Nancy Holten polarisiert. Die Veganerin setzt sich gegen Kuh- und Kirchenglocken ein, protestiert gegen die Jagd und dankt ihren Kritikern auch noch, dass sie dank ihnen bekannt geworden ist. Auf «TeleM1» sagte die Wahl-Aargauerin einmal: «Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, nichts persönlich zu nehmen.» 

Aber auch für Holten gibt es eine rote Linie. Sie hat Anzeige gegen einen Mann eingereicht, der sie in einem Facebook-Kommentar beschimpft hatte. "Erste Verurteilung für einen #hater. Er hat mich im Netz beleidigt. Dafür wird nun gezahlt", freut sie sich auf Twitter und postet dazu den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern. Ausserdem bedankt sie sich bei Jolanda Spiess-Hegglin vom Verein Netzcourage. Dieser berät Opfer von Shitstorms, Beschimpfungen und Drohungen.

440 Franken Busse, 500 Franken Gebühren

Geschrieben hatte der Mann: "Dummi hure soumorre setig lüt chönti tagelang chläpfe u i wurdi nid müed drbi", wie aus dem Strafbefehl hervorgeht. Wegen Beschimpfung wird er zu einer bedingten Geldstrafe von 2200 Franken (20 Tagessätzen à 110 Franken) verurteilt, bei einer Probezeit von 2 Jahren. 

940 Franken muss der Mann für seine unüberlegten Worte hinblättern – 440 Franken Busse und 500 Franken Gebühren. 

Brisant: Name und Adresse des Verurteilten sind zwar geschwärzt, allerdings kann man beides bei genauem Hinsehen entziffern. Deshalb könnten Holten juristische Konsequenzen drohen, wenn sich der Mann entschliesst, Klage einzureichen. Als ein Nutzer sie darauf hinweist, schreibt Holten: «Die Zensur ist von Jolanda gemacht. Abgesehen davon spielt es keine Rolle, da es auch unzensuriert veröffentlicht werden kann.» Wie ein Anwalt gegenüber der AZ sagt, müssen bei Veröffentlichungen von Urteilen die Betroffenen anonymisiert werden. Nur wenn das öffentliche Interesse höher wiegt, als der Persönlichkeitsschutz des Verurteilten, wäre dies zulässig – das dürfte hier kaum der Fall sein.

Dagegen ist es durchaus möglich, dass der Verurteilte durch die Veröffentlichung seines Namens Nachteile in Kauf nehmen muss, etwa wenn sein Arbeitgeber davon erfährt. Dass Namen und Adresse halbherzig geschwärzt wurden, dürfte ihr vor Gericht kaum helfen. «Eine schlechte Anonymisierung ist keine Anonymisierung. Wenn man den Namen lesen kann, kann man das Schwärzen genau so gut sein lassen», erklärt der Experte.  (kob)

August 2017: Nancy Holten steigt in die Bundespolitik ein

Die Tierschützerin kämpfte gegen Kuhglocken, stand wegen ihrer Einbürgerung im Rampenlicht und will jetzt für die Grünen in die Politik einsteigen.

«Yess, strike!» – Nancy Holten über das Gefühl, den Schweizer Pass zu bekommen.

(April 2017)