Stein
Politikerin der ersten Stunde

Gut 300 Personen nahmen am Montag an der Abdankungsfeier für Elisabeth Schmid-Bruggisser teil. Die CVP-Politikerin war die erste Grossratspräsidentin im Aargau.

Thomas Wehrli
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Bescheiden, tiefgläubig und zeitlebens engagiert: Elisabeth Schmid-Bruggisser wurde gestern auf dem Friedhof in Stein beigesetzt. Archiv

Bescheiden, tiefgläubig und zeitlebens engagiert: Elisabeth Schmid-Bruggisser wurde gestern auf dem Friedhof in Stein beigesetzt. Archiv

«Elisabeth Schmid schrieb bereits zu Lebzeiten Geschichte», würdigte Landammann Roland Brogli am Montag an der Abdankungsfeier in Stein die «Frau der ersten Stunde», die 1973 – zwei Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts – in den Grossrat gewählt wurde und 1985 als erste Frau das Ratspräsidium übernahm. «Sie war eine Pionierin und eine moralische Instanz zugleich.»

Vor allem aber war Elisabeth Schmid eines: ganz Mensch. «Sie hat sich mit Herzblut für die Mitmenschen eingesetzt», sagte Diakon Urs Buser, der zusammen mit Pfarrer Karl Ries den Gottesdienst gestaltete.

Sie war stets da für all jene Menschen, «die sich selber nicht wehren konnten» (Brogli). Als bescheiden, tiefgläubig und zeitlebens engagiert hat Buser die Politikerin, die am 25. September im Alter von fast 91 Jahren nach langer, geduldig ertragener Krankheit verstarb, erlebt. «Sie genoss im Dorf, im Kanton und weit darüber hinaus grösste Achtung.»

Für alt Grossratspräsident Peter Müller aus Magden war Schmid «ein Vorbild», für CVP-Ortsparteipräsident Walter Zumstein eine «offene und herzliche Frau, von der ich mir nicht vorstellen kann, dass sie je in ihrem Leben mit einem anderen Menschen Streit gehabt hat.»

Stark geprägt haben Schmid zwei Lebensabschnitte: zum einen ihre Kindheit. Sie wuchs als drittes von sieben Kindern in einer tief gläubigen Grossfamilie in Wettingen auf. «Die Grossfamilie lehrte sie Einfühlsamkeit und Achtsamkeit», so Brogli. Prägend war, zweitens, die tragische Erfahrung, das eigene Kind elf Tage nach der Geburt zu verlieren. Die Ehe mit Josef Schmid, dem Gemeindeschreiber von Stein, der ebenfalls viele Jahre für die CVP im Grossrat sass, blieb kinderlos – und just dieses schicksalhafte Moment in ihrem Leben sorgte dafür, dass sich Elisabeth Schmid noch stärker zu engagieren begann. Zuerst sozial, dann politisch.

In der CVP fand Schmid die Familie, die ihr privat verwehrt blieb. Der Steiner CVP-Gemeinderat Walter Zustein nennt sie eine «Mentorin», Nationalrätin Ruth Humbel «meine politische Mutter». Schmid habe sie mit ihrer werteorientierten Politik beeindruckt. «Sie politisierte so gepflegt und charmant, wie sie als Persönlichkeit auftrat.» Auch für Brogli wurde Schmid zur «Ziehmutter», die sich um seine politische und private Zukunft sorgte. «Sie wies mich immer auf weibliche Personen hin, die sie sich für mich vorstellen konnte.»

An der schlicht gehaltenen Abdankungsfeier nahmen gut 300 Personen aus Dorf, Politik und Gesellschaft teil. Den Kanton vertraten neben dem Landammann Brogli Grossratsvizepräsident Markus Dieth – er ist gleichzeitig Gemeindeammann in Wettingen, also just in jener Gemeinde, in der Schmid aufwuchs – sowie Staatsschreiber-Stellvertrerter Urs Meier.

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