Fricktal
«Niemand soll an Weihnachten allein sein»

Seit sieben Jahren organisieren die Diakoniegruppen der katholischen Pfarrei und der reformierten Kirchgemeinde am Heiligen Abend in Frick eine offene ökumenische Weihnachtsfeier. Drei Fricktaler Pfarrer erzählen, wie sie selber Weihnachten feiern.

Lucas Zeugin
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Pfarrer Thomas Sidler beteiligt sich an der ökumenischen Weihnachtsfeier. ZVG

Pfarrer Thomas Sidler beteiligt sich an der ökumenischen Weihnachtsfeier. ZVG

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Die ursprüngliche Bedeutung von Weihnachten geht je länger, je mehr verloren. Die Hektik beim Kauf von Geschenken raubt dem Fest die besinnliche Komponente, der religiöse Aspekt tritt durch die Kommerzialisierung immer stärker in den Hintergrund und die Geburt Jesu wird vom Kult um den Weihnachtsmann überschattet. Die az wollte von Fricktaler Pfarrern wissen, wie sie das Fest der Liebe feiern und was Weihnachten für sie bedeutet.

Gemeinsames Feiern

«An Weihnachten soll niemand allein sein», erklärt Pfarrer Thomas Sidler aus Frick. Seit rund sieben Jahren organisieren die Diakoniegruppen der katholischen Pfarrei und der reformierten Kirchgemeinde am Heiligen Abend zusammen eine offene ökumenische Weihnachtsfeier für Alleinstehende oder Menschen mit wenig sozialen Kontakten.

Mit ihrem Engagement wollen sie einen Raum für Begegnungen für all jene schaffen, die niemanden haben, aber das Fest gemeinsam mit anderen feiern möchten.

Nach den weihnachtlichen Gottesdiensten um 17 Uhr in der reformierten und der katholischen Kirche in Frick beginnt für die Angemeldeten im Pfarreizentrum Rampart die eigentliche Feier.

«Unsere Gäste schätzen diese sehr. Ich selber finde die stille und festliche Weihnachtsatmosphäre auch sehr besinnlich», beschreibt Thomas Sidler die Stimmung an diesem speziellen Abend.

«Gemeinsam hören wir das Weihnachtsevangelium, verbunden mit festlicher Musik, singen zusammen Weihnachtslieder und freuen uns über ein feines Essen», schildert er die Höhepunkte am Abend.

Für ihn sind solche sozialen Engagements auch speziell im Hinblick auf die theologische Bedeutung von Weihnachten sehr wichtig.

«Das Fest will uns ja sagen, dass Gott Mensch geworden ist. Jesus von Nazareth hat uns dann vorgelebt, was ein sinnerfülltes Leben ist und uns beispielhaft gezeigt, wie wir Menschlichkeit in die Welt bringen können», erklärt Sidler.

Darum sei die Zuwendung zum Nächsten besonders an Weihnachten ein angemessener Ausdruck dieser Botschaft. Aber Weihnachten hat für Pfarrer Sidler auch eine persönliche Bedeutung: «In der Weihnachtszeit wird alles ruhiger und stiller. So bietet sich dem Menschen die Chance, in sich zu kehren, zu sich selber zu finden und so selber wieder ganz Mensch zu werden.»

Eine Zeit der Begegnungen

«Für mich gehören die Weihnachtsgottesdienste wegen der vielen berührenden Momente zu den Höhepunkten im Jahr», erklärt Alexander Pasalidi, Pfarrer der Kirchgemeinde Wegenstetten-Hellikon. Am Heiligen Abend feiert er an verschiedenen Orten Messen und schätzt die vielseitigen Begegnungen mit Menschen, die mit ihm die Geburt Jesu feiern.

Ein grosses Weihnachtsessen oder Festanlässe dieser Art braucht er nicht. Wichtig sind ihm die ruhigen Momente, um in sich zu kehren.

Jedes Jahr tritt er in der Stille vor die Krippe, sammelt sich und vertraut sich dem Jesuskind an: «Wie kann ich zu einem wertvollen und nachhaltigen Geschenk für die Gemeinschaft werden? Was kann ich im nächsten Jahr für die Mitmenschen noch besser machen?», mit diesen Fragen setzt sich Alexander Pasalidi in den besinnlichen Augenblicken als Vorbereitung auf das kommende Jahr auseinander.

Für Johannes Siebenmann, den reformierten Pfarrer in Frick, beginnt Weihnachten schon lange vor dem Heiligen Abend beziehungsweise dem 25. Dezember. «Ich habe in den vergangenen Wochen an mehreren Weihnachtsfeiern in der Umgebung teilgenommen», erklärt er.

Der vor kurzem installierte Pfarrer hat in dieser Zeit viele neue Gesichter getroffen und die Zeit für unzählige Einzelgespräche genutzt.

«Weihnachten ist für mich auch ein Fest der Begegnungen», führt er aus. Leckereien, spezielle Gerüche, Strassenbeleuchtungen und Weihnachtsbäume: Sie alle versetzen Johannes Siebemann in festliche Stimmung. «Für mich hat Weihnachten aber vor allem einen hohen Stellenwert wegen des tieferen Sinns, der Menschwerdung Gottes.»

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