Fricktal

Nicht nur zur Freude der Kunden: Dank dem Ausverkauf gibt es wieder Platz für Neues

Claudine Hirt vom Konzeptladen «trag-werke» führt in diesem Jahr zum ersten Mal einen Ausverkauf durch – auf das Handtaschen-Sortiment.

Claudine Hirt vom Konzeptladen «trag-werke» führt in diesem Jahr zum ersten Mal einen Ausverkauf durch – auf das Handtaschen-Sortiment.

Januar ist Rabatt-Zeit. Ob Fachhandel, Elektronikmarkt oder Modeboutique – im Januar setzen viele Geschäfte auf den Ausverkauf, damit wieder Platz für die neue Kollektion ist. Trends wechseln ständig – von Weihnachten sind noch Überbestände da.

Die Schrift am Schaufenster ist ganz frisch. 15 Prozent Rabatt verspricht der Konzeptladen «trag-werke» in der Rheinfelder Marktgasse auf Handtaschen. Die Aktion startete am Donnerstag. «Es ist für uns der erste Ausverkauf, seit der Laden vor sechs Jahren aufgegangen ist», sagt Geschäftsführerin Claudine Hirt. Bisher habe es einen Ausverkauf nie gebraucht – «und eigentlich bräuchten wir ihn auch jetzt nicht», so Hirt, aber: Der Handtaschen-Bestand sei im Moment gross. Ziel ist es deshalb, diesen abzubauen und Platz für neue Ware zu schaffen. «Wir versuchen das jetzt einfach mal – schliesslich ist Ausverkauf-Zeit», sagt Hirt.

Tatsächlich: Auch die meisten anderen Läden in der Rheinfelder Marktgasse haben Ausverkauf-Schilder in den Schaufenstern hängen – ob Kleiderboutique oder Fachhandel. «Wir führen seit Jahren immer jeweils im Januar einen Monat lang einen Ausverkauf durch», sagt etwa Marco Veronesi, Geschäftsführer des gleichnamigen Optikergeschäfts. Einerseits, um die Kundenfrequenz im «sonst eher ruhigen Monat Januar anzukurbeln», andererseits zur Lagerbereinigung. «Sie wechseln zwar nicht ganz so schnell wie beispielsweise in der Modebranche, aber auch bei Brillen gibt es Trends», so Veronesi. Während des Ausverkaufs gibt es deshalb unter anderem auf Auslaufmodelle grössere Rabatte.

Mit der Mode mithalten

Yvonne Collin weiss genau, was Veronesi meint, wenn er von den wechselnden Trends in der Modebranche spricht. Collin führt in Rheinfelden die Modeboutique «Accessoire cuir». Schon um die Weihnachtszeit gibt sie Rabatte auf Einzelstücke, die «schwierig in die Frühlingskollektionen zu integrieren sind», wie sie sagt. Der grosse Ausverkauf findet dann im Januar statt, je nach Bestand mehr oder weniger lang und mit mehr oder weniger Rabatten. «Der Ausverkauf kurbelt auch die spontanen Käufe an», sagt Collin. So komme es vor, dass Kundinnen im Laden eine Bluse für einen Anlass suchen – und gleich auch noch einen Pullover dazu kaufen, weil er heruntergeschrieben ist.

Die Trends muss auch Marcel Amsler, Inhaber von «Amsler Spielwaren» mit mehreren Filialen in der Region, beachten. Für die grossen Messen, wie etwa die Spielwarenmesse Ende Januar in Nürnberg, würden viele Hersteller ihre Sortimente überarbeiten und Neuerungen herausbringen, erklärt er. Diese werden dann in den Werbebroschüren präsentiert – und von der Kundschaft im Spielwarengeschäft gewünscht. «Für dieses neue Sortiment brauchen wir Platz», sagt Amsler. Der Ausverkauf wird in den Filialen zwar nicht mit grossen Schildern beworben, die preislich reduzierten Produkte aber sind mit roten Aufklebern markiert.

Überbestände von Weihnachten

Auch der Elektronikhändler Interdiscount mit einer Filiale in Frick hat derzeit Ausverkauf. Man plane «Rabattaktivitäten durch das ganze Jahr» ein, wie Mediensprecherin Monika Sachs sagt. Bei der Ausverkaufs-Periode Anfang Jahr gehe es darum, das Sortiment und Überbestände aus dem Weihnachtsgeschäft zu bereinigen. Ausserdem könne so Platz für Neuheiten geschaffen werden.

Aber beinhalten die fixen Ausverkauftermine nicht auch das Risiko, dass Kunden bewusst mit einem Kauf warten, bis der Preis reduziert wird? Teilweise wohl schon: «Preissensible Kunden oder auch Schnäppchenjäger kaufen gerne im Ausverkauf ein», sagt Monika Sachs. Das sei schwierig einzuschätzen, sagt Marco Veronesi. «Es ist möglich, dass Kunden bewusst jetzt zu uns kommen und die Möglichkeit nutzen, sich etwas zu leisten, was für sie sonst zu teuer wäre.» Generell aber, so glaubt Veronesi, kämen die Kunden wegen der Qualität der Produkte und nicht wegen des Ausverkaufs in sein Optikergeschäft.

Ganz genaue Wünsche

Auch Marcel Amsler glaubt nicht, dass viele Kunden Einkäufe im Spielwarengeschäft extra für den Ausverkauf einplanen. Entscheidend sei das gewünschte Produkt. Amsler spricht von zwei Arten von Kunden. «Einige wissen ganz genau, welches Produkt sie brauchen – weil es beispielsweise das Gottenkind gewünscht hat», erklärt Amsler. Diese Kunden würden dann genau jenes Produkt kaufen, unabhängig davon, ob ein ähnliches Produkt gerade reduziert ist. Andere hätten nur eine ungefähre Idee davon, was sie kaufen möchten. «Sie greifen eher zu, wenn ein ähnliches Produkt günstiger zu haben ist», so Amsler.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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