Möhlin

Patientin mit Armbruch muss im Pflegeheim über 24 Stunden lang auf Behandlung warten

Im Alters- und Pflegezentrum Stadelbach gibt es Kritik am Notfallmanagement. ZVG

Im Alters- und Pflegezentrum Stadelbach gibt es Kritik am Notfallmanagement. ZVG

Der Hausarzt Hagen Scheerle bemängelt das Notfallmanagement im Stadelbach, weil eine Patienten nach einem mehrfachen Armbruch lange auf eine Behandlung warten musste – und fordert eine Untersuchung.

Hausarzt Hagen Scheerle stösst das Notfallmanagement im Alters- und Pflegezentrum Stadelbach in Möhlin sauer auf. Nach einer Umlagerung lag eine Patientin über 24 Stunden mit mehrfach gebrochenem Arm im Bett, bevor sie behandelt werden konnte. Zwar hat das Pflegeheim den Hausarzt informiert, jedoch nur per Fax an einem Nachmittag, als die Praxis geschlossen war, bestätigt er, wie in einem Bericht der «Neuen Fricktaler Zeitung» zu lesen ist.

«Ich habe nach dem Vorfall Einsicht in die Notfallplanung verlangt.» Die Pflegeleitung habe ihm jedoch die Einsicht mit der Begründung verweigert, dass er kein «Interner» sei. «Stattdessen wurde mir gesagt, ich könne Anzeige erstatten, damit der Fall untersucht wird», so Scheerle, der eigentlich nur wissen wollte, ob es Verbesserungsbedarf in den Abläufen gibt – zum Wohle seiner Patienten.

Judith Dominguez, Leiterin des Alters- und Pflegezentrums Stadelbach, und Alfred Sutter, Präsident des Trägervereins «Wohnen im Alter in Möhlin», waren für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar. Gegenüber der «Neuen Fricktaler Zeitung» halten beide fest, dass die behandelnden Ärzte keine Unregelmässigkeiten bei der Patientin festgestellt haben.

Scheerle hat nach dem Vorfall Konsequenzen gezogen und entschieden, keine Patienten mehr im Pflegezentrum vor Ort zu behandeln. «Ich kann das so nicht mehr verantworten», sagt er und schiebt nach: «Auch andere Hausärzte sind mit den dortigen Abläufen unzufrieden.» Scheerle betont, dass er das Problem nicht im Pflegedienst ausmacht, sondern auf Führungsebene.

Auch die SP Möhlin weiss Bescheid, dass im Stadelbach schon länger nicht alles rund läuft. «Weil unsere Fragen auf dem direkten Weg an die Institution ins Leere liefen, haben wir in einem Brief die Gemeinden, die am Stadelbach angeschlossen sind, über verbesserungswürdige Zustände, wie etwa den Mangel an Pflegezeit informiert», sagt SP-Ortsparteipräsident Werner Erni. Das Motiv des Briefes ist, «dass die Pflege für die Bewohner verbessert wird und die Abläufe so gestaltet werden, dass die Angestellten nicht mehr davonlaufen», sagt Erni, der weiss, dass das Pflegezentrum eine externe Firma beauftragt hat, um die Bewohner und Mitarbeiter zur Situation zu befragen.

Der Brief der SP Möhlin ist auch in den Briefkasten der Gemeinde Hellikon geflattert. «Im Dorf gibt es bereits seit einiger Zeit hin und wieder kritische Äusserungen von Einwohnern im Umgang mit ihren Angehörigen im Stadelbach», sagt Gemeindeammann Kathrin Hasler. Auch weiss sie, dass die Angehörigen der Stadelbach-Bewohner das Gefühl haben, dass ihre Kritik von der Zentrums-Leitung ignoriert werde. Von der Befragung der Bewohner durch eine externe Firma hält Hasler wenig. «Auch wenn diese anonymisiert ist, ist es so, dass tendenziell die Bewohner nicht anecken wollen», sagt Hasler, die eine gründliche Untersuchung der Organisationsstrukturen und -abläufe im Stadelbach für angemessen hält.

Imageschaden in Grenzen halten

André Schreyer, Gemeindeammann von Magden, sagt, dass man an der Generalversammlung der Trägerschaft im letzten Monat eine Stellungnahme von der Pflegeleitung zu den Vorwürfen der SP verlangt habe. «Die Antwort steht noch aus», sag Schreyer.

Fredy Böni, Gemeindeammann von Möhlin, hält es für richtig, wenn das Pflegezentrum eine Organisationsanalyse durchführt und dabei ihr Notfallkonzept überprüfen lässt, um Verbesserungsmöglichkeiten auszuloten. «Nach all dieser Kritik wäre dies der richtige Schritt – auch, um einen noch grösseren Imageschaden zu vermeiden», sagt Böni.

Meistgesehen

Artboard 1