Zeihen
Per Satellit zum Geocaching-Schatz: Dieser Aargauer hat schon 9000 gefunden

Vor 20 Jahren wurde Geocaching erfunden. Meinrad Sutter betreibt die digitale Schatzsuche per GPS.

Hans Christof Wagner
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Meinrad Sutter beim Geocaching in den Wäldern von Zeihen.

Meinrad Sutter beim Geocaching in den Wäldern von Zeihen.

zvg

Am 3.Mai 2000 soll der US-Amerikaner Dave Ulmer die Bewegung der Geocacher begründet haben, als er nahe der Stadt Portland einen Schatz – einen sogenannten Cache – versteckte. Er veröffentlichte die GPS-Koordinaten im Internet und lud andere ein, den Gegenstand aufzuspüren. Das taten diese – Geocaching war geboren. Tags zuvor hatte das US-­Militär das seinerzeit noch für Zivilisten gesperrte GPS-Satellitensystem freigegeben. Annähernd punktgenau Dinge zu orten, war nun möglich. Heute soll es rund drei Millionen aktive Caches weltweit geben, in der Schweiz gut 30000.

9000 hat Meinrad Sutter aus Zeihen selbst ausfindig gemacht, seit er 2011 Geocacher wurde. «Ich war zuvor eigentlich kein so Naturfreak», gesteht er. «Die Möglichkeit, die Natur zu erleben mit einem klaren Ziel vor Augen fasziniert mich daran.» Er sagt: «Kein Cache ist wie der andere und man weiss im Detail nie, worauf man sich einlässt.» Sutter hat sich in Höhlen abgeseilt, ist durch Abwasserkanäle gerobbt, hing in luftiger Höhe an Bäumen. Die exotischsten Länder, in denen er gecacht hat, waren Tansania, Sansibar und Ägypten. Nicht, dass er fürs Geocaching eigens dorthin gereist wäre. Aber immer wenn er in Ferien fährt, gehört es dazu. «So lerne ich diese Länder kennen wie kein anderer, ‹normaler› Tourist», erzählt er. Er hat mitsamt Ehefrau den Jura-Höhenweg, Teile des Via Alpina und den Westweg durch den Schwarzwald absolviert. «Dort Geocaching machen zu können, hat mich motiviert.»

Sutter hat weite Teile des Aargaus abgegrast

Neun Jahre Geocaching – kein Wunder, dass Sutter das Fricktal und weite Teile des Aargaus inzwischen abgegrast hat. «Und wenn der Cache einmal gefunden ist, reizt er mich nicht mehr besonders.» Aber das ist mitunter nicht immer garantiert. «In den ersten Jahren musste ich auch schon schweren Herzens aufgeben. Und noch heute suche ich mich manchmal dumm und dämlich», gesteht er. Alleine durch Flur und Wald streifen – eigentlich ja ein coronageeignetes Freizeitvergnügen. Und doch ist auch die Bewegung vom weltweiten Lockdown betroffen. Die 20-Jahr-Feier in den USA wurde auf 2021 verschoben. Um den Run auf die Wälder nicht noch zu befeuern, werden für die Schweiz momentan keine Daten neuer Geocaches aufgeschaltet. Der Geocacher-Stammtisch in Zeihen, sonst einmal monatlich, ruht der globalen Pandemie wegen derzeit ebenso.

Wenn die digitalen Schatzsucher ihre Aktivitäten wieder hochfahren, geht auch der Cache von Meinrad Sutter online. Es ist der Erste, den er selbst entworfen und versteckt hat. Das Geocaching-Hauptquartier empfiehlt, mindestens 20 Caches zu finden, bevor man einen versteckt. Bei 9000 Fund-Caches hat Sutter die Probezeit ganz schön ausgereizt. Aber sein Anspruch ist eben hoch. Er sagt: «Mich reizen die kniffligen und anspruchsvollen, über mehrere Stationen verteilten Multi-Caches. Langweilige verstecken kann jeder.»