen Farben» erleben. Das Festival konzentriert sich hauptsächlich auf Konzerte. Aber auch Kunst findet einen Platz, insbesondere verschiedene Performances. Und für Interessierte stehen Infostände für Fragen rund um die eigene Sexualität bereit. So werden beispielsweise auch Vertreter der Aids- und HIV-Prävention vor Ort sein, mit eigens für dieses Festival geschulten Jugendlichen, die Ihresgleichen auf mögliche Gefahren aufmerksam machen und Fragen zur Verhütung beantworten.

Das Mindestalter wird wie bei den meisten Festivals auf 16 Jahre festgelegt, und es soll nicht nur ein Fest für «Falschsexuelle» werden, wie die Milchjungend ihre Zielgruppe gerne bezeichnet. Rosenwasser betont, am Festival werden auch Besucher aus dem Dorf willkommen sein.

«Wir denken derzeit nicht an eine Festival-Reihe», sagt Rosenwasser. Mit «lila» kann sich die Jugendorganisation aber noch stärker im Kanton Aargau verankern und ihr bisher einziges Angebot, die immer dienstags geöffnete «Milchbar» in Baden, erweitern.

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