Preis
Ausgezeichnet: Ueli Mäder erhält den Erich-Fromm-Preis 2022

Der Basler Soziologe, der im Rheinfelden lebt, wird für sein gesellschaftspolitisches Engagement mit dem international renommierten Preis ausgezeichnet. Dabei spielt auch ein Artikel der «Aargauer Zeitung», der vor fünf Jahren erschienen ist, eine Rolle.

Thomas Wehrli
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Ueli Mäder war bis zu seiner Emeritierung 2016 Professor für Soziologie an der Universität Basel.

Ueli Mäder war bis zu seiner Emeritierung 2016 Professor für Soziologie an der Universität Basel.

Martin Toengi

Grosse Ehre für Ueli Mäder: Der schweizweit bekannte Soziologe, der bis zu seiner Emeritierung 2016 in Basel dozierte und seit vielen Jahren in Rheinfelden lebt, erhält für sein gesellschaftspolitisches Engagement den Erich-Fromm-Preis 2022.

«Der Preis überrascht und freut mich sehr», sagt Mäder. Die Schriften von Erich Fromm würden ihn seit seiner Jugend begleiten. «Die Kunst des Liebens faszinierte mich schon früh.» Ihm liege es gerade in der heutigen Zeit daran, an Fromm zu erinnern. Denn:

«Er verbindet als Psychoanalytiker und Soziologe das Soziale mit dem Psychischen.»

Das zeige sich auch in seinem Spätwerk Haben oder Sein, das auf seine Zeit in der Schweiz (1974-80) zurück gehe und sehr aktuell sei. «Wir diskutieren heute viel über soziale Ungleichheit. Zu Recht. Das ist wichtig.» Materielle Umverteilung sei zentral, aber von beschränkter Reichweite. Er findet:

«Wir müssen uns auch mehr vergegenwärtigen, wie unser Da-Sein verkümmert,wenn wir uns vornehmlich am materiellen Wachstum orientieren.»

Der Soziologe sei, so schreibt die Jury, «sowohl dem sozialpsychologischen als auch dem humanistischen Denken Erich Fromms verbunden». Dieses werde von ihm für die Gegenwart aktualisiert. Spezialisiert hat sich Mäder auf Fragen der sozialen Ungleichheit sowie der Konflikt- und Kooperationsforschung.

Er vertritt dabei gesellschaftskritische Positionen – insbesondere bei Fragen der Ungleichheit und Armut – und nimmt auch kein Blatt vor dem Mund. Aber, so hält die Internationale Erich-Fromm-Gesellschaft fest:

«Er tut dies jedoch stets auf respektvolle Art und baut dadurch erfolgreich Brücken.»

Genau deshalb geniesst der Linke auch den Respekt Andersdenkender. Auch wenn sie ihm inhaltlich nicht zustimmen – wie etwa beim bedingungslosen Grundeinkommen, das Mäder befürwortet. Ihm war und ist es bis heute ein grosses Anliegen, dass die Gesellschaft als ganze gerechter wird und dass die Kluft zwischen Arm und Reich geschlossen wird.

Immer Perspektive «von unten» eingenommen

«Ähnlich wie Fromm, der die Perspektive der Machtlosen bevorzugt hat, hat Mäder, selbst aus einfachen Verhältnissen stammend, immer die Perspektive ‹von unten› eingenommen», hält Henning Kurz, Leiter der Volkshochschule Grenzach-Wyhlen, fest.

Kurz war es, der der Jury Mäder als Preisträger vorschlug – und er legte dazu, so berichtet es das «Fromm Forum», einen Artikel bei, der am 2. Mai 2016 im Fricktal-Teil der «Aargauer Zeitung» erschienen ist. Unter dem Titel «Der linke Soziologie-Professor hat das Herz auf dem rechten Fleck» versucht der Autor, darin zu ergründen, wie der Mensch Ueli Mäder tickt. Er weiss dabei: Es kann nur eine Annäherung sein.

Das «Fromm Forum» zitiert in seiner jüngsten Ausgabe eine Passage aus dem Artikel, die den Mensch Mäder ganz gut fasst:

«Bescheidenheit oder vielmehr: Einfachheit ist sein Wesen. Sie rührt daher, dass er jeden Tag sieht: Ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens. Für dieses Privileg ist er dankbar, gibt davon, so gut er kann, etwas zurück: Er unterstützt die Randständigen – mit Worten und Franken.»

Mäder reiht sich in einen Reigen bekannter Preisträger, darunter Eugen Drewermann, Anne-Sophie Mutter, Hartmut Rose, Konstantin Wecker oder Paul Mason. Die Preisverleihung findet am 21. März 2022 in Stuttgart statt.

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