Pilzjahr 2021
Die Körbchen blieben halb leer: Die Erwartungen auf reiche Pilzfunde im Wald wurden enttäuscht

Der Pilz macht was er will. Oder er hat «seinen eigenen Kopf», wie es Jens Haverbeck, Präsident des Vereins für Pilzkunde Fricktal, formuliert. Denn trotz eher positiven Anzeichen im Frühling und Sommer fällt die Pilzbilanz 2021 wider Erwarten enttäuschend aus. Aber so mancher Pilzler kann auch von ganz eigenen positiven Highlights erzählen – auch jetzt noch im Dezember.

Hans Christof Wagner
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Auch Jens Haverbeck aus Kaiseraugst hat 2021 eher wenig Pilze gefunden.

Auch Jens Haverbeck aus Kaiseraugst hat 2021 eher wenig Pilze gefunden.

Hans Christof Wagner (12. Oktober 2020)

Die amtlichen Nachrichten der Gemeinde Kaiseraugst lassen es an Deutlichkeit nicht fehlen. «Aufgrund des Wettereinflusses und des Klimawandels ging die Pilzsaison 2021 schweizweit als eine schlechte Saison zu Ende», hält der Gemeinderat fest.

Offenbar haben die Zahlen, die Pilzkontrolleur Hugo Dill vorgelegt hat, dazu Anlass gegeben: 43 Kilo essbare, 25 Kilo ungeniessbare und 21 Stück giftige, darunter drei grüne Knollenblätterpilze, brachten die Sammler vorbei und liessen ihn einen Blick darauf werfen.

Benno Zimmermann ist Pilzkontrolleur aus Wittnau.

Benno Zimmermann ist Pilzkontrolleur aus Wittnau.

Jurapark Aargau

Benno Zimmermann ist der Pilzkontrolleur von Wittnau. Auch er spricht von einem enttäuschenden Pilzjahr 2021. Der nasse Sommer sei eigentlich ein gutes Zeichen gewesen. Doch im Herbst habe es komischerweise dann doch nicht funktioniert. Die Erwartungen auf reiche Funde im Wald wurden enttäuscht. Vor allem die auf Steinpilze, die weder im Fricktal noch im unter den Fricktaler Sammlern beliebten Schwarzwald zu finden gewesen seien. Und wenn Pilzler dachten, sie hätten ein Exemplar des beliebten Edelpilzes im Körbchen, habe es sich oft in Wirklichkeit um einen Gallenröhrling gehandelt. Zimmermann erklärt:

«Der sieht dem Steinpilz, vor allem wenn er noch klein ist, auch zum Verwechseln ähnlich.»
Eierschwämmli wurden 2021 in der Region eher viele gefunden.

Eierschwämmli wurden 2021 in der Region eher viele gefunden.

Roland Huwiler

Aber wie der Name schon vermuten lasse, sei er bitter und daher ungeniessbar. Pfifferlinge oder Eierschwämmli habe es auf der anderen Seite aber viele gegeben, weiss Zimmermann.

Warum das 2021er-Pilzjahr wider Erwarten unterm Strich doch enttäuscht hat, darüber kann auch Zimmermann nur spekulieren. Dass Pilze Wärme und Feuchtigkeit brauchen, ist bekannt. Aber womöglich sei die Wärme, an der es 2021 gefehlt hat, wichtiger als die Feuchtigkeit. Zimmermann verweist auf die Symbiose, die Pilze mit Bäumen eingehen, und sagt:

«Wenn es den Bäumen nicht gut geht, geht es den Pilzen auch nicht gut.»

Zimmermann weiss von reihenweise kaputte Fichten im Schwarzwald. Fichten gelten auch als Symbiosebäume für Steinpilze - womöglich mit ein Grund für deren Seltenheit im 2021.

Jens Haverbeck aus Kaiseraugst, der Präsident des Vereins für Pilzkunde Fricktal, hat eine ganze eigene These dafür, dass das Pilzjahr 2021 mässig ausgefallen ist. Er sagt:

«Vielleicht haben die Bäume 2021 nach den drei Mega-Sommern 2018 bis 2020 das ganze Wasser für sich alleine genutzt und den Pilzen zu wenig übrig gelassen.»

Es spielten viele Faktoren mit, ob ein Pilzjahr gut oder schlecht werde. Die Pilze hätten eben «ihren eigenen Kopf».

Massenhaft Herbsttrompeten im Dezember gefunden

Haverbecks Eindruck kann auch Monika Sandmeier, Aktuarin des Vereins für Pilzkunde Fricktal, aus Möhlin bestätigen. Ihre Erfahrungen hübschen die 2021er Pilzsaison im Fricktal dann doch ein wenig auf. Denn sie hat noch im Dezember extrem viele Toten- oder Herbsttrompeten gefunden, eine mit dem Pfifferling verwandte Art und für sie sogar noch besserer als der Steinpilz. Sie hat auch eine mögliche Erklärung für ihre reichen Funde: «Vielleicht geht eben im Dezember ausser mir niemand mehr in den Wald zum Suchen.»